Freitag, 13. April 2018

8 Wochen mit Zwillingen



Letztens habe ich meine zwei süßen Jungs, die jetzt übrigens schon ganz herzig lachen können, mit ihrer Meilensteinkarte „8 Wochen“ fotografiert. Wow, 8 Wochen sind bereits um! Zeit für einen Rückblick dachte ich mir.

Die ersten Tage


Viel hat sich in dieser Zeit verändert. Die Tage nach dem Kaiserschnitt im Krankenhaus gingen gleichermaßen schnell und langsam herum. Langsam, weil die Schmerzen und die fehlende Beweglichkeit lästig waren und ich so abhängig mit der Pflege meiner Jungs war. Schnell, weil die beiden noch so klein waren und die erste Zeit des Kennenlernens und des Kuschelns eben rasant weg war. Ich erinnere mich wie ich gern öfter gekuschelt hätte, aber nicht aufstehen und sie hochheben konnte, sondern von anderen abhängig war. Außerdem musste ich zu der Zeit noch abpumpen, um die Milchproduktion anzuregen und zufüttern. Die Odyssee von windeln, stillen, zufüttern, abpumpen hat besonders nachts ewig gedauert und zu gaaanz wenig Schlaf geführt – maximal 30 Minuten am Stück und mein Erster, der bis heute bedürftiger und unruhiger ist, hat auch da schon mehr geweint. Insgesamt haben die zwei aber noch recht viel geschlafen und auch so süß nebeneinander gekuschelt (jetzt machen sie sich mit ihren zappeligen Ärmchen eher gegenseitig wach).

Auch zu Hause haben sie am Anfang viel geschlafen: aneinander, an mir, beim Stillen. Letzteres war übrigens der größte Unterschied zum Krankenhaus: ich stille voll. Nach drei Nächten im Krankenhaus war mir klar: das es die Abfolge von stillen, zufüttern und abpumpen nicht dauerhaft schaffbar ist und ich muss unbedingt voll stillen muss. Also habe ich die letzten 1,5 Tage im Krankenhaus mit allem einfach aufgehört und nur noch gestillt und es wirklich geschafft voll zu stillen und auch schon Tandem. Zuhause habe ich das so fortgeführt und mein Hebamme war ganz begeistert und ich auch, so konnte ich nachts nämlich auch mal 1,5 Stunden am Stück schlafen – Yeah!

Frühes Wochenbett


Ich genoss die Ruhe zu Hause und den fehlenden Trubel des Krankenhauses mit ständigen Schichtwechseln, Untersuchungen und Störungen. Die ersten drei Wochen zu Hause waren unerwartet ruhig. Dank Hebamme, Haushaltshilfe und ganz viel familiärer Unterstützung für uns als Familie im Haushalt, beim Essen kochen und mit dem Herzmädchen konnte ich ohne schlechtes Gewissen Wochenbett halten.

Nach dem wochenlangen Liegen in der Schwangerschaft und dem Kaiserschnitt konnte ich so etwas Schlaf nachholen, stillen und ganz in Ruhe fit werden. In den ersten zwei Wochen habe ich wirklich kaum das Bett verlassen. Danach begann ich Stück für Stück die Wohnung zurückzuerobern und wieder mehr am Familienleben teilzunehmen. Insgesamt hatte ich aber das Gefühl, dass den Babys die ruhige Gangart und das viele kuscheln und stillen in ihrem „Nest“ total gut tat. Meiner Meinung nach sind wir so - bis auf wenige Ausnahmen wegen wirklich schlimmer Verdauungsbeschwerden -den abendlichen Schreistunden „entkommen“. Auch Besuch haben wir nur wenig bekommen und wirklich auf Ruhe im Wochenbett und ein entspanntes Ankommen für die Zwei geachtet.

Spätes Wochenbett


Aufgrund der extremen Kältewelle Ende Februar war ich dann mit den Jungs wirklich erst nach vier Wochen zum ersten Mal draußen spazieren und dann hatten die zwei leider auch gleich einen Schnupfen - und ich auch. Dennoch habe ich in den letzten vier Wochen mein Pensum immer mehr gesteigert und spaziere nun schon bis zu 1,5 h durch die Gegend und übernehme mehr Aufgaben, ich war sogar schon ganz allein mit meinen drei Kindern einkaufen. Das war nach so vielen Wochen zu Hause und der anfänglichen geringen Belastungsfähigkeit echt ein Grund auf mich stolz zu sein J

Zwillinge stillen


Bis heute nimmt das Stillen neben dem Schlafen den Großteil des Tages ein. Die zwei sind echte Raupen Nimmersatt und verlässliche Stillpausen bekomme ich eigentlich nur durchs Spazierengehen. Über die Wochen hat sich dennoch etwas Rhythmus entwickelt und sie halten nun auch länger ohne essen durch. Meist konnte ich am Nachmittag etwas schaffen, nachdem sie den ganzen Tag an mir hingen. Und abends und nachts wird natürlich auch ganz viel gestillt.

Ich habe ja oben geschrieben, dass ich schon im Krankenhaus angefangen habe voll und Tandem zu stillen. Das ging die ersten 5 Wochen wunderbar. Die beiden tranken und ich konnte lesen oder über den Laptop etwas schauen. Dann begann es unruhig zu werden. Mit dem ersten Schnupfen begann meine Nummer Zwei zu spucken und das recht viel und besonders nach dem Trinken oder wenn Luft in den Bauch gelangt war. 

Kurze Zeit später beganne auch den anderen die Luft beim Trinken zu quälen und beide wurde unruhige Trinker, die immer wieder Luft aufstoßen mussten. Dadurch wurde stillen zu dritt zur Akrobatiknummer. Der eine trank noch, der andere musste kurz aufstoßen. Das war schon Verrenkung genug, aber wenn der andere dann dadurch die Brust verlor, versuchte ich wieder anzudocken oder zu wechseln um ihn zu trösten. Es ist ein Desaster und brachte mir einige Arm- und Rückenschmerzen.

Also änderte ich den Kurs und begann (entgegen dem Trend Zwillinge zu synchronisieren) die zwei asynchron zu stillen, zu kuscheln und schlafen zu legen. Natürlich entstehen so weniger Pausen für mich, aber es ist ruhiger, ich habe auch Zeit für jeden einzeln und ich konnte wieder entspannt stillen und auch mal was für mich nebenbei lesen oder schauen und so war ich wesentlich weniger gestresst. Arbeit ist eh für den ganzen Tag vorhanden, da bringen die paar gleichzeitigen Schläfchen jetzt auch nicht den Gewinn. Für mich ist es entspannter und auch nachts kann ich so liegen bleiben und auf der Seite stillen.

Zwillinge zu stillen ist nochmal eine neue Herausforderung, aber wirklich schaffbar. Ich war von vornherein von nichts anderem überzeugt, hatte auch keine großartigen Anschaffungen Richtung Flasche, Milchpulver und Vaporisator gemacht (nur was für den Notfall). Meine innere Haltung, dass die Natur das schon richtig vorgesehen hat, lässt mich bis heute überzeugt sein, dass alles klappt und jedes Stillproblem (wie Brust anschreien) meistern.

Schlaf


Die Abende sind die herausfordernste Zeit des Tages. Ich und auch der Papa sind geschafft vom Tag und dann heißt es begonnen beim Abendbrot: alle (quengeligen) Kinder zu betreuen und zum Schlafen zu bewegen. Es wird zwar immer sortierter, aber während unsere Große erstmal noch wach bleibt (zum Spielen, Video schauen, Zähneputzen) sind die Jungs hungrig, weinerlich und müde.

Dennoch finden sie unterschiedlich schnell in den Schlaf. Mal schläft der eine schon seit halb acht und der andere ist bis halb zehn "wach". Entweder holt sich meine Nummer Zwei Mama-Zeit oder Nummer Eins ist unruhig und weint untröstlich. Oder die zwei wechseln sich den ganzen Abend mit stillen und einschlafen ab. So oder so, wenn die beiden endlich durchschnittlich zwischen neun und halb zehn zur Ruhe finden, gibt es dann noch keine Pause. Denn das Herzmädchen möchte auch noch etwas Mama-Exklusivzeit in Form von Vorlesen und Einschlafbegleitung. Wenn dann wirklich alle Kinder schlafen, bin ich meist selbst so erschöpft, dass ich direkt mit einschlafe, auch wenn ich gern noch etwas Zeit für mich oder mit meinem Mann hätte.  
Zum Glück: Je mehr Wochen vergingen, desto länger wurden die Schlaf- und Stillftreien Phasen tags und nachts, so dass ich nachts selten, aber manchmal mit 3 Stunden Schlaf am Stück belohnt werde. Insgesamt ohne Pausen schlafe ich in schlechten Nächten 4-5 Stunden und in guten 6-7 Stunden.

Zwillinge – alles gleich?


