Donnerstag, 27. Oktober 2016

3 Schritte, die mir in stressigen Momenten helfen bedürfnis- und beziehungsorientiert zu handeln

Fotografie: Fotolia




Ich finde es unheimlich spannend, wie alles miteinander verbunden ist und letztlich eine Artikelreihe entstanden ist: Selbstreflexion als Voraussetzung für beziehungsorientierten Umgang, Glaube als Unterstützer im beziehungsorientierten Alltag und nun soll es um Strategien gehen. Strategien, die uns als Eltern helfen in besonders emotionalen, aufreibenden, herausfordernden Momenten mit unseren Kindern gut zu handeln und einen „kühlen Kopf“ zu bewahren. Strategien, die ich ausprobiert habe und die mir helfen die Bedürfnisse meines Kindes hinter seinem Verhalten wahrzunehmen und auf Beziehungsebene darauf einzugehen.

Leserin Marie brachte mich mit ihrem Kommentar unter dem Artikel zur Selbstreflexion darauf das Thema auszuweiten. Sie schrieb: „Interessant (und auch oft der schwierigste Part) ist auch die Frage nach einer passenden Strategie in den Momenten, wo es brennt. Also wie komme ich überhaupt dahin einfühlsam auf mein Kind reagieren zu können? Was mir hilft: Durchatmen. Zur Not den Raum verlassen. Und wenn es nicht so gelaufen ist wie gewünscht: im Nachhinein reflektieren.“

Da gebe ich ihr völlig recht: es ist der schwierigste Part und diese Strategien bewusst zu sammeln, fand ich sehr spannend und eine gute Ergänzung zu den vorangegangenen Artikeln. Ich habe gemerkt, dass ich in 3 Schritten reagiere: Zurücktreten – Sortieren – Lösung finden. Und diese Schritte möchte ich euch nun vorstellen.

Schritt 1: Zurücktreten

Zurücktreten heißt für mich, innerlich und äußerlich - geistig und körperlich - einen Schritt aus der Situation herauszutreten um einen Moment der Besinnung zu erreichen. Denn nur dann habe ich die Möglichkeit Schritt 2 zu erreichen. Praktisch bedeutet das, dass ich versuche kurz zu „entspannen“ und mir Zeit zu geben. Ich persönlich nutze dafür gern Durchatmen/ Luftanhalten oder einen kurzen Moment mit Gott. Die Möglichkeiten sind endlos und es ist nur wichtig, dass ihr persönlich damit etwas anfangen könnt, einen Bezug dazu habt und es vor allem SCHNELL abrufen könnt. Daher ist Durchatmen und Luftanhalten für mich meist das erste; den automatischen Reflex der Atmung zu durchbrechen, hilft mir beim Innehalten sehr wirkungsvoll. Das darf auch ruhig 3-10 Sekunden dauern. Hier noch ein paar andere Beispiele: Durchatmen, Durchschnaufen, Zählen, Buchstabieren, zur Seite oder nach oben schauen, sich selbst einen bestimmten Satz oder ein Keyword (z.B. Ruhe) sagen, kurz die Hände falten, Augen schließen.

Schritt 2: Sortieren

Mit Sortieren meine ich, dass man durch das Zurücktreten nun die Möglichkeit hat den ersten Handlungsimpuls (meckern, Nein sagen, genervt sein etc.) loszulassen und sich zu fragen: Was ist jetzt wichtig? Was ist MIR jetzt wirklich wichtig? Handle ich aufgrund von gesellschaftlichen Konventionen und weil andere etwas von mir als Mutter erwarten? Handle ich aus Zeitnot? Was braucht mein Kind gerade? Was will es durch dieses Verhalten ausdrücken?

Zusätzlich hilft mir ein Perspektivwechsel sehr gut. Ich sage dann zu mir, dass ich auch mal ein Kind war, mit genau diesen Bedürfnissen, Nöten und diesem „nervigen“ Verhalten. Dann frage ich mich, was ich mir von meinen Bezugspersonen wünschen würde (häufigste Antwort: mich zu verstehen, mich ernst zu nehmen). Diese Sichtweise ist meist mein letztes Werkzeug um Abspaltung zu vermeiden. Denn durch die Identifikation mit dem Kind ist es nicht mehr möglich seine Gefühle und meine Empathie wegzuschieben. Ich kann mich wieder frei machen für die Wirklichkeit meines Kindes. So hilft mir Schritt 2 dabei, in Beziehung zu bleiben und den Weg für eine (spätere) Selbstreflexion zu ebnen.

