Sonntag, 19. Februar 2017

Eltern nach dem Herzen Gottes – Bindung als Basis (Rezension Teil II )




Heute gibt es den zweiten von vier Teilen der Rezension der Audio-Reihe mit dem Titel: Sicher und geborgen.

Inhalt

Auch den zweiten Teil beginnt Johannes Hartl mit Fragen an uns selbst. Er fragt, wie wir mit kleinen Kindern umgehen sollten und wie wir wohl über Erziehung denken würden, wenn nicht unsere Bedürfnisse als Erwachsene im Mittelpunkt stehen würden. Er bezieht sich an dieser Stelle auf Maria Montessori, die es - für ihre damalige Zeit unüblich - schaffte Kinder in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen eine kindgerechte Umgebung anzubieten.

Er führt an, dass Menschenkinder biologisch betrachtet sehr viel bedürftiger auf die Welt kommen als viele Tierkinder. Um zu überleben brauche der Mensch also die Bindung, die ihm das Überleben sichere. Er erklärt, dass kleine Kinder nicht weinen, um zu manipulieren und Mittel wie Fütter- oder Schlafpläne einen hohen Preis mit sich brächten. Denn ein Baby oder kleines Kind habe noch kein Zeitkonzept oder ein Konzept dafür, dass die Mutter wiederkehren wird. Es spüre nur die Hilflosigkeit in diesem Moment. Aus diesem Grund empfinde er Kinderkrippen als ein schwieriges Konzept und beobachte selbst tagtäglich im Kindergarten seiner Kinder schreckliche Szenen mit weinenden Babys und Kleinkindern.

Der Theologe betrachtet nun die Bindung als solches näher und fragt was mit kleinen Menschen passiert, die eine sichere Bindung erfahren dürfen; bei denen Bedürfnisse erfüllt werden und Mama verfügbar ist: Sie haben eine gute Basis für ihr gesamtes Leben! Er schaut aber auch auf die emotionalen Verletzungen, die entstehen können, wenn Kindern solch eine sichere Bindung verwehrt bleibt.

In diesem Zusammenhang kritisiert er auch, das Bild, welches die Gesellschaft von Müttern aufbaut: „nur bei den Kindern“. Als würde das nicht reichen. Die Mutterschaft werde madig gemacht, obwohl es kaum etwas Wichtigeres gebe. Der Wert von Mutterschaft sei seiner Ansicht nach gesunken, werde gesellschaftlich belächelt und zudem seien Mütter auch noch wirtschaftlich extrem benachteiligt.

In der Regel ist die Mutter die primäre Bindungsperson und durch diese Bindungsperson lerne das Baby sich selbst als Mensch und auch andere wahrzunehmen. All das machen Spiegelneuronen (hier beruft er sich auf Gerald Hüter) möglich. Das Kind braucht ein empathisches Gegenüber, dass immer für das Baby da ist, dann entstehe ein tiefes Sicherheitsgefühl.

Hartl ist überzeugt, dass hier Wissenschaft und Gottes Plan für Kinder und Familie perfekt zusammenpassen. Die Erkenntnisse, die die Wissenschaft über Bindung, Empathievermögen, Spiegelneuronen und Resilienzentwicklung inzwischen machen konnte, habe Gott sich genauso gedacht. Gott wünsche sich einen bindungs- und beziehungsfähigen Menschen und Gott selbst stehe für Liebe und Bindung. Insofern ist die Anlage in Babys da, sich an ihre erste Bindungsperson (meist eben die Mutter) zu binden und sehr stark davon zu profitieren, wenn die Mutter dauerhaft und empathisch vorhanden ist.  

Ab dem 3. Lebensjahr streben Kinder dann automatisch nach mehr Autonomie und entwickeln ein Zeit- und Sicherheitsgefühl dafür, dass Mama wiederkommt. Daher spricht Hartl auch davon, dass ein Kind in den ersten drei Jahren zur Mutter gehöre bzw. eine Fremdbetreuung mit sehr hohem Betreuungsschlüssel, geringer Stundenanzahl und konstanter, feinfühliger Bindungsperson entwicklungsgerecht sei. Hier bezieht er sich auch auf Brisch und erklärt ausführlich die vier Bindungstypen.

Wie können wir also mit unseren Kindern umgehen, fragt Johannes Hartl. Er sagt, körperliche Nähe zulassen, stillen, langsam neue Bezugspersonen aufbauen, Kindern bedingungslose Liebe zeigen, die Liebessprachen des/r eigenen Kindes/r kennen, empathisch zuhören und sich entschuldigen können. Denn wir als Eltern werden Fehler machen und Gott ist da um zu verzeihen und auch den Kindern beim Verwinden möglicher Verletzungen zu helfen.