Besonders erstaunt bin ich von der Unterschiedlichkeit der Jungs und all meiner Babys insgesamt (also auch im Vergleich zum Herzmädchen). Während unser Herzmädchen absolut nicht abzulegen war (sie schlief immer auf mir drauf, dran oder im Tragetuch, schöne Orte wie Kinderwagen, Sofa oder Bettchen wurden abgelehnt.), schlafen unsere Jungs einwandfrei in ihrem trendigen Zwillingswagen und mit der richtigen Schlafbegleitung auch alleine. Zu Beginn war das ganz easy, da schliefen sie beim Stillen oder danach zack ein. Nun braucht meine Nummer Eins mich (oder jemand anderen liebevolles), stillen oder Bewegung, um dann sanft abgelegt zu werden. Er hat die Tendenz wie das Herzmädchen sehr zum Tragling zu tendieren, aber liebevoll, sanft, zum richtigen Zeitpunkt, manchmal in Bauchlage und neuerdings mit weißem Rauschen im Hintergrund schläft er auch allein. Ansonsten kann ich ihn aber auch tragen und der andere, der von Natur aus der Gelassenere ist, schläft mit seinem Schnuller gemütlich in Federwiege, Bett, Sofa etc. ein.


Das finde ich sowieso am erstaunlichsten, dass sie charakterlich so unterschiedlich sind, obwohl ja beide die gleiche Schwangerschaft, die gleichen Eltern, die gleiche Behandlung erfahren haben. Meine Nummer Eins ist der hyperaufmerksame, gefühlt hyperintelligente Denker. Wenn er die Augen auf hat, dann sind sie weit aufgerissen und er will lernen und nimmt gefühlt alles ungefiltert auf. Dementsprechend ist er schneller müde, hält kürzer durch und weint mehr. Er braucht viel mehr Regulation durch uns und Körpernähe.

Nummer Zwei genießt auch Nähe sichtlich und lacht, wenn ich ihn nehme oder stillen will und er scheint ebenfalls sehr klug und beobachtet gern. Braucht aber nicht so viel persönliche Ansprache und Erklärung dafür, er schaut und nimmt wahr, aber irgendwie besonnener und in eigenem Tempo. So bleibt er länger munter, ruhiger und kann bei Bedarf auch einfach entscheiden einzuschlafen, wenn es ihm zu viel wird und eben auch ohne Regulation von außen. Das finde ich total erstaunlich und auch wenn ich häufig ein schlechtes Gewissen habe, weil er oft warten muss und für sich ist, weil der andere viel mehr weint und bedürftig ist, bin ich sehr dankbar, dass ein Zwilling in der Hinsicht recht pflegeleicht ist und mir gewissermaßen mit seiner Geduld und Ruhe hilft.

Dafür müssen wir wegen ihm regelmäßig unsere Kleidung, einen großen Berg Spucktücher und seine eigene Kleidung waschen. Denn fast egal, wann man ihn hochnimmt er bringt fast immer Milch wieder mit hoch – und das auch oft im Schwall, so dass ich es hinter mir Platschen höre. Interessant ist auch, dass er einen Schnuller nimmt und Nummer Eins schreit als würde man ihm den Hals umdrehen, wenn man ihm einen Schnuller nur anbietet.

Vom ersten Tag an hat er sich Nummer Eins mehr aufgeregt und geweint. Besonders bei Vorkommnissen mit seinem eigenen Körper ist er sehr sensibel. Windeln, Luft im Bauch, Hunger, Müdigkeit werden immer sehr stark beweint. Wirklich laut, so dass mir teilweise schon mein Ohr weh tat. Der andere schimpfte auch teilweise bei diesen Dingen, aber viel zarter und ließ sich auch trösten. Das dauert bei Nummer meist sehr lang und führt oft zum nächsten (wie Müdigkeit aufgrund der Erschöpfung).

Optisch sind beide immer noch unterschiedlich, auch wenn es irgendwie ein Phänomen ist, dass sie sich dann noch so ähnlich sind und einzeln zum Verwechseln verführen. Mir passiert das eher weniger, aber im Halbschlaf wundere ich mich auch manchmal, warum mich Nummer Eins plötzlich bespuckt, wenn ich ihn wie gewohnt auf meinem Bauch schlafen lassen will...
Nummer Eins hat gewichtsmäßig gut aufgeholt und sieht nun pummeliger aus als Nummer Zwei und beide sind inzwischen gleich lang. Aber die unterschiedlichen Haare (hell und dunkel) sind geblieben. Interessant ist, dass Nummer Zwei aussieht wie das Herzmädchen als Baby und mir manchmal ihr Name ihm gegenüber rausrutscht. Ich bin so gespannt wie die beiden Süßen in einem Jahr aussehen!

Entwicklung


Ich freue mich, dass ihre Wachphasen besonders in der letzten Woche immer länger werden. Es ist so niedlich wie sie wissbegierig schauen und lauschen, wenn Mama, Papa oder Schwester erzählen. Besonders diese ersten Momente der Geschwisterliebe sind herzerwärmend, wenn die große Schwester streichelt, knuddelt, erzählt und Küsschen gibt. Auch schauen die beiden nun schon ganz bewusst mir oder der Rassel hinterher, lachen süß (besonders wenn ich Faxen mache oder wenn das Stillen losgeht) und machen erste zarte Laute, um mit uns zu sprechen.


Das sind dann die Momente in denen mir warm ums Herz wird und die viele Arbeit, Rücken- und Armschmerzen, durchwachte Nächte, das viele Schreien von unserem Ersten, keine ruhige Minute und all die vollgespuckten Oberteile vergessen sind. Dann zählt nur der Moment, das Lachen, das Prabbeln, das Kuscheln…


Eure Anne


Freitag, 16. März 2018

Die Geburt meiner Zwillinge




Während ich hier schreibe, liegen meine beiden Zwillingsjungs, die jetzt 5 Tage alt sind, nach dem Stillen auf meinen Schoß und schlafen ruhig, anscheinend ist das der perfekte Platz zum Schlafen – nur mein Po tut davon immer weh…

Ich bin sehr müde nach mehr oder weniger einer Woche schlafloser Nächte. Die erste war die Nacht vor dem Kaiserschnitt in der ich vor Aufregung kaum mehr als 1,5 h geschlafen habe. Ich hatte stundenlang extremes Sodbrennen und beschwerten Atem durch die Kinder im Bauch und war ständig auf Toilette und mir war vor Aufregung ganz übel. Irgendwie gingen aber auch diese langen zähen Stunden vorbei und mein Vati kam in den frühen Morgenstunden, um uns zu helfen. Er hat dann das Herzmädchen in den Kindergarten gefahren und wir in die Klinik. Mir war immer noch extrem übel, aber ich redete mir gut zu, dass ja alles in spätestens 2 Stunden überstanden sein würde.

Als wir ankamen, gingen wir direkt wie abgesprochen in den Kreißsaaltrakt und wurden – zu meiner Enttäuschung - prompt wegen Überfüllung auf Station geschickt. Mist, am Tag zuvor war alles noch ganz ruhig und nun wollte über Nacht wohl halb Dresden entbinden. Ich sah unsere Chance auf ein  Familienzimmer dahinschwinden. Zudem wurde uns gesagt, dass andere unerwartete Kaiserschnitte dazwischengerutscht sind und wir später dran sein werden.

Ich bekam leichte Panik. Ich wusste nicht wie ich mit meinem stark angeschlagenen Kreislauf und der Übelkeit, weil ich seit dem Vorabend nüchtern war, noch eine weitere Stunde durchhalten sollte. Mein Wunsch nach einem Tropf, um nicht abzuklappen wurde von der Schwester erstmal abgelehnt. Als ich nicht mehr konnte, schleppte ich mich auf den Gang und fand die Ärztin vom Vortag, die mir den Tropf sofort brachte. Zum Glück, denn inzwischen sollten wir statt um 8 Uhr um 12 Uhr dran sein – eine weitere Not-OP.



Die Stunden gingen zäh und zermürbend ins Land. Die Schwestern wussten nicht, wann es nun losgehen würde und konnten keine Prognosen abgeben, wenn man nachfragte. Immerhin konnte mein Vati (er ist Medizintechniker) bei einem Kollegen den OP-Plan einsehen und uns so immer mal den aktuellen Planungsstand für unseren Kaiserschnitt mitteilen. 14 Uhr hieß es dann und später nochmal 15:10 Uhr. Dass dies nicht klappte, „erfuhren“ wir eigentlich nur indem wir nicht abgeholt wurden. Meine Aufregung hatte sich inzwischen in Resignation und Gleichgültigkeit verflüchtigt. So hatte ich mir den Geburtstag der Jungs nicht vorgestellt…

Natürlich haben Notfälle Vorrang ohne Frage, aber mir ging es so schlecht und meine Angst kreislaufmäßig spätestens im OP abzuklappen, stieg immer weiter an. Zumindest bekam ich nun regelmäßig einen Tropf.

Ursprünglich dachte ich aber, dass wir bis nachmittags - bis das Herzmädchen ihre Brüder kennenlernen sollte - Zeit hätten alles zu verdauen, uns kennenzulernen, zu kuscheln und uns zu sortieren. Es wurde immer später und Opa holte sie nun ohne die erwartete frohe Botschaft aus dem Kindergarten ab.



Als wir kurz nach 15 Uhr immer noch warteten, griffen wir frustriert und gegen jede Gewohnheit zur Fernbedienung und versuchten so die Zeit weiter totzuschlagen. Kurz nach dreiviertel vier ging es dann plötzlich los und zwar von 0 auf 100. Die Schwestern kamen, nun sollte es losgehen, am besten sofort.