Schritt 3: Lösungen finden

Nachdem der erste Impuls „verraucht“ ist und ich mich sortieren konnte, bin ich nun frei Lösungswege, Alternativen und Kompromisse für mich und das Herzmädchen zu finden. Je nach Situation sind diese sehr verschieden, denn an jedem Tag erleben wir als Eltern hunderte von einmaligen Momenten und darunter einige stressige Momente unterschiedlicher Ursachen mit unseren Kindern. Daher sind meine „Lösungsangebote“ längst nicht abschließend oder perfekt. Dennoch habe ich bemerkt, dass ich drei grundsätzliche Strategien habe, die ich je nach „Örtlichkeit“ unterschiedlich anwende und die mir enorm helfen unseren Alltag zu entspannen: Kommunizieren, Alternativen anbieten, Freiräume schaffen

Zu Hause tauchen klassischerweise eher Themen wie beispielsweise kaputt-machen, nicht-anziehen-wollen, weg-rennen, nicht-Zähne-putzen-wollen auf. Wie bei allen Situationen erkläre ich zuerst die Situation und auch warum das jetzt sinnvoll wäre. Wenn das Herzmädchen das nicht möchte, dann biete ich ihr Alternativen an oder lasse ihr ihren Freiraum. Das letztere fällt mir oft schwer, da ich ein sehr strukturierter Mensch bin (ich möchte gern zu einem bestimmten Zeitpunkt los, ich möchte gern Zähneputzen abhaken – aber das sind meine! Wünsche). Daher versuche ich diese Zeiträume für mich sinnvoll zu füllen und nicht herumzustehen, zu warten oder dauer-redend hinter ihr herzulaufen. Ich erledige etwas im Haushalt, mache etwas, was mir gut tut, lese, schaue Post durch. Eine gute Idee für diese Situationen wäre es eine Liste oder einen gut sichtbaren Stapel/ Ort zu Hause zu haben, wo solche zeitlich kurz zu schaffenden Dinge liegen – falls ihr auch so voller Tatendrang seid wie ich, ansonsten hinsetzen und chillen ;). Bei uns klappt es auch je nach Anliegen gut am Ort des Geschehens kurz zu warten: im Bad oder auch angezogen schon mal vor die Tür zu treten.

Unterwegs liegen die „Probleme“ meist ganz anders. Auf dem Spielplatz oder mit Freunden ist es vor allem das Thema Teilen, in dem Sinne, dass natürlich jedes Kind in exakt dieser Minute das eine Spielzeug haben muss. Da ist für mich Durchatmen und vermitteln, vermitteln, vermitteln gefordert - also in der Nähe bleiben. Aber sonst ist es auf Spielplätzen, in der Natur oder bei der Runde um den Block relativ entspannt bei uns.

Vorbereiteter begebe ich mich dafür in die „Welt der Erwachsenen“, da wo Geld den Besitzer wechselt oder wo andere Erwachsenendinge wie Ämtergänge o.ä. erledigt werden müssen. Die größten Stressmomente entstehen, wie ich finde, durch falsches Zeitmanagement, fehlende Ablenkung, fehlendes Essen und Trinken und gesellschaftlichen Druck. Ich beobachte, dass wir uns als Eltern meist zu viel vornehmen: flexibel bleiben und erst mal einen Punkt von der to-do-Liste abarbeiten! Konkret heißt Zeitmanagement für mich auch genügend Zeit für Hin- und Rückweg einplanen (interessante Wegentdeckungen oder auch einen Spielplatzabstecher zur geeigneten Zeit); eben den Blick für kindliche Freiräume behalten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viel schaffbar ist, wenn ich sehe, wann eine Pause nötig ist und wie ich die auch in der kinderunfreundlichsten Umgebung einrichte. Zum Beispiel haben wir meist einen Miniball mit und dann spiele ich mit ihr eben Fußball während wir warten müssen (z.B. auf einem breiten Fußweg oder auch auf einem kleinem Stück Rasen neben dem Parkplatz; den Kindern ist das meist egal: Hauptsache Bewegung, Spaß und nicht mehr so langweiliger Erwachsenenkram). Dann geht es auch mit viel besserer Laune an die nächste Aufgabe. Bei genügend Zeit können Kinder auch super mit einkaufen, rumgucken, im Einkaufswagen ein Buch anschauen, ein kleines mitgebrachtes Spiel machen oder essen. Oft plane ich das mit dem Essen auch gerne taktisch ein: beim Autofahren, bei einem Gesprächstermin oder wenn ich mal schnell von A nach B muss im Buggy.

Am schwierigsten finde ich es aber mich von der Meinung anderer, ob etwas stört oder richtig ist, unabhängig zu machen: in der Straßenbahn auch mal lauter rumzualbern und aus Spaß ihre Kindermütze aufzusetzen, wohlwissend das uns alle zuschauen. Oder aber meine Auffassungen und Werte öffentlich umzusetzen und nicht dem äußeren Druck nachgebend sinnlos zu erziehen. Eben zur Not in einem Beratungsgespräch mein damals 1,5 Jähriges Kind vor Fremden zu stillen, die Sachen im Laden von ihr aus dem Regal ausräumen zu lassen (ich sortiere dann wieder ein) oder ihre Meinung trotz kritischer die-hat-dich-doch-im-Griff-Blicke ernst zu nehmen.

