Freitag, 28. April 2017

Elternschaft nach dem Herzen Gottes - Fit fürs Leben (Rezension Teil III )

#bedürfnisorientiert #BeziehungstattErziehung #unerzogen
#Religion #Glaube #christlich

Fotografie: pixabay/ pexels


Im dritten Teil der Reihe befasst sich Johannes Hartl erneut mit Elternschaft und der Umsetzung dieser nach dem Herzen Gottes. Für ihn machen drei Faktoren diese spezielle Elternschaft aus: Liebe, Respekt und Konsequenz. Und bei dem Wort Konsequenz beginnt für mich die kritische Betrachtung des dritten Vortrags, der anders als die ersten zwei - weniger empathisch und beziehungsorientiert - ist.

Fast zu beginnt weist Johannes Hartl darauf hin, dass er alle Ausführungen auf Kinder ab dem 3. Geburtstag bezieht. Auch hier finde ich leider wieder eine starke Unterscheidung zwischen bedürfnis- und beziehungsorientierten Umgang mit Babys und Kleinkindern (was natürlich schon überaus schön ist) und älteren Kindern, welchen dann mit Erziehung und Konsequenz (meist ein schöneres Wort für Strafe) begegnet wird.

Aus diesem Grund werde ich anders als in den anderen Rezensionen den Inhalt mehr kommentieren und ersichtlich machen, welche Ansätze ich im Sinne von positiven, gewaltfreien Eltern-Kind-Beziehungen für sinnvoll halte und welche nicht. Nichtsdestotrotz bin ich froh über diese Interviews und Johannes Hartl als anders denkender Christ zum Thema "Erziehung" gestolpert zu sein. Ich denke, wie er schon im ersten Interview sagt, er ist kein Fachmann, sondern einfach ein Vater, der den Alltag kennt und viel gelesen hat und das finde ich sehr anerkennenswert.

Wie fast immer beginnt der Pastor auch diesmal mit Gott und seiner "Sicht auf Erziehung". Hartl sieht in Gottes biblischem Handeln, dass Gott uns liebt und uns respektvoll begegnen möchte, er uns aber auch Grenzen und Konsequenzen entgegenbringt. Gott habe uns unsere Kinder anvertraut, damit sie leben lernen und anhand von Konflikten und Schwierigkeiten "fit fürs Leben" werden.

Hartl erklärt das am Beispiel von Adam und Eva: Auch wenn Eva und dann Adam ebenfalls versucht ihre Schuld weiterzugeben (an Adam oder die Schlange) möchte Gott diesen Konflikt besprechen und aufzeigen, wo für ihn Grenzen liegen und was sich daraus ergibt - Verweis aus dem Paradies. Dieses Beispiel zeigt aus Hartls Sicht, dass wir Menschen dazu tendieren, die Schuld und Verantwortung an andere abzugeben. Kinder sollten daher Verantwortung lernen, um später in Beziehungen Verantwortung für die eigenen Anteile des Konflikts und eigene Probleme übernehmen zu können.

Im Alltag mit Kindern beschreibt Hartl das so, dass Eltern oft die Verantwortung für Aufgaben, Probleme und Entwicklungen von Kindern übernehmen und es aus seiner Sicht besser wäre, die Kinder zu ermutigen, dass sie es selbst schaffen können und zu klären, wessen Problem es gerade ist, also in welchen Verantwortungsbereich es fällt.

Als Beispiel beschreibt er eine Situation, in der ein Kind seinen Schulranzen im Bus liegen lässt, nach Hause kommt und die Eltern dann schimpfen. In diesem Moment des Aufregens würden aus seiner Sicht Eltern die gesamte Verantwortung für die Situation auf sich nehmen, anstatt sie bei dem Kind zu belassen. Sinnvoller sieht er es, das Kind zur Lösung der Situation zu befähigen und mit dem Kind gemeinsam zu überlegen, wie der Ranzen zurückkommt und wie das Kind nun die Schularbeiten erledigen kann. Die Verantwortung bleibt beim Kind, es behält die Wahlfreiheit darüber, was es tun und ob es sich helfen lassen will und auch der Respekt bleibt ihm erhalten. Bewältigt das Kind die Situation, ist es gewachsen. Und als Eltern ist es letztlich entlastend in der Verantwortung nur bei den eigenen Gefühlen und Reaktionen zu bleiben.

