Sonntag, 12. Februar 2017

Eltern nach dem Herzen Gottes – Bedingungslose Liebe (Rezension Teil I )



Im Herbst schickte mir eine Freundin einen Link für einen Livestream-Mehrteiler zum Thema „Erziehung“ und Glaube. Das hat mich sofort interessiert, denn genau damit möchte ich mich hier im Blog auch beschäftigen.

Durchgeführt wurde das Ganze im Gebetshaus Augsburg von Johannes Hartl, dem Gründer des Gemeindehauses in welchem 24 Stunden 365 Tage im Jahr durchgehend gebetet wird (Respekt!).

Die Reihe „Eltern nach dem Herzen Gottes“, welche mich allein vom Titel her sofort ansprach, besteht aus 4 Teilen und lief über 6 Wochen mit Pause einmal wöchentlich. Bevor ich euch diese Reihe empfehlen wollte, war es mir wichtig selbst einen umfassenden Einblick zu haben. Nur zum Rezensieren war ich bisher nicht gekommen. Das möchte ich jetzt nachholen und euch jeden Teil in einem extra Blogartikel vorstellen, denn es stecken so viel spannende Inhalte darin. Lest und lasst euch motivieren Johannes Hartl zuzuhören :)

Themen der Elternreihe:                      
                                                                        
Teil 1: „Vom besten Vater lernen“
Teil 2: „Sicher und geborgen

In diesem Artikel möchte ich euch also den ersten Teil „Vom besten Vater lernen“ vorstellen und in den nächsten Wochen dann die restlichen Drei.

Inhalt

Johannes Hartl beginnt seine Vortragsreihe damit die Zuhörer zu fragen, warum wir „gute“ Eltern brauchen und welche Verletzungen wir aus unserer Kindheit noch heute mit uns herumtragen. Er gehe davon aus, dass unsere Eltern, auch wenn sie ihr Allerbestes mit Liebe und Hingabe gegeben haben, nicht perfekt waren. Denn wie alle Menschen würden natürlich auch Eltern „Fehler“ machen und oft werden diese Verhaltensweisen oder Arten zu Kommunizieren von Generation zu Generation weitergegeben. Indem wir unsere eigene Geschichte aufarbeiten, um für uns zu heilen und auch im Umgang mit unseren Kindern reflektierter zu sein, können wir laut ihm bessere Eltern werden. Dabei könne uns unser Glaube helfen, da Gott uns so annimmt, wie wir sind, bedingungslos liebt und uns damit ein Vorbild für authethische Elternschaft ist. Johannes Hartl ist es wichtig, dass wir erkennen, dass Gott uns liebt und uns mit dieser Liebe versorgen will.

Der Theologe erklärt auch, dass Gottes Handeln von Anfang an von Liebe geprägt ist, denn nur aus Liebe und dem Wunsch nach Gemeinschaft heraus erschuf Gott uns Menschen. Bereits die Geschichte um Adam und Eva zeigt, dass Gott bedingungslos lieben würde. Er setzte sie in einen Garten voller teilweise verbotener Früchte, gab ihnen aber gleichzeitig die Freiheit eigene Entscheidungen zu treffen.

Diese Eigenverantwortung und Freiheit ersparte ihnen nichts, also auch nicht die Folge ihres Handelns. Trotzdem stehe Gott stets zu seinem Wort und gebe immer wieder neue Chancen, lasse Freiraum zur Entwicklung. Hartl betont, dass Gott nicht unter Druck setze oder einschränken wolle oder gar strafe. Freiheit bedeute wirkliche Wahlfreiheit zu haben. Gott ist Liebe und Liebe entstehe nur, wenn man sich frei entscheiden kann jemanden zu lieben. Verwiesen wird hier auf die Bibelstelle 1. Johannes 4,18 - Liebe kann man nicht erzwingen. Man kann also auch im Leben und in der Erziehung zwischen Freiheit und Kontrolle wählen, fasst Hartl zusammen.