Voraussetzungen

Um überhaupt den Kopf frei zu haben für drei Schritte oder alternative Lösungen, braucht es für jeden ein paar Voraussetzungen, um sich dem überhaupt widmen zu können: Jeder in der Familie sollte (durchschnittlich gesehen) genügend Essen und Schlaf abbekommen. Denn sonst ist der Organismus im Stresszustand und sinnvolle bedachte Lösungen zu finden oder Zurückzutreten werden schwierig. Daher ist dieser Punkt ein erster, der bei Anhäufung stressiger Momente, Streit und Ausraster in der Familie überprüft werden sollte. Wenn es der Fall ist, dann stehen Essen und Schlafen an oberster Stelle!

Kommunikation: reden, reden, reden müssen wir mit unseren Kindern. Ihnen ist noch so vieles unbekannt und neu. Was für uns ganz normal und überschaubar wirkt, ist für sie oft wie für uns der Arbeitsbeginn in einem neuen Berufsfeld: es gibt viele unverständliche Abkürzungen und die Kollegen verschwinden in uns unbekannten Räume. Daher müssen wir unbedingt im Gespräch bleiben: erklären, was heute ansteht, wohin wir gehen, was wir dort wollen und wie wir gemeinsam daraus eine gute Zeit machen können.

Mein letzter Punkt ist Organisation. Ich finde Organisation ist oft alles, sowohl in Bezug auf Zeit, auf Abläufe, auf mitzunehmende Dinge als auch darauf das „Gesamtwerk“ im Auge zu behalten. Vorausschauende Planung und Flexibilität haben bei uns schon oft stressige Momente entspannt oder verhindert. Gerade in Bezug auf Anforderungen an Kinder, was sie alles mitmachen (sollen), ist es wichtig den Wochenverlauf im Blick zu haben. Neben all dem Freunde treffen, Freizeitaktivitäten, am Wochenende bei der Familie, Einkauf und Erledigungen ist es wichtig Ruhetage, auch mal eine Ruhewoche oder zumindest von Kind selbstbestimmte Freiräume einzuplanen, erst recht nach  erlebnisreichen und anstrengenden Stunden bei der Tagesmutter oder im Kindergarten.

Fazit

Zusammenfassend habe ich also in stressigen Momenten folgendes Schema im Kopf: Durchatmen– Nachdenken – Handeln. Das heißt konkret, dass die ersten zwei Schritte mehr Zeit kosten, als ich es vielleicht früher gewohnt war, denn ich reagiere nicht sofort. Das hat gleichzeitig den Vorteil, dass ich noch einen Moment länger beobachten kann und sich schon so manches Mal ein „Problem“ aufgelöst oder zumindest abschwächt hat. Zusätzlich habe ich Zeit zum Nachzudenken, zum Sortieren und Reflektieren. Dann weiß ich genau: So möchte ich jetzt handeln! Das möchte ich jetzt sagen! Lieber länger überlegt und abgewartet als etwas „rausgeplautzt“, dass sich dann als kontraproduktiv herausstellt.

Ich denke (aufgrund von Beobachtungen und Gesprächen), dass viele Eltern das Gefühl haben, sie müssen sofort reagieren und auch sofort genau richtig. Zurückrudern oder Kompromisse eingehen kommt aber wiederum dann für viele nicht in Frage. Konsequenz ist ein anderes Thema, dennoch landen wir auf diese Weise schnell in einer Spirale von Aktion und Reaktion (kindliche Aktion und Meckern, kindliche Aktion und Meckern usw.). Die angesehenen gesellschaftlichen Werte Effektivität und Effizienz können uns in der Interaktion mit unseren Kindern eher behindern. An dieser Stelle sind Geduld und Umsichtigkeit sinnvoller und tragen aus meiner Sicht am besten zu einem wertschätzenden und gleichwertigen Umgang in der Familie bei. Wir dürfen uns Zeit lassen. Wir müssen nicht sofort eine Antwort oder Meinung haben. Nicht in der ersten Sekunde. Nach 30 Sekunden oder gar einer Minute können wir ebenso gut auf die Situation eingehen (Notfallsituationen natürlich ausgeschlossen) und haben den Vorteil dann entspannter und zielsicherer zu handeln.

Was hilft euch im Alltag? Welche Strategien habt ihr entwickelt? Ich freue mich auf eure Ideen!