Johannes Hartl meint, dass Eltern aufpassen müssten, dass die Verantwortung beim Kind bleibt, da Kinder immer versuchen würden, die Verantwortung abzugeben. Darauf sollte man achten und auch schauen, dass man mitfühlend ist, aber das Kind nicht vor allem beschützt. Denn Handlungen haben Konsequenzen.

Prinzipiell stimme ich Hartl zu, dass es wichtig ist zu schauen, dass man Kindern für Verantwortung stark macht und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten nimmt, in dem man als Eltern alles übernimmt und sie somit handlungsunfähig für schwierige Situationen macht. Dennoch sehe ich die grundsätzliche Annahme, dass Kinder uns jede Verantwortung unterschieben wollen, als nicht richtig an. Denn Kinder haben ein inneres Streben  nach Entwicklung und Selbstständigkeit, auch in der Bewältigung von Konflikten und kniffligen Situationen. Gerade an diesem Punkt brauchen sie aber sehr wahrscheinlich unsere Unterstützung (die liebevoll, aber auch entwicklungsfördernd ist), um Bewältigungsstrategien zu erlernen und in neue Entwicklungsstufen hineinzuwachsen. Übrigens ist meiner Meinung nach ein besonders starkes Aufregen des Eltern bei bestimmten Situationen (wie Verlust des Schlüssels) keine Übernahme der Verantwortung, sondern oft auch eine erlernte Reaktion auf solche Situationen von den eigenen Eltern oder eben auch ein Triggerpunkt, der einen wach aufhorchen lassen sollte, warum genau diese Situation einen so heftig reagieren lässt.

An einem anderen Beispiel beschreibt der Pastor, was aus seiner Sicht bei unsozialem Verhalten von Kindern zu tun ist. Wenn Kinder schlagen, beleidigen oder andersweitig übergriffig werden, empfiehlt Hartl Kinder konsequent in die von ihm als "Denkecke" bezeichnete Stelle zum Nachdenken und Überlegen zu schicken und dem Kind zu vermitteln, dass es gerade gar nicht schön mit ihm war. Die Denkecke beschreibt er als wirksam, weil die Kinder nicht gern dort sind, es langweilig finden und erst raus dürfen, wenn sie über ihr Verhalten nachgedacht haben.

Auch wenn das Wort Denkecke vielleicht pädagogisch schön klingen mag, ist es leider nichts anderes als das Instrument "stille Treppe" oder "Time-out" und damit das breit diskutierte Isolieren von Kindern bei vermeintlichen Fehlverhalten. Davon halte ich und auch viele andere Fachleute, wie in diesem Artikeln zu lesen (http://www.happybabys-bindung.de/auszeiten/ und http://elternmorphose.de/wenn-du-das-tust-gehoerst-du-nicht-dazu-eine-botschaft-welche-an-grausamkeit-kaum-zu-ueberbieten-ist/), nichts.

Denn letztlich führt diese Art der Konsequenz, Strafe, Anweisung oder wie auch immer nur zur Ausgrenzung, Bewertung und Beschämung des Kindes. Das Kind verinnerlicht, dass sein Verhalten und es als Person nicht richtig ist und somit darüber nachdenken soll, bis es zu einem Schluss kommt, der den Eltern gefällt. Mit gleichwürdigem, verständnisvollem oder auf die Bedürfnisse des Kindes gerichtetem Umgang innerhalb der Familie hat das nichts zu tun.

Wie oben schon erwähnt ist dem Pastor das Vertrauen in die kindlichen Fähigkeiten sowie Mut, Tipps und Zutrauen zu vermitteln wichtig. In seinen Beispielen erklärt er, dass für ihn Vertrauen ins Kind bedeutet, Kindern auch konsequent zu zeigen, dass sie ihre Aufgaben ausführen können und sollen. So bekommt das Kind, welches trotz Absprache nicht den Tisch gedeckt hat, erst nach dem Decken des eigenen Geschirrs auch essen.