Ich wurde in den Kreißsaalbereich geschoben und plötzlich war sie wieder da: meine unbändige Aufregung und Angst. Ich weinte gleich wieder wie am Tag zuvor bei den Vorbesprechungen zu Narkose und Kaiserschnitt. Das Ungewisse, die Risiken, die Spinalanästhesie, mein Kreißlauf und die Vorstellung Aufgeschnitten-zu-werden machten mir ziemliche Angst und das obwohl ich überhaupt kein aufgeregter oder ängstlicher Typ bin.

Wir waren da und ich lief in den OP hinein. Mein Mann wurde zum Umziehen gebracht. Ich begann extrem zu zittern und mit den Zähnen zu klappern, was ich bis eine Dreiviertelstunde nach OP-Ende auch nicht wieder in den Griff bekam.

Ich sollte mich auf den OP-Tisch setzen, der im  Prinzip wie ein grün abgedeckter Frauenarztstuhl aussah und wurde dann die ganze Zeit von einer super lieben Anästhesie-Schwester betreut und auch das restliche Team war sehr unterstützend und angstnehmend dabei, auch wenn ich dennoch weiterhin sehr aufgeregt war.

Nach und nach kam mehr Personal (am Ende 10 Personen) in den OP und bauten Sachen auf oder packten sie aus, es war ein ganz schönes Gewusel. Mittendrin ich und die Anästhesieschwester und der Anästhesist, die mit der Narkose begannen. Erstmal wurde mein Rücken gewaschen – aufgrund des schicken OP-Hemds ja gut zugänglich ;) – und dann untersucht und die Stelle vorbetäubt. Dann wurde die Anästhesie gesetzt, was dadurch gar nicht wehtat. Ganz schnell wurden meine Beine warm und langsam alles taub. Das war ein sehr merkwürdiges Gefühl. Manchmal sprühte mich der Anästhesist an um herauszufinden wo ich noch Kälte spüren konnte. Die ganze Zeit über wurde mein rechter Arm von der Blutdruckmanschette fast zerquetscht.

Dann kamen die Operateure und es konnte losgehen. Ich sollte mich hinlegen, was ich aufgrund der Betäubung und des großen Bauchs kaum noch hinbekam, aber irgendwann lag ich. Dann sollte es schnell losgehen, damit ich durch den Druck des Bauchs nicht erst Kreislaufprobleme bekam. Ich wurde hingelegt, mit Medikamenten versorgt, die Abdeckung hochgezogen und dann durfte mein Mann endlich zu mir, der prompt vor lauter Aufregung fast meine Hand zerdrückte.

Nun sollte es losgehen und ich hatte etwas Angst wie - von den Ärzten angekündigt - zwar keine Schmerzen aber ansonsten sehr viel von den Handgriffen mitzubekommen. Doch das blieb zum Glück fast aus und ich war sehr froh darüber das Vorgehen kaum zu spüren. Plötzlich hieß es dann, dass der erste Zwilling da sei. Es folgte ein Moment der Stille, ich lauschte ein wenig ängstlich auf einen Laut und dann gab es ein befreiendes kleines Meckern – sehr gut! Schon wurde er uns auch gezeigt und ich sah wie aus Angst im Gesicht meines Mannes ein Ausdruck des Wunders wurde - bei mir war es sicherlich ähnlich. Was für ein unbeschreiblich schönes Gefühl, eine Erleichterung, ein Glück: der Erste war gesund auf der Welt. Bis vor einer Minute erschien es mir unvorstellbar, dass wirklich zwei Kinder in meinem Bauch sein sollten, auch wenn dieser aufdringlich präsent und beschwerlich in den letzten Wochen gewesen war.

Nun folgte auch schon Baby zwei, der noch länger still war und meine Anspannung kurz steigerte, dann gab auch er ein leises Knucksen von sich. Auch heute noch Tage später: Nummer Eins regt sich schnell auf (zum Beispiel beim Windeln) und Nummer Zwei  nimmt alles gelassener. Auch er wurde uns kurz gezeigt und dann zu den Kinderärzten gebracht. Mein Mann ging gleich hinterher und ich wurde weiter versorgt. Dann kam er mit unserem ersten Zwilling zurück und ich konnte ihn streicheln, küssen und begrüßen. Das war unglaublich schön und Nummer Zwei wurde mir ebenfalls kurz darauf gebracht. Beiden ging es gut, keinerlei Anpassungsprobleme – was für ein Geschenk, es musste also niemand beatmet oder anderes werden :)

Die Anspannung ließ nach und ich versuchte mich langsam zu beruhigen und runterzufahren. Aber mein Körper brauchte noch etwas, um all die Aufregung und Angst abzubauen. Das war aber auch ein spannendes Erlebnis! Wahrscheinlich das Spannendste, was ich je in meinem Leben erlebt habe, so aufgeregt war ich nicht mal beim Paragliding gewesen! Umso mehr genoss ich das gemütliche Kennenlernen im Kreissaal nach einer Nacht ohne Schlaf, ewigem Warten und körperlicher Grenzerfahrung. Ich konnte meine Zwillinge ein erstes Mal im Arm halten, stillen, streicheln, kennenlernen und etwas später waren wir komplett als das Herzmädchen dann auch ihre Brüder kennenlernte.

Was für ein einmaliger Tag mit zwei Wundern am Ende des Tages!

Eure glückliche Dreifach-Mama, Anne :)

Freitag, 19. Januar 2018

Was mich an dieser Schwangerschaft in den Wahnsinn treibt - eine kurze Aufzählung

Fotografie: pixabay/ pexels




- Schwangerschaftsübelkeit/ Hyperemesis gravidarum
-> quasi Magen-Darm-Verstimmung 24 h am Tag, 3,5 Monate lang - ich glaub ihr könnt es euch vorstellen

- Kopfschmerzen in den ersten vier Monaten durch die Hormonumstellung
-> wunderbare Kombi mit Übelkeit

- Kreislaufprobleme und unendliche Müdigkeit
-> machen das wunderbare Geschenk der Schwangerschaft mit Übelkeit und Kopfschmerzen in den ersten Monaten erst perfekt!

- ein fast dauerhaft schrecklicher Geschmack im Mund
-> nichts hilft, ich dreh bald durch, am Anfang hatte ich noch die Hoffnung, dass er zusammen mit der Übelkeit auch irgendwann verschwindet

- wahnsinniges abendliches Sodbrennen ohne erkennbare Ursache
-> links liegen hilft, aber zum Liegen siehe Stichpunkt Schlafprobleme!

- Rückenschmerzen
-> zum Glück gibt es Osteopathen ;)

- Hüftschmerzen
-> da kann auch der Osteopath nichts mehr machen, physikalische Überlastung!

- Zahnfleischbluten
-> kennen wohl die meisten Schwangeren

- Harndrang bzw. jetzt am Ende unsägliche Schmerzen auf dem Gang zur Toilette
-> die zwei halten meine Blase wahrscheinlich für ein Trampolin...

- Beschwerlichkeit
-> wer sich vorstellen kann einen Medizinball zu verschlucken und dann noch aufrecht zu gehen bzw. mit Kleinkind den Alltag zu gestalten ist nah dran an meiner jetzigen Situation

- Schlafprobleme
-> schon mal mit einem verschluckten Medizinball geschlafen? Man kommt keinen Zentimeter zur Seite und Positionswechsel kommen einem Wellnessurlaub gleich!

- Schwangerschaftsdiabetes
-> die zwei in meinem Bauch essen mir gefühlt alles weg, aber was soll ich noch essen? Mehr Gemüse geht nicht, ich bin doch keine Kuh!

- diese Sorgen: Sorgen um die Zwillinge (Entwicklung, mögliche Frühgeburt...), Sorgen in Bezug auf die Entbindung, Sorgen um das Herzmädchen während der Zeit im Krankenhaus und danach, Sorgen in Bezug auf den zukünftigen Alltag, Sorgen um die Paarbeziehung und ach ja, ich bin ja auch noch da...

- die unendliche Anzahl von Terminen: als Zwillingsschwangere ist man nämlich fast eine Laborratte (alle zwei Wochen Frauenärztin, 3mal zum Feindiagnostiker, dann noch Diabetologie, Physiotherapie, Osteopath, Schwangerenberatung zur Geburtsvorbereitung im Krankenhaus) und dann soll man sich noch gaaaaaaaaaaanz viel schonen, klappt super, wenn man die Vormittage in Wartezimmern und die Nachmittage mit Kleinkind verbringt...

- ach und die unendliche Anzahl an Gesprächen mit Fremden und Bekannten über die Größe meines Bauchs
-> ich habe ja noch gar nicht mitbekommen, das ich Zwillinge erwarte! ;)

- die Hormonumschwünge und dass man dann heulend zu Hause auf der Badewannenkante sitzt

- Apropos: Baden und Duschen klappt auch wunderbar, man braucht nur doppelt so viel Wasser

- und Zehennägel-Schneiden ist fast einfacher als sich zum tausendsten Mal den Bauch einzucremen in der Hoffnung, dass nicht noch mehr Schwangerschaftsstreifen entstehen

...und ja, ich freu mich trotzdem auf meine zwei Jungs!