Ob wir Verletzungen in uns tragen und unser eigenes inneres Kind annehmen können, können wir laut Hartl gut feststellen, indem wir darauf schauen, wie wir reagieren, wenn Kinder spielen. Können wir uns in das Spiel einfühlen oder ist es nichts, was uns berührt. Er beruft sich auf Ferdinand Ulrich (deutscher Philosoph), der sagt, wenn ein Kind spielt, dann sagt es, dass es gut ist, wie es ist und nicht weil es etwas leiste. Und letztlich hat uns Gott auch dafür erschaffen: zu sein und nicht um etwas zu leisten!

Persönliches Fazit

Auch der zweite Teil hat mich sehr angesprochen. Ich war sehr beeindruckt, wie viel Fachwissen Johannes Hartl zum Thema Bindung und kindliche Bedürfnisse einbringen konnte. Vertreter wie Brisch, Hüter, Miller wurden nur am Rande erwähnt und doch zeigt sein gesamter Vortrag, dass er sehr über den Tellerand der „normalen“ Elternschaft hinausgeschaut und sich belesen hat. Dies zeigt für mich wiederum, wie wichtig ihm das Thema ist und das seine Aussagen Wissenschaftlichkeit, Fundament und Tiefe besitzen.

Der Fokus vom Anfang des Vortrags auf Kinder und der Perspektivwechsel von der Erwachsensicht zur Kindersicht spricht mir aus dem Herzen. Das versuche ich jeden Tag und umso wichtiger, dass auch ein Pastor laut predigt Kinder bedingungslos zu lieben, Bindung zu schenken und einfach da zu sein. Dass er Erwartungen und gesellschaftliche Ziele hinterfragt.

Besonders bei dem Thema des Wertes von Mutterschaft in unserer Gesellschaft habe ich innerlich stark genickt. Warum ist es keine Leistung mehr, sich um die eigenen Kinder, die eigene Familie zu kümmern, warum reicht das nicht? Auch ich fühlte in Gesprächen und durch nonverbalen Gesten, dass ich nichts Wirkliches leisten würde. Und dabei leisten Mütter, besonders von kleinen Kindern, besonders von vielen Kindern und besonders von Kindern, die nicht Krippe oder Kindergarten besuchen, meiner Meinung nach mehr als ein Großteil der Bevölkerung. Denn sie sind immer im Einsatz, 24h-Bereitschaftsdienst quasi. Interessant, dass den Patienten mit Bereitschaftsdienst in der Herzreha (wo ich in der Patientenberatung arbeite) immer besonders viel Empathie entgegengebracht wird – Müttern nicht, da wird eher noch geschaut, wo ein Fehler zu finden ist...

Zum Schluss hin führt Hartl genauer aus, wie wir unseren Kindern gut begegnen können und bringt meiner Meinung nach viele liebevolle Vorschläge. Schön, finde ich, dass er zur näheren Erklärung der bedingungslosen Liebe das Beispiel vom verlorenen Sohn anbringt. Dieses zeigt nämlich deutlich, was Gott wichtig ist: Liebe, Bindung, Vergebung. Der Vater nimmt seinen Sohn einfach in die Arme, anstatt Vorwürfe und Fragen vorzubringen. Und die Liebessprachen erklärt Johannes Hartl an dieser Stelle im Überblick. Das ist ein tolles Konzept und letztlich für alle Beziehungen unseres Lebens wichtig: wie merkt der andere, dass ich ihn liebe? Dafür muss ich erkennen, welche „Liebessprache“ derjenige spricht und dann in dieser „Sprache“ meine Liebe zeigen. Eben zum Beispiel durch Geschenke, Zeit, Nähe…

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich Herrn Hartl danke, dass er in beiden Vorträgen gegen Schlaflernprogramme argumentiert und dass er Eltern die Ruhe vermittelt, trotz allem Bestreben und allen Infos , Fehler machen zu dürfen. Denn die wird keiner von uns ausschließen können. Wichtig ist nur, sich entschuldigen zu können, bei Gott Hilfe zu suchen und die eigenen Kinder in ihrer Einzigartigkeit mit Liebe anzunehmen.

Bildet euch selbst eine Meinung und hört es euch an, es lohnt sich! 

Hier der Link zum Video
(Der erste Teil ist kostenlos, die anderen Kosten als Audio-CD einzeln je 3,90 Euro oder alle vier zusammen 17,90 Euro. Die Rezension ist weder bezahlt noch per Auftrag - mich hat es einfach interessiert und damit ihr schon mal alle Infos habt ;) )


Eure Anne


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Kommentare:

  1. Danke, für deine super Zusammenfassung!

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    1. Gern! Freut mich, dass es dich bereichert, Caro.

      Liebe Grüße, Anne von Herzensbande

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