Dieses Beispiel zeigt für mich erneut die oben angesprochenen Kritikpunkte. Leider spricht Hartl im Vortrag immer wieder von Konsequenzen und angeblicher Wahlfreiheit der Kinder bei diesem Vorgehen an. Aber eben genau dies passiert nicht! Konsequenzen sind nicht beziehungsförderlich, sondern führen vielmehr zum Abbruch der Beziehung, wie er es im ersten Vortrag eigentlich folgerichtig erklärt hat und das gilt eben nicht nur für Kinder bis 3 Jahre. Kira Schlesinger von HappyBabys-Bindung.de erklärt das in einem Artikel auch nochmal ganz verständlich: http://www.happybabys-bindung.de/?s=konsequenzen. Kinder, die nach einem bestimmten Verhalten bestimmte Konsequenzen erfahren, erhalten aus ihren Augen (und aus meinen) eine Strafe und Kinder, welche wie von Hartl empfohlen nur zwischen zwei Möglichkeiten wählen dürfen, haben keine Wahlfreiheit. Für wirkliche Wahlfreiheit muss es mehr Möglichkeiten geben oder eben zumindest neue vorgeschlagen werden dürfen, wenn das Kind eine andere Idee hat. Das beinhaltet auch, dass sich das Kind überhaupt traut außerhalb des Rahmens dieser zwei angebotenen Alternativen (was ja per se nichts schlechtes ist) denken und darüber kommunizieren zu dürfen.
Wichtig für die Umsetzung der Konsequenz hält Hartl die Fähigkeit, dass Eltern fest stehen in sich und zu ihrem Wort und auch nicht nachgeben. Kinder spüren laut ihm, was man sagt und was man meint und wenn das nicht übereinstimme. Es sei wichtig, dass man als Eltern nicht sauer oder beleidigt wird, denn dann würde man Kindern die Macht geben. Viele Eltern können es auch nicht ertragen, dass Kinder auch mal traurig sind. Seiner Auffassung nach sollen Eltern beieinander Trost oder Anerkennung finden und nicht bei Kindern.

Ich denke, dass Eltern, auch im biblischen Sinne, ihre Kinder besser auf das Leben vorbereiten und sowieso auch eine bessere Beziehung und Atmosphäre innerhalb der Familie schaffen, wenn in der Familie Beziehungen auf Augenhöhe, mit Empathie und ohne Machtgefälle gelebt werden. Gerade Jesus als Symbol für den neuen Bund zwischen Mensch und Gott ist das Vorbild für Gleichwertigkeit, für Annahme, für Verständnis, für Verzeihen, für fehlende Macht und fehlende Verurteilung. Dementsprechend hat Jesus auch geholfen, verstanden, geredet und angepackt und nicht Konsequenzen verordnet. Spätestens ab dem neuen Bund/ neuen Testament ist Gott kein strafender, sondern er zeigt seine Liebe und dass er in Beziehung mit den Menschen sein will. Ein wunderbares Vorbild für uns als Eltern, die beziehungsorientierte Elternschaft im christlichen Kontext leben wollen.

Ein weiteres Thema, was Johannes Hartl wichtig ist, führt er relativ zum Schluss an: er empfindet die Gesellschaft in der Verwöhnungsfalle. Aus meiner Sicht sind wir das in Bezug auf übermäßigen Konsum, Verzehr und materiellem Beitz, aber bestimmt nicht an Liebe in der "Verwöhnungsfalle". Hartl meint, dass es besonders bei Einzelkindern gefährlich wäre keine Grenzen zu setzen und nur mit Lob auf die Kinder einzugehen. Gerade so würden viele Narzissten herangezogen. Menschen seien verwöhnt und würden gleichzeitig keine Verantwortung übernehmen wollen. Jeder Mensch sei verantwortlich für seine Taten und auch Gott nehme quer durch die Bibel hinweg Menschen und ihre Entscheidungen ernst. Er empfiehlt anderen Eltern sich nicht auf emotionale Manipulation einzulassen, selbst fest zu stehen und dem Kind klar zu kommunizieren, wer hier das Problem hat und dass das Kind es schafft zu bewältigen.

Auch ich finde es wichtig, Kindern Mut zuzusprechen und unser volles Vertrauen als Eltern zu zeigen, dass sie alles schaffen können, was sie erreichen wollen, dennoch sehe ich sowohl persönlich als auch wissenschaftlich keinen Beweis dafür, dass aus mit viel Liebe und Empathie (Verwöhnung) großgezogenen Kindern Narzissten werden. Viele Studien haben bislang gezeigt, was Empathie und Liebe alles bewirken und wie soziale Kompetenzen daraus erwachsen wird.

Hier ein paar Artikel zum Weiterlesen für dieses Thema:

Mit Emotionen umgehen - Warum Trost für unsere Kinder so wichtig ist

Wie entstehen Arschlochkinder und Tyrannen wirklich?