Eure Anne



Dienstag, 16. Januar 2018

Interview zum Thema Selbstbetreuung - Jenniffer von Berufung Mami stellt mir Fragen


Fotografie: Josh Willink/ pexels




Ihr habt Jennifffer von Berufung Mami bereits in meinen Herzensbande-ADVENTskalender im Interview kennengelernen dürfen und nun hat sie ein Interview mit mir in ihrem EBook "Selbstbetreuung und Geld verdienen?" veröffentlicht. 

Über einen Email-Kontakt haben Jenniffer und ich im Frühjahr letzten Jahres Kontakt geschlossen und so hatte sie mich gefragt, ob ich für ihr EBook für ein Interview bereit wäre. Da habe ich gern spontan zugesagt und Anfang letzten Sommers über unsere Zeit als Selbstbetreuer Rede und Antwort gestanden. Da Jenniffer auch gerade kurz vor der Entbindung steht und ebenfalls eine sehr anstrengende Schwangerschaft hatte, ist ihr Buch nun gerade erst frisch "in den Druck" gegangen. 

Ich freue mich, dass ich euch mein Interview hier auf dem Blog zum Lesen zeigen und euch damit auch einen ersten Einblick in das EBook "Selbstbetreuung und Geld verdienen?" geben darf:


Anne: „Organisieren, geduldig sein und priorisieren“


Anne ist Sozialpädagogin und Mama einer Tochter. Sie hat einen Weg gefunden, beruflich tätig zu sein und die Betreuung ihrer Tochter trotzdem fast ausschließlich selbst zu übernehmen. Sie berichtet im Interview u.a. darüber, wie der Versuch der Fremdbetreuung scheiterte und welche Wege die Familie anschließend gegangen ist, zum Wohle ihres Herzmädchens. Zum Zeitpunkt des Interviews ist sie das zweite Mal schwanger, und zwar mit Zwillingen. 

Magst Du uns etwas über Dich und Deine Familie erzählen? 


Ich bin gebürtige Dresdnerin, liebe meine Stadt sehr und habe bis auf 3 Monate in Zürich immer hier gelebt. Ich bin 30, ein Sommerkind, glaube an Gott, liebe es zu quatschen bis die Sonne am nächsten Tag aufgeht, bin gern kreativ und interessiere mich für Umwelt- und Naturschutz und esse fast ausschließlich vegan. Ich wollte schon immer, und habe dann auch aus meiner Liebe zu Kindern heraus Sozialpädagogik studiert. Während und nach dem Studium habe ich sowohl im Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes, in einem Familienzentrum, Kitas und in der Erwachsenenbildung gearbeitet. 

Mit meinem Mann bin ich schon seit fast 13 Jahren zusammen, inzwischen verheiratet und Eltern einer wunderbaren Tochter, die wir jeden Tag gefühlt etwas mehr lieben und die auf dem Blog Herzmädchen heißt. 

In der Elternzeit habe ich beim Stillen und Familienbetten ganz viel über Attachment Parenting, bedürfnis- und beziehungsorientiert, unerzogen und einen gleichwertigen Umgang in der Familie gelesen. Und dabei erkannt, dass die Haltung dahinter meiner inneren Haltung endlich einen Namen gibt und auch beruflich genau meinen Herzenswunsch trifft: für Kinder eintreten und Eltern unterstützen, einen gewaltfreien Weg zu finden. Schnell war klar, dass ich mich beruflich neu orientieren möchte und daraus ist damals noch zusammen mit einer Freundin die Idee von Herzensban.de entstanden. 

Du bist also Mama einer Tochter. Wie alt ist sie und wie gestaltet ihr die Betreuung? 


Meine Tochter wird bald 3 Jahre und wir betreuen unsere Tochter selbst. Das heißt konkret, dass einer von uns immer mit ihr zusammen ist, aber nicht unbedingt viel alleine. Wenn wir unsere Tage nicht Zuhause und auf dem Spielplatz oder mit Freunden verbringen, gehe ich mit ihr in der Woche 1-3 Tage in den Rockzipfel in Dresden. Dort habe ich die Möglichkeit zu arbeiten, mich mit anderen Eltern auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und mein Herzmädchen kann mit anderen Kindern spielen. Zusätzlich kommt einen Vormittag Oma zum Spielen vorbei und wir haben eine ganz liebe Babysitterin gefunden, die ebenfalls einmal in der Woche vormittags oder nachmittags vorbeikommt, während ich am Schreibtisch arbeite. 

Aus welchen Gründen habt ihr euch für die (fast alleinige) Selbstbetreuung entschieden? 


Aufgrund von Kenntnissen über die Bindungstheorie aus dem Studium, Vorleben durch Freunde und schlechte Erfahrungen als unsere Tochter in die Krippe ging. 

Für mich war schon lange vor der Elternzeit klar, dass ich mindestens 2 Jahre zu Hause bleiben möchte und wir uns auch darüber hinaus je nach Bedürfnis des Kindes die Betreuung teilen oder zumindest nur eine stundenweise außerfamiliäre Betreuung für unser Kind möchten. 

Als sie zwei wurde und der Plan war, dass ich wieder ins Arbeitsleben zurückkehren soll, haben wir mit der Eingewöhnung in einer aus unserer damaligen Sicht bedürfnisorientierten Krippe begonnen. 

Trotz meines großen entwicklungspsychologischen und bedürfnisorientierten Wissens habe ich es leider nur teilweise geschafft unsere Wünsche bei den Erziehern umzusetzen. Auch wenn wir uns bei vielem länger Zeit lassen durften, kam trotzdem irgendwann der Punkt an dem die Erzieherinnen immer mehr von ihr mit gerade mal 2 Jahren verlangten. Unser Herzmädchen sollte immer mehr funktionieren und wir bekamen fast täglich zurückgemeldet, dass unser Kind „nicht hören“ würde und die einzige in der Gruppe sei, die nicht sofort umsetze, was man ihr sage. 

Trotz viel Verständnis unsererseits für Erwartungen, Betreuungsschlüssel, Gruppengröße, Strukturen und sehr freundlichen Gesprächen, wollten sie unsere Wünsche und Argumente nicht verstehen. Ich habe darüber auch einen eigenen Blogartikel verfasst, weil mir das damals ziemlich nah ging, dass wir damit, trotz sehr sorgfältiger Auswahl und behutsamen Heranführens unserer Tochter an die Krippe, gescheitert sind. 

Ab einem gewissen Punkt musste ich entscheiden, ob ich als Mutter so werde, wie sich das der Kindergarten wünscht und ich nie werden wollte oder ob ich nie wiederkomme und wir unsere Ideale leben können. So haben wir von einem Tag auf den anderen gekündigt und uns wieder selbst organisiert. 

Da ich im Vergleich zu vorher schon mitten im Selbstständig-werden steckte und auch einige Stunden in der Woche in einer Herzreha arbeitete, mussten wir uns neu organisieren. Das hat zwei Monate gedauert, aber dann hatten wir einen guten Rhythmus gefunden und haben unsere Entscheidung bisher nie bereut. 

Besonders ich fühlte mich wieder freier, musste mich nicht täglich den Verurteilungen der Erzieherinnen (wir seien unfähig und viel zu laissez-faire-mäßig unterwegs) aussetzen und 
auch unser Mädchen atmete merklich auf, wollte nie wieder zurück und konnte wieder sie selbst sein. Sie wachte sogar oft morgens auf und sagte traurig, dass sie nicht in den Kindergarten möchte. Wir merkten, dass sie drei Monate brauchte um die negativen Erfahrungen und einige entwickelte Abwehrhaltungen (z.B. Händewaschen) verarbeitet hatte. Diese Beobachtungen waren ein Grund mehr, die Selbstbetreuung als richtigen Schritt zu sehen. 


Was machst Du beruflich und wie ist eure Tochter in dieser Zeit betreut? Wie bekommst Du Arbeit und Familie unter einen Hut? 


Das ist ein spannender Spagat und ganz viel organisatorische Familien-Leistung. 

Ich bin Sozialpädagogin und arbeite freiberuflich als Familienberaterin, Mediatorin und Elternkursleiterin. Und ich blogge mit Leidenschaft für einen gleichwertigen, liebevollen, bedürfnis- und beziehungsorientierten Umgang in der Familie. 

Zudem arbeite ich über einen Honorarvertrag (vorher Minijob) als Sozialpädagogin in einer Herzreha und in Fortbildungseinrichtungen als Dozentin für Familien- und Sozialpädagogikthemen. 

Inhaltliche und organisatorische Arbeit (also Bloggen, Netzwerken, Betreuung der Homepage und Facebook-Seite, Termine und Erledigungen koordinieren) versuche ich tagsüber mit meinem Mädchen oder im Rockzipfel oder wenn jemand zum Spielen vorbei kommt (wie Oma, Opa, Kinderbetreuung) zu schaffen beziehungsweise ist ein ganz großer zeitlicher Part der Mittags- und Nachtschlafstunden. 