In der herkömmlichen Erziehung finde sich seiner Auffassung nach allerlei Konditionierung (z.B. Töpfchentraining), damit Kinder möglichst schnell gesellschaftlich funktionierende Wesen werden. Gott ist da anders, sagt er. Für Gott sei Erziehung Beziehung und beruhe auf Freiwilligkeit. Denn aus dem Handeln heraus würde Konsequenz (im Sinne dessen, dass jedes Handeln einen Effekt hat) entstehen. Gegenargumente, das Gott mit Strafen und Angst erziehen würde, setzt er die Erneuerung des Bundes durch Jesus entgegen.

Hartl erklärt, dass Kinder nicht wegen den Strafen oder dem Ausrasten der Eltern gehorchen sollten, sondern weil sie gute, für sich verantwortliche Entscheidungen treffen wollen. Darin sollten wir unsere Kinder bestärken. Sie beziehungsfähig machen. Wenn Kinder nur aus Angst heraus reagieren, aus Kontrolle, also nur durch Äußeres, suchen sie nach Gelegenheiten, wo die Eltern nicht hinschauen. Dann entsteht Flucht und Rebellion (wenn bei manchen "auch nur“ innerlich), aber das Ergebnis bleibt das Gleiche: Distanz entsteht und somit das Gegenteil von Beziehung. Er sagt, dass wir Menschen nicht zur Kontrolle erschaffen seien. Gott möchte keine Kontrolle oder Folgsamkeit aus Angst. Gott wolle echte Beziehungen mit uns leben und dass wir sie auch untereinander (Familie, Freunde) leben. Nur durch Beziehung könne man das Herz eines anderen wirklich gewinnen.

Im Umgang mit Kindern wäre es also besser zu schauen, welche Folgen Entscheidungen haben und den Kindern immer zu transportieren: ich liebe dich, egal wie du dich verhältst. Zum Beispiel eher zu Fragen: „Welche Note willst du in Latein erreichen und wie kann ich dir dabei helfen, dass du das schaffst?“

Johannes Hartl wünscht sich Eltern, die ihre Kinder „für voll nehmen“ und als echte Menschen mit einem eigenen Geist wahrnehmen (1. Korinther 4,15) und so wie von Gott vorgelebt tragfähige, langlebige Beziehungen mit ihren Kindern aufbauen.

Persönliches Fazit

In diesem ersten Teil der Themenreihe „Eltern nach dem Herzen Gottes“ schafft es Johannes Hartl aus meiner Sicht eine andere, modern christliche, sogar beziehungsorientierte Sicht auf die Beziehungen in Familien zu zeichnen. Weg von Gehorsam, Strenge, Dogmatismus oder gar „Züchtigungen“ im Sinne des Glaubens, der Glaubensvermittlung oder biblischen Erziehungszielen, spricht er von Liebe, Gegenseitigkeit in Beziehungen und Selbstbestimmung. Er spornt Eltern an auf ihr Herz zu hören, auf Beziehung zu setzen, Bedürfnisse wahrzunehmen und in Gott ein Vorbild dieser bedingungslosen Liebe und des verständnisvollen Umgangs zu finden.

Ich persönlich bin schon lange davon überzeugt, dass Glaube auf der Basis von Angst, kein Glaube ist, der Leben bereichert oder den Gott sich wünschen würde. Die Bibel verweist immer wieder auf individuelle Lebenswege, die Freiheit des Menschen zum Denken und Handeln und in den Schilderungen zu Jesus sowieso auf Toleranz, Verständnis und Nachsicht.

Unsere Kinder (und natürlich auch alle anderen Mitmenschen) so anzunehmen, wie sie sind, wie sie individuell wunderbar sind, ist der erste Schritt Maßstäbe und Erwartungen und damit den Druck für gesellschaftliche Ziele oder auch eigene Übertragungen hinter sich zu lassen. Gerade die Betonung des neuen Bundes hat mir beim Zuhören gefallen. Das Gott nicht der Strafende ist und das dies auch von uns als Eltern nicht erwartet wird. Gott ist ein Liebender. Gott setzt auf Verantwortung und Vorleben.