Forschung zeigt: Das macht Liebe mit dem Gehirn eines Kindes

Hört mit dem Erziehen auf! - 5 wissenschaftliche Beweise gegen Erziehung


Zusammenfassend zeigt der dritte Vortrag für mich wie schwer es vielen Eltern fällt, den bindungs- und beziehungsorientierte Start in der Baby- und vielleicht noch der Kleinkindzeit mit älteren Kindern fortzuführen. Denn genau an diesen Punkten zeigen sich hier Tipps und Ratschläge, die gut gemeint und eigentlich auf festen und liebevollen Idealen stehen, hinter denen aber dennoch Erziehung, Strafe, Zwang stehen.

An diesem Punkt sehe ich noch viel Handlungsbedarf und würde euch daher empfehlen, dieses Video der Vortragsreihe auszulassen oder aber als Anregung zu nutzen vielleicht unhinterfragte Erziehungsmethoden zu beleuchten und eigene Ansätze umzudenken.


Im letzten Teil geht es um Glaube mit Kindern im Alltag und wartet nächste Woche hier auf euch.

Eure Anne

PS: Wenn euch mein Artikel gefallen hat, dann freue ich mich über Liken und Teilen :)

Mittwoch, 12. April 2017

DIY-Osterideen: Last-Minute-Geschenke, Naschereien und gemeinsame Familienzeit

Fotografie: Kaboompics/ Karolina


Morgen ist Gründonnerstag und danach starten vier Feiertage, die wir alle, hoffentlich entspannt und zufrieden, mit unseren Lieben verbringen dürfen. Damit es auch so wird und ihr eventuelle Schweißtropfen auf eurer Stirn wegwischen könnt, habe ich euch ein paar Ideen für die Ostertage zusammengestellt, allen voran drei schnelle, umweltschonende und gemeinsam umzusetzende Oster-Bastelgeschenke:

Diese kleinen Sockenhasen finde ich total niedlich und Schere, Faden und Stifte hat wohl jeder zu Hause, von den einzelnen Socken mal ganz abgesehen ;) Mit Kindern zusammen hergestellt, empfinde ich das als wunderbares Geschenk für Großeltern und andere Familienangehörige:


Danach habe ich eine süße, österliche und sehr individuelle Bastelidee für euch: die Fußabdruck-Möhren-Parade nenne ich es mal. Zu finden auf einem niedlichen Blog mit Rezept- und Bastelideen. Ihr braucht dafür (Finger-)Farbe, Papier, Pinsel und Schere.


Und als letzte Idee eine simple wie geniale, wie ich finde: Klopapier-Anhänger. Damit könnt ihr mit euren Kids basteln und Geschenke beim gemeinsamen Einpacken verschönern oder die Anhänger direkt als Anhänger für Ostersträuche verschenken. Dafür braucht ihr Wasser, Klopapier, einen Eimer, einen Stabmixer, Plätzchenformen und (Trocken)Zeit (bis zu 48 Stunden).


Wofür an Feiertagen auch mehr Zeit bleibt, ist gemeinsam mit der ganzen Familie in der Küche Leckereien herzustellen. Dafür habe ich euch vegane und möglichste "gesunde", heißt aus natürlichen Zutaten hergestellte, Oster-Naschereien zusammengetragen. Drei Rezepte sahen für mich lecker aus und klangen umsetzbar.

Zuerst hier ein Link für euch zu super coolen Hasen-Popo-Keksen vom Berlin-Mitte-Mom-Blog. Perfekt als gesündere Variante am Kaffeetisch, wenn Besuch kommt.


Genauso perfekt an der Kaffeetafel: die Erdbeer-Whoppies. Schon vom Ansehen läuft mir das Wasser im Mund zusammen ;)


Als drittes Rezept, ebenfalls von veganblatt.com, möchte ich euch die rohveganen kleinen Ostereier empfehlen, welche ich eigentlich auch in die Geschenkrubrik mit hätte aufnehmen können.


Und nun noch ein paar Ideen für eure gemeinsame Familienzeit 

Klar kann man immer schöne Ausflüge machen (obwohl das bei dem angesagten Wetter etwas fraglich ist), aber ich finde im Alltag der meisten Familien gibt es schon viele Termine und Hin- und Hergefahre, zudem stehen an Ostern ohnehin meist Familienbesuche an, also warum nicht die restliche Zeit ganz gemütlich zu Hause angehen, Gemeinschaft genießen und so schöne Erinnerungen schaffen?

Doch was können wir als Familie zu Hause machen? Alle Spiele und Spielzeuge werden doch regelmäßig bespielt? Auf der Seite von kinderspiele-welt.de gibt es eine schöne Zusammenstellung von Osterspielen. Warum also nicht einen Vormittag wie beim Kindergeburtstag mit verschiedenen aktiven Spielen verbringen? Unter diesem Link findet ihr mehrere Ideen dafür:


Besonders schön finde ich die Zick-Zack-Mitmachgeschichte (http://www.kinderspiele-welt.de/spiele-fur-drinnen/zick-zack-mitmachgeschichte.html), da gibt es bestimmt den ein oder anderen Lacher.