Arbeite ich in der Herzreha, als Dozentin, gebe Kurse oder berate, ist Papa-Zeit. So ist sie entweder bei mir oder bei Papa und an andere lässt sie sich auch nicht abgeben und da versorgen wir sie uneingeschränkt in ihrem Sicherheitsbedürfnis. Auch wenn mir manchmal kleine Zweifel kommen, wie „normal“ das ist, vertrauen wir ihr damit seit dem Kindergarten voll und ganz und gehen davon aus, dass ihre Autonomiebestrebungen von sich aus eintreten werden oder wie mein Mann es mal so schön sagte: „Was ist schon normal?!“ 

Mh, wie bekomme ich Arbeit und Familie unter einen Hut? 


Zeit mit meinem Herzmädchen versuche ich mir ganz bewusst zu nehmen, so dass trotz viel Mitkommen zu Geschäftsterminen und Haushalt / Einkauf / Essen kochen auch individuelle Zeit für sie bleibt bzw. habe ich einfach im Gegensatz zu früher ein gedrosseltes Tempo und wir schaffen mit Freude enorm viel zusammen. Sie weiß, dass ich für die Arbeit einiges erledigen muss, das ist für sie in Ordnung, dafür „muss“ sie nicht in die Kita gehen. 

Zeit für mich oder auch für Treffen mit Freundinnen ist wenig, aber das ist ok für mich, denn das ist sie mir wert und mein Leben hoffentlich noch lang. ;-)

Zeit für mich und meinen Mann ist eher abends wenn unsere Tochter schläft, dann basteln wir uns ein Paket aus Arbeit und Entspannung. 

Was würdest Du sagen ist die größte Herausforderung, wenn man arbeitet und sein Kind selbst betreut? 


Nicht selbst unterzugehen. Alle anderen Bedürfnisse (Kind, Arbeit, Partner, Familie, Gesellschaft) wichtiger zu nehmen als seine eigenen. Ich finde, das ist auch eins der größten Missverständnisse von einem bedürfnisorientierten Umgang – es geht nicht nur um die Kinder! Je kleiner sie sind, umso mehr, ganz klar, aber wenn ich als Mutter (bei der in den meisten Familien alle Stricke zusammenlaufen: Kind/er, Mann, Haushalt, Familienorganisation, Job) nicht auf mich achte, dann kann ich bald auf nichts und niemanden mehr achten. Insofern versuche ich mir täglich Zeit für mich zu nehmen, mal mehr, mal weniger, aber in der Regel mindestens eine halbe Stunde – wie auch immer das aussieht, für jeden anders und auch bei mir jeden Tag etwas anders. So habe ich Kraft, Motivation und Freude für dieses Riesenpensum. 

Meine größte Herausforderung ist Sport, dazu habe ich eigentlich keine Zeit, möchte aber unbedingt wieder mit dem Laufen anfangen. 

Gibt es Momente, in denen Du es Dir anders wünschst? Also mehr Zeit für Dich zu haben, oder für Deinen Job? Was bestärkt Dich in diesen Momenten darin, den Weg so weiterzugehen, wie ihr ihn geht? 


Ja, die gibt es definitiv. Ganz oft denke ich, dass ich gern mehr ruhige Zeit zum Arbeiten, Planen und Durchführen hätte. Dennoch sehe ich nie unser Herzmädchen als „Ursache“, sondern dass ich mein Leben so gewollt habe und einfach nur besser werden muss im Organisieren, Geduldig-sein und Priorisieren – obwohl das wirklich schon meine Stärken sind. Die drei Eigenschaften helfen mir ungemein. Auch über den Stress nicht den Blick für die Bedürfnisse meiner Tochter, mich, meinen Mann, Familie, Freunden …. zu verlieren. Denn die sind mir/ uns als Familie am wichtigsten und dafür verschiebe ich letztlich gern Termine oder komme weniger schnell voran, auch wenn es eben Momente gibt, in denen ich da ungeduldig und undankbar bin. 

Mich bestärkt also, dass wir die freie Wahl zu unserem Leben hatten und diese Selbstbestimmtheit liebe ich jeden Tag: die freie Einteilung von Arbeit und Familie (mein Mann arbeitet auch von zu Hause aus), das ist für mich gelebte Vereinbarkeit. Und mich bestärkt das Gefühl der Dankbarkeit, dass wir das Glück haben, es managen zu können, so viel Zeit miteinander zu haben, auch wenn wir dafür 7 Tage die Woche im „on“ sind und arbeiten, aber eben auch 7 Tage die Woche Schönes haben und nicht nur auf einzelne Tage hinarbeiten. Ich bin meinem Mann dankbar, dass wir das so können, denn er ist der Hauptverdiener. 

Und ja, die wenige Zeit für mich und die hohe Präsenz/Arbeitsbelastung dadurch, dass ich zu 70% Kind und Haushalt plus meine Arbeit habe, da gibt es auch Momente der Überforderung und der kurze Wunsch, einfach wie Max Müller mit Kita und Angestelltenjob zu leben, aber die Momente sind eben wirklich kurz. Dennoch schließen wir es nicht aus, bis zur Schule irgendwann für ein paar Stunden täglich auch - wenn wir eine wirklich gute Kita finden sollten - Betreuung in Anspruch zu nehmen, das werden wir dann zu dritt entscheiden. Und diese Möglichkeit das Leben immer wieder neu anzupassen, das hilft mir auch - wir leben als Familie keine Dogmen. Und so ist Selbstbetreuung für uns gerade folgerichtig und von Herzen, aber es soll keine auferlegte Fessel werden, wenn sich das Leben ändert, dann werden wir weiterschauen. 

Von all den Dingen, die Du tust, um Geld in die gemeinsame Kasse zu bringen, was davon kannst Du Müttern empfehlen? Welche der Ausbildungen kosten nicht zu viel Zeit und Geld, womit man sich jedoch schnell ein eigenes Standbein aufbauen kann. 


Mh, das finde ich schwierig, denn alle meine Tätigkeiten beruhen darauf, dass ich Sozialpädagogik studiert habe. Das Bloggen natürlich nicht, aber das ist mehr Leidenschaft und Information für Eltern, als Einnahmequelle. 

Was würdest Du Müttern, die das hier jetzt lesen, empfehlen? 


Was ist aus Deiner Sicht erfolgsversprechend, um sich ein eigenes Standbein aufbauen zu können, was aber nicht zu viel Zeit und Geld in Anspruch nimmt. Ich denke, ein Minijob kann eine gute Idee sein, wenn man es mit Papa oder anderer Betreuung abdecken kann, verlässlich die kleine Stelle auszufüllen und für Mamas aus dem pädagogischen Bereich ist es natürlich immer möglich freiberuflich beratend oder mit Kursen zu elternrelevanten Themen dazuzuverdienen. Ich habe dazu eine Zusatzausbildung zur Familienberaterin über ein Jahr gemacht und ließ mich zur Mediatorin weiterbilden. Ich finde, dass das nicht nur aus dem finanziellen Aspekt heraus sein sollte, ich liebe einfach meine Arbeit sehr, daher ist sie auch Ausgleich und Leidenschaft für mich.


Danke Jenniffer für deine Fragen!


Freitag, 29. Dezember 2017

Rückblick - ein Jahr nach der Kitakündigung

#Herzensbande #Kindergarten #kitafrei #beziehungsorientiert #Eingewöhnung

Fotografie: Kaboompics / Karolina / pexels








Vor einem Jahr haben wir uns entschieden unsere Krippenplatz für das Herzmädchen zu kündigen. Das war keine einfache Entscheidung ohne Alternative, anderen Platz oder neuen Plan kurzfristig zu kündigen. Wären wir aber geblieben, hätten wir uns stark verändern, den Bedingungen und Einstellungen der Kita anpassen müssen und wären nicht mehr die Eltern gewesen, die wir für unser Kind sein wollten.

An einem Freitag vor einem Jahr wurden diese zwei Möglichkeiten (Anpassen oder Gehen) sehr deutlich und die Stimmung, die Erziehungseinstellung dort, der Umgang mit uns immer unerträglicher. Wir entschieden uns und das ziemlich schnell: so wollten wir nicht leben und in so einem Umfeld wollten wir auch nicht unsere knapp 2,5 Jahre alte Tochter jeden Tag mehrere Stunden lassen.

In einem Blogartikel habe ich den Prozess und unsere Entscheidung damals niedergeschrieben und das tat ziemlich gut. Denn natürlich haben wir nicht überall Verständnis und Unterstützung für unsere Entscheidung geerntet. Häufige Argumente wie, dass Kinder sich einordnen lernen müssen, um in der Schule und dem späteren Leben zu bestehen, dass Kindergruppen anders funktionieren, dass unsere Tochter es wahrscheinlich eh zu gut hat, dass wir unrealistische Erwartungen haben usw. wurden uns direkt oder indirekt mitgeteilt. Irgendwann wollte ich schon gar nicht mehr drüber sprechen und mich auch nicht ständig rechtfertigen müssen. Ich wusste, dass unsere Entscheidung richtig war, aber leider auch sehr schwierig in wenigen Worten nachvollziehbar zu beschreiben. Denn respekt- und liebloser Umgang mit Kindern und auch gegenüber den Eltern passiert hauptsächlich auf non-verbaler Ebene und hinterlässt einen schalen Nachgeschmack, das etwas nicht stimmt. Ich versuchte mich dann auf diejenigen zu konzentrieren, die uns absolut unterstützten - das tat gut J

Zum Glück konnten wir die Kündigung recht schnell über die Bühne bringen und dann kamen Weihnachten, die Feiertage und wir konnten alle drei das Erlebte setzen lassen und durchatmen.