Eure Anne


PS: Wenn euch der Artikel gefallen hat, freue ich mich über ein Like :)

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Lass mich wie ich bin - Rahmengedicht von Cornelia Voigtmann

Lass mich wie ich bin

Du hast mich geboren, um mich zu kriegen
kaum kann ich reden, versuchst du mich zu verbiegen
Sag ich dir, was ich fühl,
ziehst du erst deine Sichtweise ins Kalkül
Muss ich weinen und es ist dir gerade nicht recht,
sagst du, an der Stelle ist es jetzt aber schlecht

hab ich eine Meinung ganz sicher und fest
betonst du deine Erfahrung und erledigst den Rest
ist mir im Inneren nach einem klaren Nein
bist du erschrocken und sagst, das ist nicht fein
Ist  mir nicht danach mich verlogen zu bedanken
empörst du dich und weist mich in die Schranken
hab ich mir dann passendes zum Freunde gewählt
der ist nicht recht für dich, wird mir dann erzählt
Vielleicht ist es dir wichtig, dass ich schon unendlich viel kann
So meldest du mich an beim Reiten, Chinesisch, Kong Fu und Sangan

So hast du immer einen Plan für mich
Da ist die Frage, trifft er wirklich mein Ich?

So bring mich zur Welt, um mich zu kriegen
schenkt mir Vertrauen, denn so kann ich siegen
Unterstützt mich in meinen Gefühlen
so mahl ich bestes Korn in meinen Mühlen
Steh hinter mir, wenn ich mutig sage „Nein“
so lern ich zu sorgen für mein kraftvolles „Sein“
Schau mich an und überlege wer ich bin
so finde ich leichter im Leben meinen Sinn
was dir wichtig, mach mir vor in deinem Leben
so kann ich glücklich nach einem sinnvollen „Mein“ streben

So haben wir alle einen Gewinn


Fotografie: Anja Steffens


Donnerstag, 13. Oktober 2016

Wie mir mein Glaube dabei hilft im Alltag bedürfnis- und beziehungsorientiert zu handeln

Fotografie: Susan Steffens

Im letzten Artikel habe ich über Selbstreflexion als Grundlage für einen liebevollen und gleichwertigen Umgang in der Familie geschrieben. In dem Moment in dem ich mich selbst wertschätze und mich auf den Weg mache zu wachsen, sehe ich den Unterschied zwischen den eigenen Gefühlen und der Erlebenswelt meines Kindes. Das macht mich emphatisch. Doch wie schaffe ich es all die herausfordernden und oft schwierigen Momente in der kindlichen Autonomiephase als Eltern zu meistern? Hier können uns verschiedene Strategien helfen und meine möchte ich euch im nächsten Artikel gern ausführlicher vorstellen. Doch zuerst möchte ich euch gern hier erzählen, warum mir mein Glaube hilft bedürfnisorientiert zu handeln.

Natürlich lässt sich Glaube nicht so leicht erklären, doch nehme ich an das fast jeder von euch eine Vorstellung von Glauben hat und das auch die meisten etwas haben, an das sie glauben - so unterschiedlich das auch sein mag. Genau dieser Glaube (bei mir der christliche Glaube an Gott) kann uns als Eltern helfen, uns stützen und uns Ruhe geben. Denn eines hat meiner Meinung nach jeder positive Glaube gemein: er ist entlastend. Glaube kann etwas sein, was uns die Welt erklärt, was uns Werte gibt, was uns Gemeinschaft schenkt oder etwas „Höheres“ was für uns im Alltag wie ein Leuchtturm strahlt (und natürlich vieles, vieles mehr). Mir hilft es vor allem zu wissen, dass ich mich auf Gott verlassen kann, an ihn meine Sorgen abgeben kann und immerfort von ihm mit Liebe gefüllt werde. Dieses Empfinden macht es für mich leichter Vertrauen in mein Kind zu haben, Liebe auch an sehr anstrengenden Tagen zu geben und Ruhe in schwierigen Momenten zu behalten.

Besonders in meiner Ruhe und in meiner Achtsamkeit zu bleiben verdanke ich dem Gottvertrauen, welches ich seit ich Mutter bin gelernt habe. Gerade in der Babyzeit war ich oft mit Situationen konfrontiert, welche mich auf den ersten Blick überfordern konnten. Genau da musste ich lernen ruhig zu bleiben, Prioritäten zu setzen und Dinge anzunehmen. Es lief häufig anders als geplant, aber meistens hat doch alles seinen Sinn gehabt. Ich habe dann oft gebetet oder einfach zu Gott gesagt: Ich vertraue dir, dass du einen Plan hast. Und den hatte er! Das hat mich wirklich Vertrauen in ihn gelehrt.