In der Erklärung von Freiheit und Gehorsam und der möglichen alternativen Herangehensweise an den Umgang mit Kindern sind mir nur zwei Kritikpunkte bzw. Punkte, die Aufmerksamkeit verdienen aufgefallen. Zum Einen das Wort Konsequenz, welches Hartl in der Schilderung, das eigenes Handeln Konsequenzen hat, verwendet. Für mich fehlt hier die eindeutige Klarstellung, dass er die natürliche Folge eines Handelns, also nicht Konsequenzen im Sinne von auferlegten Strafen meint. Er erläutert, dass es darum geht, dass Kinder und Jugendliche wahrnehmen, warum sie eine gute Entscheidung treffen wollen. Letztlich meint Johannes Hartl an dieser Stelle, auch wenn er es nicht explizit sagt, dass Kinder die Eigenverantwortung über ihr Handeln lernen, das ist Wahlfreiheit.

Sein Beispiel, dass Kinder bei fehlendem Üben kein Dessert bekommen, ist aus meiner Sicht eine unnatürlich hervorgebrachte Konsequenz. Ich nehme an, dass dieses Beispiel einen Denkfehler hatte. Denn das nächste, wie oben beschrieben mit der Lateinnote, ist da viel klarer und eindeutig auf Beziehungsebene und nicht der Erziehungsebene. 

Wenn ein Kind nicht üben möchte, stellt sich für mich vielmehr die Frage nach dem Warum (Interesse, Überlastung, Zeitmanagement) und die Möglichkeit darüber ins Gespräch zu gehen. Eine „natürliche Folge“ (wenn man über so eine Definition sprechen mag) wäre hier, dass es eben in der nächsten Unterrichtsstunde nicht so gut läuft oder wenn das Kind spät übt, dass die anderen möglicherweise schon gegessen haben, aber nicht, dass es deswegen auf einen Teil des Essens verzichten muss. Das wäre definitiv Erziehung, das ist nämlich ein Belohungssystem und somit eine extrinsische Motivation, welche letztlich auch nur durch Kontrolle wieder gewährt werden kann. Ich finde es wichtig, das in diesem Zusammenhang zu erklären. Ich nehme es als das was es ist: ein falsch gewähltes Beispiel. Hartl sagt selbst zu Beginn, dass er kein „Erziehungsexperte“ ist und auch für mich war es damals eine ganz neue Dimension zu erkennen, dass die freundliche Belohnung, genauer betrachtet, nicht so positiv ist. Außerdem sagt er ganz klar, dass er Eltern empfiehlt beziehungsfördernd zu agieren und nicht kontrollierend.

Zu Beginn des Videos war ich sehr skeptisch, auch generell beim Zuhören, ob nicht doch die typischen „Klischees“ oder Erziehungstipps kommen, die teilweise in christlichen Kreisen vorzufinden sind. Doch schon nach wenigen Minuten hat mich die sympathische und ruhige Art von Jonhannes Hartl menschlich erreicht und nach 2/3 des Vortrags war ich mich recht sicher, dass er auch inhaltlich überzeugt. Seine Art Bibelwissen, inneren Glauben und externes Fachwissen zu verbinden finde ich sehr überzeugend. Wie viel Fachwissen sich Herr Hartl auch unabhängig vom Bibelwissen zu Kindern und „Erziehung“ angeeignet wird, wird auch nochmal in seinem 2. Vortrag sehr deutlich, in dem es um Bindung, neurologische Erkenntnisse und Entwicklungsstände geht.


Bildet euch selbst eine Meinung und hört es euch an, es lohnt sich! 

Hier der Link zum Video
(Der erste Teil ist kostenlos, die anderen Kosten als Audio-CD einzeln je 3,90 Euro oder alle vier zusammen 17,90 Euro. Die Rezension ist weder bezahlt noch per Auftrag - mich hat es einfach interessiert und damit ihr schon mal alle Infos habt ;) )


Eure Anne


PS: Wenn euch mein Artikel gefallen hat, freue ich mich über Teilen und Liken!


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