Natürlich war es eine organisatorische Herausforderung. Plötzlich war das Herzmädchen wieder den ganzen Tag bei uns und meine Arbeit am Blog, meine Selbstständigkeit, die Fortbildung, meine neu begonnene Arbeit in der Reha wollte ich gern weiterlaufen lassen bzw. musste auch weiterlaufen. Wir mussten uns neu organisieren und in alles hereinteilen, wobei ich den Löwenanteil der Zeit das Herzmädchen und die Arbeit im Doppelpack erledigte - außer in der Reha, der Fortbildung oder zu Beratungen nahm ich sie überall hin mit. Zum Glück hatte ich Hilfe von meiner Schwiegermutter, meinem Vati, später einer wunderbar liebevollen Babysitterin (alle kamen einmal die Woche für 2-3 Stunden) und wir gingen wieder regelmäßig in den Rockzipfel Dresden.

Warum haben wir keine neue Kita gesucht? Warum habe ich sie nicht an manchen Tagen komplett bei Oma gelassen? Tja, die negativen Erfahrungen in der Kita waren nicht nur temporär, sondern zogen auch einige Nachwehen nach sich. Das Herzmädchen ließ sich an niemanden mehr abgeben, das Vertrauen war verspielt. Sie blieb nur bei Papa oder mir und ging nicht mal mit Oma oder Opa auf den Spielplatz in den Hof – ich musste immer mit. Dafür besorgte ich mir sogar einen neuen Laptop mit Akku, damit ich wirklich überall arbeiten konnte (auf dem Spielplatz, überall im Rockzipfel, in Kindercafés…). Ein halbes Jahr wich sie uns nicht von der Seite und auch andere „kleinere“ Alltagsdinge gingen nicht mehr.

Das beste Beispiel dafür war Händewaschen. Sie hatte es immer geliebt am Waschbecken zu stehen und zu planschen. Jetzt ging absolut kein Weg rein, dass sie sich die Hände wusch (anscheinend war sie mehrfach dazu gezwungen wurden). Natürlich wollten auch wir gerne, dass sie sich die Hände wäscht, wollten aber auch nicht selbst Zwang anwenden. Wir begannen mit Waschlappen, Küchentüchern, Desinfektionsspray etc. kreativzu werden und schafften es das einige Monate auszuhalten. Wie oft ich in dieser Zeit immer wieder von Zweifeln geplagt wurde! Ich dachte, dass muss doch einfach klappen, sie muss doch auch mal ohne uns auskommen können, sich die Hände waschen... Zum Glück bin ich ein sehr geduldiger Mensch und ich konnte unser Vertrauen in sie hoch halten.

Und siehe da: es bewährte sich! Im Sommer ließ sie ihre Erfahrungen Geschichte immer mehr hinter sich, begann wieder selbstständiger zu werden und wusch sich auch wieder die Hände. Ich war SEHR froh, dass wir es geschafft hatten zu vertrauen und allem Zeit zu geben!!

Innerhalb weniger Wochen ging sie problemlos mit Oma, Opa, Babysitterin auf den Spielplatz, hatte Spaß und kehrte fröhlich wieder heim. Auch ihr Vertrauen war wieder komplett zurück und sie bereit für den nächsten Entwicklungsschritt.

Lange wussten wir nicht, ob wir komplett kitafrei bleiben werden oder wollen und waren im Vertrauen in Fremdbetreuung total erschüttert. Besonders auch mein Mann konnte sich nicht recht vorstellen, dass wir etwas finden, das wirklich gut ist und wo wir unser Mädchen mit guten Gewissen abgeben wollen. Ich machte erstmal keine Pläne, konnte mir aber kitafrei bis zur Schule nicht so recht vorstellen. Ich habe aber auch selbst viele schöne Erinnerungen an den Kindergarten und an die Freundschaften da (obwohl ich auch erst eine schlechte Erfahrung gemacht habe und meine Eltern nach der Wende dann flugs für mich die Kita wechselten J ). Außerdem konnte ich mir mit einem weiterem Kind (und jetzt mit Zwillingen im Anmarsch bin ich darüber doppelt froh) ein kitafreies Leben nicht vorstellen, dass fühlte sich für mich überlastend an, besonders da ich gerne arbeite und das auch weiter machen wollte.

Zu dieser Zeit wiederholte eine enge Freundin ihre bis dahin schon mehrfach ausgesprochene Empfehlung für den Kindergarten ihrer Tochter. Da sie und ihr Mann „erziehungsmäßig“ so wie wir eingestellt sind, traute ich mich dann Anfang des Sommers dort Kontakt aufzunehmen. Ich fuhr an einem sonnigen Nachmittag mit dem Herzmädchen hin und wir verbrachten einen entspannten Nachmittag (vor allem draußen) dort im Kindergarten. Sie spielte und ich unterhielt mich mit der Leiterin. Schon die Tatsache, dass wir so lange einfach da sein durften, war mir sehr sympatisch. In der anderen Kita wurden die Eltern irgendwie möglichst schnell vor den Zaun befördert. Außerdem stellte ich viele Fragen aufgrund unserer bisheriger Erfahrungen und die Leiterin schaute mich immer an als würde ich von einem anderen Planeten kommen und frug, was ich denn für skurrile Fragen stellen würde (z.B. ob es in Ordnung ist, wenn ich mein Kind mittags abhole – natürlich!). Ich erklärte ihr unsere Vorgeschichte nochmal genauer und sie meinte nur; „Jetzt verstehe ich, was sie meinen.“

Ich war so froh und fühlte mich verstanden. Nebenbei hatte ich auch viel Möglichkeiten die anderen Erzieherinnen mit den Kindern zu beobachten. Wollte ein Kind beispielsweise keine Jacke anziehen, weil ihm seiner Aussage nach warm war, wurde das akzeptiert – wie toll! Die Leiterin war auch die erste Erzieherin, welche in dem eigenen Willen und der Stärke unserer Tochter was tolles sah und sagte, dass sie sehr gut in den Kindergarten passen würde. Ich hätte sie knutschen können!

Denn das war mein größter Kritikpunkt an der alten Kita: die Kinder waren nicht ok so, wie sie waren. Unser Mädchen war zu eigenwillig, hörte nicht, brauchte Erklärungen und tantze angeblich als einzige aus der Reihe. Ja, wir haben sie nicht „gleichgeschaltet“, aber wir und auch andere hatten im respektvollen Umgang mit ihr kaum Probleme mit ihr zu kooperieren – außerdem sie war damals 2 bis 2,5 Jahre!

Die Entscheidung es dort neu zu probieren fiel schnell und wir meldeten sie, für den Fall, dass irgendwie ein Platz frei werden würde, an. Und unser unsägliches Glück war es, dass das bereits nach einem Monat der Fall war! Ein Familie zog ins Ausland und wir konnten den Platz bekommen J

Ende August begann die Eingewöhnung, die diesmal Papa machte (ich wollte gern, dass nichts an die alte Eingewöhnung erinnerte und schwanger mit Hyperemesis war ich auch froh über ein bisschen Auszeit). Die Tatsache, dass die Tochter unserer Freunde dort war und unser Mädchen wieder bereit war loszulassen harmonierten perfekt und sie hatte eine geniale Eingewöhnung. Ganz schnell ließ sie Papa irgendwo sitzen, nahm den ganzen Kindergarten (offenes Konzept) im Spiel ein und baute dabei eine wunderbare Bindung zu ihrer Bezugserzieherin auf. Es gab eine Woche als die Trennung auch vom Papa bewusst ausging, wo es etwas schwieriger wurde und ein Morgen waren wir etwas besorgt, ob es klappt. Aber es klappte, nach 5 Minuten spielte sie und fühlte sich auch ohne Papa wohl.

Nun haben wir Dezember und seit Ende November schläft unser Herzmädchen auch mittags mit im Kindergarten. Bieten wir ihr zur Zeit an sie mittags abzuholen, sagt sie nein und will total gern mitschlafen und vespern. Sie freut sich morgens, geht gern hin, hat noch andere Freunde gefunden und liebt ihre beiden Gruppenerzieherinnen (die wirklich ein Schatz sind) total.

Dass es so bilderbuchmäßig laufen würde, hätte ich nicht gedacht, aber ich freue mich wirklich JEDEN Tag, dass sie sich so wohl, so angenommen und so sicher dort im Kindergarten fühlt. Mein Mann und ich sind glücklich über den Verlauf und auch dass wir den Mut hatten diese untypische Entscheidung ohne neuen Kitaplatz zu treffen. Vor einem Jahr war so viel Unsicherheit darüber da, wie es weiter gehen würde und nun können wir darauf zurückblicken und dankbar sein, dass sich alles so wunderbar gefügt hat.

Wie sind eure Erfahrungen mit Eingewöhnung und Kita? Musstet ihr vielleicht auch schon mal eure „Erziehungsflagge“ hochhalten oder gar die Einrichtung wechseln?