Ich nehme an, dass wir als Eltern alle diese Situationen kennen, nicht zu wissen, ob man pünktlich sein wird, ob das Kind nun endlich ins Auto steigt, ob es schläft oder auch bitte gerade noch nicht im Auto sondern erst zu Hause oder ob es den Magen-Darm-Infekt gut übersteht. Auf viele Frage haben wir keine Antwort und genau da beruhigt es mich zu wissen, dass Gott die Antworten kennt, dass er einen Plan hat und für mich und mein Kind das Beste will. Bin ich also wieder einmal an einem Punkt, an dem ich nicht weiterkomme, dann kann ich das ruhigen Gewissen an ihn abgeben. Durch dieses Vertrauen erhalte ich sehr viel Kraft und Ruhe und das erstaunt mich jedes Mal aufs Neue.

Dieses Vertrauen ist dabei unmittelbar mit Loslassen gekoppelt. Ich kann nur wirklich vertrauen, in dem ich die Sorgen auch wirklich abgebe, wirklich loslasse. Ein bedingungsloses Vertrauen sozusagen. Wunderbarerweise kann ich dadurch meinem Herzmädchen auch viel besser bedingungsloses Vertrauen entgegenbringen, denn im Loslassen und Vertrauen bin ich geübt. Ich bin überzeugt, dass Kinder genau das brauchen: unser Vertrauen, in sie als Person und in all ihre Fähigkeiten. Auf diese Weise kann ich Gottes Geschenk an mich, dem ich nur bedingungslos vertrauen kann, weil er mir bedingungslos vertraut, an mein Kind weitergeben.

Ebenso und noch viel mächtiger ist die bedingungslose Liebe, die Gott schenkt. Sie füllt mich immer wieder auf. Gerade in den Momenten, in denen mein Herzmädchen ihren Unmut über uns äußert, sie vielleicht haut oder schubst, ist meine Herausforderung groß, empathisch und verständnisvoll für sie zu bleiben. Genauso beim Weinen, wenn ich keinen ersichtlichen Grund für diesen Gefühlsausbruch erkenne, merke ich oft den Drang, das beenden zu wollen. Ein Gebet oder ein Moment mit Gott hilft mir, ruhig zu bleiben, Nähe und Liebe zu schenken und abzuwarten. Genau das braucht sie dann auch, jemanden der da ist, der nicht bewertet und alles mit aushält. Auf diese Weise lernt sie ihre Gefühle anzunehmen und sie „auszuhalten“. Kinder brauchen jemanden, der sie bedingungslos liebt und das auch zeigen kann, besonders an Tagen oder in Momenten, in denen es nicht nur Glück gibt.

Ich bin gespannt ob es einigen von euch auch so geht und welche Erfahrungen ihr mit Glaube und der Beziehung zu euren Kindern gemacht habt! Ich kann an diesem Punkt „nur“ von meinen Erfahrungen berichten, habe also keine Fachliteratur auf die ich mich stütze und ich bin ehrlich auch etwas aufgeregt, denn über den eigenen Glauben zu schreiben und sei es auch wie hier nur über einen Teil davon, ist sehr persönlich und neu für mich. Ich freue mich also über eure Gedanken dazu!

Eure Anne


PS: Wenn euch mein Artikel gefallen hat, freue ich mich über ein Like :)

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Warum man sich selbst gut kennen muss, um bedürfnis- und beziehungsorientiert zu handeln

Fotografie: Fotolia

Jeden Tag erleben wir als Mütter und Väter Situationen mit unseren Kindern, die uns herausfordern, die wir so nicht nachempfinden können, die uns unlogisch erscheinen oder die uns auch unangenehm vor anderen sind. Das kann das typische Weinen und Hinlegen im Supermarkt sein, das Nicht-raus-gehen-wollen, ein falscher Brotaufstrich, die falschen Socken, eine gefühlt endlose Einschlafbegleitung und vieles mehr. Jeden Tag sind wir für unsere Kinder da, sind Manager des Tagesablaufs, Diplomat bei Streitigkeiten, Chefkoch für verschiedene kreative Essenswünsche, Anziehberater für ausgefeilte Modekreationen oder Tröster in unaussprechlichen Notlagen. 

Das macht uns als Eltern aus, das macht uns flexibel, einfühlsam, ungeheuer leistungsstark – ein Multifunktionsgerät quasi und in manchen Momenten und an manchen Tagen treibt es uns einfach an den Rand unseres Daseins, unseres Könnens und Wollens. Denn all diese Rollen, die wir für unsere Kinder ausfüllen, sind ja nicht unsere einzigen Aufgaben. Haushalt, Haustiere, Familien- und Beziehungspflege und bei den meisten Eltern natürlich auch die Arbeit oder Ausbildung nehmen unsere Aufmerksamkeit ebenso in Anspruch.