Eure Anne



Sonntag, 24. Dezember 2017

Interview mit Kathrin vom Blog "Nestling"





Liebe Kathrin,

ich danke dir von Herzen, dass du gleich zugesagt hast das letzte Türchen meines Herzensbande-ADVENTskalenders mit Leben zu füllen. Seit meiner ersten Schwangerschaft verfolge ich deinen Blog, deine wunderbaren Texte und Tipps sowie euer Familienleben. Besonders dieses Jahr war es ja außergewöhnlich spannend mit eurer Auswanderung nach Amerika in den Norden von New York – Hut ab! Ich freue mich auf deine Antworten und dich als Bloggerin über „liebevolle Erziehung im modernen Gesellschaftswahnsinn“ (wie du deinen Blog selbst beschreibst) dabei zu haben J

Tatsächlich ist heute der 4. Advent und gleichzeitig Heilig Abend, dass heißt wir hatten dieses Jahr die kürzest mögliche Weihnachtszeit und auch „weniger“ Zeit für Weihnachtsvorbereitungen und -erlebnisse: Hast du es als „zu kurz“ empfunden und was war für dich das Schönste an der Weihnachtszeit?

Da hier in New York sofort nach Thanksgiving (23. 11. 2017) die Weihnachtszeit eingeläutet wird, hatten wir einen vollen Weihnachtsmonat und somit ausreichend Zeit, um ordentlich in Stimmung zu geraten. Eine schöne Überraschung war die große Ladung Schnee Anfang Dezember, die eine herrlich weihnachtliche Stimmung zauberte. Was mir hier außerdem gut gefällt, sind die hübsch dekorierten und mit vielen Lichterketten behangenen Häuserfronten. Genau mein Geschmack!

Und was war das Schönste für deine Tochter und deinen Sohn?

Unsere Große (6 Jahre) hat seit drei Jahren auf Schnee gewartet. Dementsprechend groß war die Freude bei ihr, als wir endlich rodeln gehen konnten. Der Bub war ebenfalls schwer begeistert von der weißen Pracht. Sie waren außerdem ganz aufgeregt, als wir unser Haus weihnachtlich schmückten (haben wir in Deutschland nie gemacht) und wir es uns drinnen wunderbar heimelig machten. Adventskalender öffnen, Duftkerzen anzünden, Baumschmuck basteln, Plätzchen backen, Weihnachtsbücher lesen: Hier gab es das ganze Weihnachtsprogramm. So viel Zeit miteinander und schöne Sachen erleben – das fanden sie beide großartig.
   
Welche Unterschiede zwischen der deutschen und der amerikanischen Weihnachtszeit habt ihr wahrgenommen, was vielleicht am meisten vermisst?

Viele Amerikaner stellen bereits Anfang Dezember ihren Weihnachtsbaum auf und sie schmücken wie gesagt gerne und teils echt übertrieben ihre Häuser. Letzteres mag ich sehr. Dafür gibt es hier (außer in New York City) keine Weihnachtsmärkte (entsprechend weder Glühwein, gebrannte Mandeln noch Reibekuchen). Der Nikolaus kommt nicht, die Kinder öffnen keinen Adventskalender und zünden keinen Adventskranz an. Zumindest in unserem Umfeld nicht. Vermisst habe ich lediglich die typisch deutschen Weihnachtsleckereien, aber ansonsten gefällt mir der Mix aus unseren gewohnten Bräuchen und der amerikanischen Art Weihnachten zu feiern.

Was gibt es an Heilig Abend bei euch zu essen? Deftiger Braten, Kartoffelsalat mit Würstchen oder eine neue amerikanische Tradition?

Wir feiern Heiligabend das erste Mal zu viert und es wird ein ganz besonderes Weihnachtsfest, denn ich habe uns Plätze im Polar Express gebucht. In New Jersey gibt es nämlichen einen Polar Express Zug (angelehnt an das gleichnamige Buch), der zum Nordpol fährt. Da dieses Ereignis mitten am Tag stattfindet und wir etwa eine Autostunde hinfahren, gibt es für uns wahrscheinlich nur Fingerfood im Auto, um auf Deine Frage zu antworten. Dass Essen ist für mich dieses Jahr absolute Nebensache. Keiner von den dreien weiß nämlich, was ich geplant habe und so hoffe  ich sehr, dass diese Überraschung meine Liebsten allesamt vom Hocker reißt J

Nach den Feiertagen steht bald das nächste Fest an: Silvester. Wie feierst du am liebsten – im kleinen oder großen Kreis?

In Deutschland haben wir Silvester immer ganz klein mit engen Freunden, leckerem Essen und vielen, lustigen Spielen gefeiert. Für dieses Jahr habe ich noch gar keine Pläne – im Zweifelsfall genießen Thomas und ich, einen romantischen Abend zu zweit.

Wenn ich auf dein Jahr 2017, welches ich über deinen Blog mit Spaß verfolgt habe, zurückschaue dann ist der Umzug in die USA mit allen neuen Hürden und Anfängen für alle deine LeserInnen sicherlich sehr eindrücklich. Wie nimmst du das nun im Rückblick wahr und welche Höhepunkte 2017 fallen dir spontan ein?

Die Auswanderung war definitiv ein Höhepunkt, den kein anderes Ereignis toppen kann. Im Grunde nahm dieser gewaltige Umzug das komplette Jahr 2017 ein
- gedanklich, emotional und selbstverständlich auch physisch. Unsere Auswanderung war aufregend, nervenaufreibend, anstrengend, aber auch eine der besten Erfahrungen, die wir als Paar und als Familie sammeln konnten.

Rückblickend kommen mir der eigentliche Umzug und all die kleinen Anfangshürden schon sehr weit entfernt, irgendwie unwirklich und nur noch halb so schlimm vor. Es fühlt sich erstaunlich  normal an hier zu wohnen. Wirklich
beeindruckend wie schnell man sich an eine neue Heimat und Lebenssituation gewöhnen kann.

Hast du schon neue Vorsätze oder Projekte für das neue Jahr, an denen du gerne arbeiten würdest und wenn ja, welche?

Mal davon abgesehen, dass ich persönlich nicht viel von guten Vorsätzen zum Jahresanfang halte, hat mich der Alltag mit den Kindern und erst Recht unsere Auswanderung eines gelehrt: „Das Leben ist nicht planbar.“

Klar habe ich einige kleine Projekte für meinen Blog im Kopf und es wäre schön, wenn ich wieder etwas mehr Zeit zum Schreiben fände. Aber auch 2018 liegt mein Hauptfokus darauf, dass es jedem von uns vieren hier in New York gut geht. Noch sind wir nicht 100%ig hier angekommen und Thomas ist beruflich arg eingespannt. Dementsprechend fungiere ich als Bindeglied, manchmal im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn es mir gelingt, uns gesund und emotional stabil durch das Jahr  2018 zu manövrieren, bin ich schon glücklich. Das ist im Grunde mein größtes Projekt.

Zwei kurze Blicke in die Vergangenheit, die dich bis heute prägen:

Mit 19 reiste ich ein Jahr lang auf eigene Faust durch Australien (ich hatte ein „Work & Travel Visum“ und arbeitete unter anderem fünf Monate als Jilleroo (australisch für Cowgirl) mit Aborigines zusammen auf einer Rinderfarm). Von 2008-2010 studierte ich in York (Großbritannien) und kam mit meinem Master wieder Heim. Beides eventuell ungeahnt gesetzte Grundsteine für unsere Auswanderung nach New York ;)

Was war dein erster Berührungspunkt mit Attachment Parenting?

Die Geburt meiner Tochter (2011) und das Gefühl sie immer bei mir haben und auf sie aufpassen zu wollen, egal was die anderen dazu sagen.

Was hast du als „Wichtigstes“ von deinen Eltern bis heute mit ins Erwachsenenleben mitgenommen?

Diese Frage musste ich zugegebenermaßen an meine drei älteren Geschwister weiterreichen, weil mir dazu keine positive Antwort einfallen wollte. Unsere Eltern waren hart, Schimpfe und Schläge standen an der Tagesordnung. Aber auch sie konnten nichts dazu beitragen.

Es gibt dennoch zwei wichtige Dinge, die mich meine Eltern gelehrt haben. Zum einen hart zu arbeiten, was dahingehend positiv ist, dass ich nahezu alles, was ich wollte, erreicht habe. Zum anderen wie furchtbar das Gefühl ist, nicht geliebt zu werden. Mich prägte dieser Schmerz herb, er führte aber auch dazu, dass ich es mit meinen Kindern gänzlich anders machen wollte. Ich kann die unschönen Elternstimmen in meinem Kopf zwar nicht komplett ausknipsen, aber ich bin immerhin ein guter Beweis dafür, dass Menschen, die in ihrer Kindheit geschlagen werden, nicht zwangsläufig ihre eigenen Kinder schlagen.

Zum Abschluss noch eine praktische Frage: Was ist deine schlagfertigste Antwort auf „Du verwöhnst dein Kind aber sehr“?

Stimmt! Toll, oder? J

Kathrin
Ich danke dir für deine Zeit und die interessanten Antworten und wünsche dir wunderschöne, besinnliche Weihnachten mit deiner Familie J

Alles Liebe, Anne.