In all diesen Situationen mit dem eigenen Kind in Beziehung zu bleiben, es zu verstehen, seine kindliche Wahrnehmung nachzuvollziehen und entsprechend da zu sein, dass empfinde ich als eine der größten Herausforderungen des Elternlebens. Denn damit ist ja ganz oft verbunden, dass meine eigenen Pläne nicht so funktionieren oder auch zeitlich nicht mehr schaffbar sind. Damit ist verbunden, dass mich Gefühle, Themen und Situationen triggern, die aus meiner eigenen Kindheit oder Geschichte herstammen. Das heißt ich muss immer wieder „über mich hinauswachsen“. In dem Sinne, dass ich ganz bewusst nicht auf mich und meine Befindlichkeiten in dem Moment reagiere, sondern mich frage: „Warum reagiert mein KIND jetzt so?“ „Was ist gerade in SEINER Welt passiert?“

Den Drang zu meckern, zurechtzuweisen, abzuwiegeln, herabzuspielen, es also schlicht weg nicht ernst zu nehmen und als nervig abzustempeln, den kenne ich. Aber das ist unser Gefühl als Elternteil, das was es mit UNS macht! Denn meist möchten wir diesen Gefühlen jetzt nicht begegnen. Wir werden ganz automatisch getriggert. Also mit in die Gefühle des Kindes hinein genommen, weil wir sie selbst kennen und da möglicherweise an eine Situation oder die Reaktion unserer Eltern/ Bezugspersonen erinnert werden. Wenn man den beschriebenen Drang bewusst wahrnimmt, ihn sich merkt, um es später für SICH zu klären, dann hat man eine gute Chance den kindlichen Gefühlen liebevoll zu begegnen und auch eine gute Chance das Warum, das diese Gefühle und Gedanken ausgelöst hat, für sich zu identifizieren. Das ist sehr wichtig für den eigenen Entwicklungsprozess.

Denn Kinder halten uns immer wieder den Spiegel vor. Man kommt quasi nicht daran vorbei, es sei denn man bedient sich eben der oben beschriebenen Strategien, aber dann sind wir weit weg von bedürfnis- und beziehungsorientiert. Erst recht was die ganz eigene Bedürfnis- und Beziehungsorientierung angeht. Die eigenen Bedürfnisse, Grenzen, Meinungen, Werte, Glaubenssätze, Baustellen, Handlungsmotive und so weiter zu kennen, bedeutet eben auch offen für die der anderen sein zu können. Denn wenn ich mich vor mir selbst verschließe, wie soll ich mich da einfühlsam und authentisch für die meines Kindes öffnen?

Der Triggerpunkt, das Spiegelbild – es wird immer wieder auftauchen. Setzen wir uns bewusst damit auseinander, können wir uns besser kennen lernen, Themen aufarbeiten und im Endeffekt nur so bessere Eltern werden. Denn wer seine Punkte kennt, kann diese bewusst erkennen, kurz „zur Seite legen“ und wirklich wertfrei, empathisch und gleichwertig auf das eigene Kind eingehen.

Denn und das ist wichtig: die Wahrnehmung und Gefühle des Kindes sind seine Wirklichkeit! Für das Kind ist es seine Realität in seiner Welt. Die Wirklichkeit meines Kindes und meine Wirklichkeit sind zwei völlig verschiedene, aber ebenso richtige. Um seine Realität zu verstehen und damit umzugehen, braucht es aber meine Hilfe - auch bei ganz kleinen Dramen wie ein falscher Brotaufstrich. Für uns ist der Umstand nicht den gewünschten Brotaufstrich zu haben sehr gut integrierbar. Wir haben verschiedene Strategien um mit dieser Tatsache umzugehen: einen Neuen kaufen, unterwegs essen, etwas anderes essen, Kaffee trinken. Unser Kind kennt diese Alternativen noch nicht oder zumindest sind sie im Moment des Gefühlsausbruchs nicht „abrufbar“. Es braucht einfach jemanden, der liebevoll tröstet, die Gefühle erklärt und eben diese Alternativen aufzeigt. Folgen wir unserem oft vorhandenen Impuls diesen Gefühlsausbruch irgendwie abzustellen, lernt unser Kind eher folgendes: ich werde nicht ernst genommen, dann bin ich lieber still, ich muss alleine klar kommen, meine Gedanken und Gefühle sind falsch und unbegründet, ich bin falsch. Das sind sie nicht, sie werden nur eben besonders bei kleineren Kindern sehr intensiv erlebt und ausgedrückt.


Diesen kommunikativen, einfühlsamen Weg einzuschlagen braucht etwas Geduld und Mühe, aber er lohnt sich sehr! Denn nachher ist man viel näher an der wirklichen Erlebens- und Gefühlswelt des eigenen Kindes dran und eben nicht nur an seiner eigenen. Aus diesem Grund ist der Grundstein für beziehungs- und bedürfnisorientierte `Familienbeziehungen` die Reflexionsbereitschaft und das Reflexionsvermögen von uns Eltern.

Eure Anne

PS: Der Artikel zur Kita-Eingewöhnung kommt noch (der muss noch etwas reifen). Im nächsten Artikel geht es aufbauend zu diesem Thema darum, wie mir mein Glaube dabei hilft in Beziehung mit meinem Kind zu bleiben und herausfordernde Situationen zu meistern. Wenn euch mein Artikel gefallen hat, freue ich mich über ein Like :)

Samstag, 1. Oktober 2016

Wieso für uns Kinder, Gott und Nachhaltigkeit zusammen passen! - Drei Themen, Ein Blog

Fotografie: Fotolia

Die Idee ein Blog zu schreiben hatte ich schon vor zwei Jahren am Anfang meines Mama-Daseins. Ich las viel in Blogs und Gruppen und war fasziniert von dem Wissen, welches ich dort so liebevoll aufbereitet bekam und ich war fasziniert von dem Gedanken auch etwas zu schreiben, denn das habe ich schon immer gern gemacht. So viele gute Eltern-Blogs habe ich kennen und lieben gelernt und genau das war der springende Punkt: den Bedarf mich auch in die Riege der Elternblogger einzureihen sah ich nicht wirklich. Mein innerer Wunsch ist eigentlich bis heute, diese tollen Blogs noch viel bekannter zu machen und bei Gelegenheit stelle ich euch gern mal vor, welche ich so lese :)
  
Mit der Gründung von Herzensbande kam die Idee dann wieder, insbesondere weil wir auch hier in Dresden Dinge anschieben und Eltern vor Ort beraten und informieren wollen. Immer wieder beobachte ich (oder Yvonne berichtet mir davon) auf öffentlichen Plätzen wie Spielplatz, Fußweg, Supermarkt Szenen, welche mir zeigen: es braucht noch mehr Umdenken im Umgang mit Kindern, es braucht mehr Möglichkeiten für Informationen und Unterstützung, um Eltern Impulse für liebevolle und gleichwertige `Familienbeziehungen` zu geben. Ich möchte es Familienbeziehungen nennen, da es für mich alle Beziehungen in der Familie betrifft und für mich das Gegenteil von Kindererziehung bedeutet. Denn Kindererziehung richtet den Blick nur auf das Kind. Das Kind ist aber kein Objekt oder Projekt, das man nach seinen Wünschen formen kann. Es ist ebenfalls ein Mensch mit Persönlichkeit, Temperament, Auffassungen und Meinungen. Außerdem sind alle Beziehungen wechselseitig. Bei Verhaltensauffälligkeiten kann man das wunderbar beobachten: sie treten meist auf, weil die Kinder ihre Eltern mit ihrem Verhalten spiegeln (in Mimik, Gestik, Bewegung, Wortwahl etc.) oder weil eben keine wirkliche Beziehung stattfindet und sie versuchen diese damit einzufordern.

Familienbeziehungen sind wechselseitig, gleichwertig, `bedürfnisgerecht` (heißt jedes Bedürfnis ist ernst zu nehmen) und vor dem Gesetz ist jedes Familienmitglied, also auch Kinder, vor physischer und psychischer Gewalt zu schützen. In der Öffentlichkeit haben wir beobachtet, wie Kinder angeschrien, mit Stöcken geschlagen, geschüttelt, ignoriert, angelogen, mit Süßigkeiten ruhig gestellt und als nervig oder dumm vor anderen dargestellt wurden. Manchmal gruselt es mich richtig. Kinder werden von vielen immer noch nicht als Mensch wahrgenommen, sondern sie rangieren irgendwo knapp drunter unter der Würdeeinstufung. Die Sicht auf Kinder als kompetent und gleichwertig wird zum Glück durch Autoren wie Jesper Juul, Katia Saalfrank, Nora Imlau und viele viele Eltern-Blogger in die Welt getragen, aber sie ist noch längst nicht in allen Breiten und Generationen der Gesellschaft angekommen. Dazu möchten wir etwas beitragen. Mit unserer Arbeit in Beratungen und Gruppen und auch über den Blog. Denn jeder Artikel erreicht wieder neue Eltern. Auch ich bin Stück für Stück zu dieser Haltung gekommen und habe andere ein Stück des Weges mitgenommen und diese geben es wieder weiter und weiter…bis vielleicht eines Tages alle erreicht sind!