Sonntag, 17. Dezember 2017

Interview mit Kerstin vom Blog "Chaos²"







Liebe Kerstin,

ich freue mich, dich als Bloggerin und einzige Zwillingsmama hier in meinem Herzensbande-ADVENTskalender dabei zu haben! Ich mag deine mit Leichtigkeit und Humor geschriebenen Texte und auch deine Selfies auf dem Blog lassen eine gewisse Selbstironie vermuten ;) – wahrscheinlich auch ganz gut als Mama von drei Rackern. Als werdende Zwillingsmama bin ich selbst besonders gespannt auf einige Antworten (vielleicht geben sie mir schon einen kleinen Einblick in unsere Zukunft). Ich danke dir ganz herzlich für deine Zeit!


Mittlerweile ist die Weihnachtszeit im vollen Gange, heute ist der 3. Advent: also noch eine Woche bis Weihnachten. Daher meine Frage: lässt du dich stressen oder fährst du im Dezember bewusst einen „Gang herunter“? Was empfindest du als das Schönste an der Weihnachtszeit?

Ich lasse mich nicht stressen. Das habe ich definitiv abgelegt. Es gelingt mir nicht immer perfekt, darüber hinweg zu sehen, dass Dinge liegen bleiben. Aber grundsätzlich mache ich eher langsam und vor allem nur das, was ich machen möchte oder unbedingt MUSS.
Ich liebe die Adventszeit und mag auch gewisse Traditionen. Dieses Wochenende haben wir zum Beispiel gemeinsam mit Oma und Opa den Tannenbaum im Wald geschlagen. Das ist immer ein sehr schöner Nachmittag mit Ponyreiten für die Kinder und Glühwein für die Erwachsenen. Es macht uns Freude.

Und was ist das Schönste für deine drei Kinder?

Oh was ist das Schönste an Kindern? Die Anzahl ist vermutlich recht wurscht. Ich wollte irgendwann immer mal Kinder haben und konnte mir nie vorstellen, dass es ein Einzelkind würde. Das erschien mir schrecklich einsam.
Ist es auch dann nicht, dafür hat unser Sonnenschein gesorgt und direkt eine Zwillingsschwester eingepackt. Es ist wundervoll, Geschwister zu haben. Ja, die nerven total und nehmen einem auch was weg und sind überhaupt oft blöd. Aber sie sind da, wenn man traurig ist, wenn man hingefallen ist, wenn einen jemand ärgert. Sie spielen mit dir und sie produzieren mit dir eine Lautstärke, dass deine Eltern kein Radio mehr ertragen können seit Jahren.
Aber dafür haben wir einen wundervollen Chor aus drei Engelchen daheim, die schöne Weihnachtslieder trällern. Jedes Kind ein anderes. Alle gleichzeitig. Aber ist das nicht toll?

Würdest du sagen, dass Weihnachten mit Zwillingen anders ist oder andere Herausforderungen mit sich bringt als mit „Einzelgeschwistern“? „Muss“ man alles doppelt kaufen?

Uff, da habe ich keine Ahnung. Ich habe ja jetzt auch ein theoretisch einzelnes Exemplar, praktisch ist der übrigens auch ein alleingeborener Zwilling und zweitens ein drittes Kind. Ich habe keine Erfahrung, wie das so mit EINEM Kind wäre.
Aber die drei bekommen unterschiedliche Sachen. Vermutlich so, wie sie sich das als einzelne Geschwister gewünscht hätten. Eher muss ich darauf achten, dass der Krümel auch ein Feuerwehrauto hat, damit er nicht ständig das des großen Bruders klaut.
Im Adventskalender ist aber täglich dreimal das Gleiche.

Was gibt es an Heilig Abend bei euch zu essen? Deftiger Braten oder Kartoffelsalat mit Würstchen?

Wir sind uns noch nicht einig. Aber Kartoffelsalat wird es eher nicht. Irgendwas leckeres, was wenig Aufwand bedeutet bzw. am Morgen vorbereitet werden kann. Letztes Jahr gab es Schweinefilet in Bresso-Soße, das man morgens vorbereiten und abends nur noch in den Ofen schieben muss. Dieses Jahr hat der Traummann Gulasch vorgeschlagen, welchen wir dann auch morgens ansetzen und abends aufwärmen würden. Mal schauen.

Nach den Feiertagen steht bald das nächste Fest an: Silvester. Wie feierst du am liebsten – im kleinen oder großen Kreis?

Ich mochte immer richtige Partys. Habe ich aber selten gefeiert. Wir sind auch schon einmal spontan abends nach Berlin, haben am Brandenburger Tor gefeiert und sind in den Morgenstunden per ICE zurück. Aber das war VOR den Kindern.
Seither haben wir immer nur mit wenigen Freunden dann bei uns gefeiert. Letztes Jahr war sehr besonders. Da über die Feiertage alles schief lief, haben wir Silvester Weihnachten mit der Familie gefeiert und sind anschließend früh ins Bett. Unser Winter war ziemlich ähm naja besonders... 

Wenn du auf dein Jahr 2017 zurückblickst, was sind deine Höhepunkte im Familien- und Bloggerleben? Was fällt dir zuerst ein?

2017 war von vorne bis hinten beschissen. Das tut mir sehr leid, dass so zu bilancieren, zumal ich eigentlich mal als ein sehr positiver Mensch galt, aber es ist die Wahrheit. Familiär war 2017 durch Krankheiten bestimmt. Wir lagen in 3 verschiedenen Kinderkliniken. Mit einem Kind über Monate. Wir hatten furchtbare Sorgen.
Ich hatte Anfang des Jahres eine Lungenentzündung, die ich ziemlich verschleppt habe. Und nun im Oktober lag ich fast den ganzen Monat über stationär wegendiverser neurologischer Probleme. Das hat unser Jahr geprägt. Wir sind müde und geschafft.
Das Blog spiegelt dies wieder. Bis zum Sommer hatte ich kaum 14 Tage am Stück drei gesunde Kinder bzw. eine normale Betreuungssituation. Wir waren im permanenten Ausnahmezustand und so blieb keine Zeit fürs Blog. Entsprechend darf man dort nicht auf die Zahlen schauen, die liegen ungefähr bei der Hälfte von 2016. Wenn überhaupt.
Und ja, das hat mich stellenweise frustriert. Nicht die Zahlen. Aber diese mangelnde Zeit für eines meiner liebesten Dinge. Ich liebe es zu schreiben und ich hatte so viele wunderbare Ideen... Wenigstens habe ich dann ganz trotzig das Ding neu aufgesetzt und umbenannt. Seitdem ist es eine üble Baustelle, für die ich vielzu wenig Zeit habe. ;-) Aber ich mags. 

Hast du schon neue Vorsätze oder Projekte für das neue Jahr, an denen du gerne arbeiten würdest und wenn ja, welche?

Fürs Blog? Nein.
Ich habe soviele Pläne über den Haufen geworfen, ich mache keine mehr. Schreiben will ich. Schreiben. Schreiben. Und Texte verfassen.

Was hast du gedacht als du damals erfahren hast, dass du mit Zwillingen schwanger bist?

Ich habe pures Glück empfunden. Beim ersten und beim zweiten Mal. Es hat sich einfach richtig angefühlt. 


Was hast du als „Wichtigstes“ von deinen Eltern bis heute mit ins Erwachsenenleben mitgenommen?

Ui... da habe ich noch nicht drüber nachgedacht. Dass Familie wertvoll ist? Sie gibt mir Sicherheit und Halt. Bis heute. Damit meine ich nicht nur meine Eltern, sondern auch meinen Bruder.
Ich habe da ein ziemlich ausgeprägtes Urvertrauen, obwohl ich quasi nicht gestillt und ganz sicher nicht getragen wurde.

Zum Abschluss noch eine praktische Frage: Was ist deine schlagfertigste Antwort auf: „Zwillinge? Puh, das ist bestimmt viel Arbeit!“?

„Nein, wo denken Sie hin? Säuglinge versorgen sich doch immer quasi von selbst!“
Ach ich weiß es nicht. Ich habe das ein wenig verdrängt. Die Zeit mit diesen Sprüchenwar nervig,   aber seien wir doch mal ehrlich: Babys und auch größere Kinder machen IMMER Arbeit. Wie blöd ist denn dann die Frage, ob zwei Kinder Arbeit bedeuten würden?
Wobei Arbeit an der Stelle ein unpassendes Wort ist...
Zwillinge machen übrigens nicht unbedingt doppelt soviel Mühe. Es gibt auch Einzelkinder, die einen auf Trab halten für fünf. Manches machen Zwillinge sogar leichter, denn sie sind eben nie allein. Zudem wickelt man doch eh gerade ein Kind, da macht ein weiteres keinen großen Unterschied. Man schläft eh bescheiden wenig, wenn man einen Säugling daheim hat. Es ist auch recht egal, ob man einen Kinderwagen mit zwei oder einem oder drei Kindern schiebt. Klar ist es ungemütlich Tandem zu stillen, aber auch das geht.
Zwillingseltern können das. Die schaukeln das schon mit dem doppelten Glück.


Kerstin

Ich danke dir für deine Zeit  und wünsche dir wunderschöne, besinnliche Weihnachten mit deiner Familie und vor allem ein besseres und wundervolles Jahr 2018 J

Alles Liebe, Anne.