Aktuell wurde die Blogidee zusätzlich durch ein Thema in einer Facebook-Gruppe, in der Yvonne und ich Mitglied sind, angestoßen. In der Gruppe geht es darum, Kinder nicht klassisch zu erziehen, sondern Beziehung zu leben und ihnen als vollwertige Menschen auf Augenhöhe mit all ihren Bedürfnissen und nicht immer nachvollziehbaren Handlungen zu begegnen. Dort entstanden schon öfter Gespräche über die Vereinbarkeit dieser Haltung gegenüber Kindern und Religion. Auch für uns stellt sich diese Frage, denn wir beide glauben an Gott und lassen uns von seiner Liebe in den täglichen Herausforderungen, gerade als Mama, unterstützen. Wir leben mit unseren Kindern gleichwertig, bedürfnis- und beziehungsorientiert. Ist das ein Widerspruch? Wenn wir auf Jesus schauen, sehen wir da einen Mann, der genauso auf Augenhöhe und mit bedingungsloser Liebe agiert hat oder sollten uns die strengeren „Erziehungsaufträge“ in der Bibel Vorbild sein? Diese spannenden Fragen wurden in der Gruppe diskutiert und sie bewegten auch uns. Ich habe für mich einen Weg gefunden beides wunderbar zu vereinen, weil ich schon immer sehr beziehungsorientiert und offen in meinem Glauben und als Mensch bin. Trotzdem gibt es diese widersprüchlichen Bibelstellen, Diskussionen und Ansätze und sie können verunsichern. Im Blog möchte ich mich auch mit diesem Thema auseinandersetzen. Dabei sehe ich mich weniger als Expertin, sondern als Interessierte, die sich auf den Weg macht beziehungsorientierte Elternschaft und Glaube zu betrachten.

Was mich zusätzlich noch motiviert, sind eigene Beobachtungen und Gespräche mit anderen Christen über Erziehung, Strenge und auch die Zustimmung für körperliches Eingreifen gegenüber Kindern. Letzteres ist für mich und auch per Gesetz in Deutschland inakzeptabel. Es schädigt unsere Kinder. Wo bleibt da die bedingungslose Liebe, die Gott uns entgegenbringt? Das Thema reist mich mit und ich habe angefangen ein wenig zu recherchieren und auch im Internet und in Artikeln immer wieder die Verbindung zwischen christlichem Glauben und Strenge, Gehorsam und Züchtigung gefunden. Das macht mich traurig. Zudem drehen sich ganz viele Bücher, Artikel oder auch Unterstützungen für Eltern darum, wie Kinder christlich erzogen werden können. Dies widerspricht ebenfalls meiner Auffassung im Umgang mit Kindern: Wir formen die Kinder nicht. Bereits Maria Montessori (ebenfalls gläubige Christin) erklärte, dass wir unsere Kinder lediglich darin begleiten und helfen, sich zu offenbaren und selbstständig genug zu werden, um ihre Persönlichkeit zu entfalten und fit fürs Leben zu werden. Wir können den Kindern unser Leben zeigen, unsere Interessen und auch unseren Glauben. Aber zum Glauben erziehen? Teilhabe ist auch für Montessori der Schlüssel zur "religiösen Erziehung". Das heißt eben nicht, dass ich mein kleines Herzmädchen nicht auch mit zum Gottesdienst nehme oder Feste begehe. Aber wie bei allem, hat sie auch die Freiheit Nein zu sagen, so wie sie vielleicht auch nicht unbedingt die Schachleidenschaft ihres Papas weiterführen wird…das werden wir sehen. Und genau das finden wir als Elternpaar gut: wir sind gespannt darauf, wie sie sich entwickelt!

Ihr merkt, Kinder sind mir sehr wichtig. Yvonne und ich sehen unsere Liebe zu Kindern als den Schlüssel zu unserer Arbeit und somit auch zu unseren Blogthemen: beziehungsorientierte Elternschaft, Nachhaltigkeit verbessern, mit Gott wachsen. Sie spornt uns an, uns mehr und mehr mit kindgerechten und liebevollen Wegen zu beschäftigen. Sie spornt uns an, uns mehr mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen, denn wir möchten unseren Kindern am liebsten eine gesunde Umwelt zurücklassen und das beginnt beispielsweise schon mit Müllreduzierung in Form von Stoffwindeln. Sie spornt uns an, Gottes bedingungslose Liebe noch mehr zu verstehen, weiterzugeben und dadurch geduldiger bedürfnisorientiert zu handeln. Wir fragen uns, wo geht es hin mit unserer Welt. Für und mit unseren Kindern wollen wir die Welt verbessern, mit Herz, mit Liebe und mit Glauben.

Eure Anne


PS: Im nächsten Artikel möchte ich euch ein paar Ideen für eine leichtere Eingewöhnung in Krippe bzw. Kindergarten vorstellen. Wenn euch mein Artikel gefallen hat, freue ich mich über ein Like :)