Für die kleineren Kinder gibt es auch eine Sammlung an Oster-Fingerspielen (http://www.kinderspiele-welt.de/ostern/osterfingerspiele.html), wie zum Beispiel dieses kleine Gedicht hier:

Fünf Männlein sind in den Wald gegangen
Fünf Männlein sind in den Wald gegangen, die wollten einen Hasen fangen.
Der erste der war dick wie ein Faß und brummte immer: „Wo ist der Has‘?“
Der zweite, der schrie: „Da! Da sitzt er ja!“
Der dritter, der längste, der war auch der bängste. Der fing gleich an zu weinen: „Ich sehe keinen, ich sehe keinen.“
Der vierte sprach: „Das ist mir zu dumm, ich kehr wieder um!“
Der kleinste aber, wer hätt’s gedacht, der hat den Hasen nach Hause gebracht.
Da haben alle Leute gelacht: „Ha-ha-ha, ha-ha-ha!“

(Verfasser nicht bekannt)


Zu Weihnachten ist es gang und gäbe Lieder zu singen: Warum also nicht auch mal zu Ostern? Kinder musizieren unheimlich gern und Youtube bietet sowieso eine riesige Auswahl an Kinderliedern an. Für Osterlieder habe ich eine seeehr lange Liste bei liederkiste.com gefunden. Dort gibt es Noten, Texte und auch kurze Tondateien, um sich in das Lied einhören zu können.


Zum Schluss noch zwei kleine, niedliche und kurze Videos. Wer also einfach mal auf der Couch ein paar Minuten entspannen und nicht aktiv sein möchte, kann diese zwei genießen:




(hier müsst ihr die Werbung einfach ignorieren ;) )

Mit diesen Ideen wünsche ich euch schöne Ostern und vor allem eine qualitativ schöne Zeit zusammen!

Habt ihr noch weitere Ideen für mich? Welche Basteleien oder Rezepte mögt ihr?

Eure Anne


PS: Wenn euch mein Artikel gefallen hat, freue ich mich über Liken und Teilen.

Donnerstag, 6. April 2017

Mit Emotionen umgehen – Warum Trost für unsere Kinder so wichtig ist

#Emotionsregulation #trösten #einfühlsam #bedürfnisorientiert

Fotografie: pixabay/ pexels



Bei fast jedem Spielplatzbesuch beobachte ich wie Eltern auf ihre traurigen oder weinenden Kinder mit Durchhalteparolen oder Ablenkungen reagieren und auf diese Weise versuchen sie dazu anzuregen, weiterzuspielen und ihren Emotionen keine Beachtung zu schenken. Jedes Mal denke ich: „Bitte nehmt euer Kind auf den Arm oder hört ihm kurz zu.“ Warum ich das denke und warum die Fähigkeit des Trostspendens für unsere Kinder so wichtig ist, möchte ich in diesem Text erklären.

Was ist Trost überhaupt?

Bei Wikipedia und im Duden wird Trost als etwas beschrieben, was jemand einem Anderen schenkt, wenn der Andere traurig ist, weil er körperlich oder seelisch verletzt wurde. Es ist ein Vorgang zwischen (meist zwei) Menschen und zeigt sich in Gestik, Mimik und Sprache. Dabei hat Trost zum Ziel, den Traurigen in seinem Schmerz zu helfen und sein Leid zu lindern.

Unter Erwachsenen ist es in der Regel ein ganz natürliches Verhalten einen Anderen zu trösten. Also wenn jemand weint, ein Taschentuch zu reichen, ein nettes Wort zu sagen oder einfach auch denjenigen zu umarmen.


Warum ist es so verbreitet Kinder nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie Erwachsenen Trost entgegenzubringen?

Diese Frage beschäftigt mich sehr und nach allem, was ich bisher gelesen habe, sehe ich einen großen Zusammenhang zwischen der Geschichte der Erziehung in Deutschland und dem Erziehungsverhalten der Eltern bis heute.

In der Zeit des NS-Regimes und auch noch danach gab es ein Buch, was sehr populär war: „Die Mutter und ihr erstes Kind“ von Johanna Haarer, welches den natürlichen, artgerechten, intuitiven Umgang mit Babys und Kindern sehr stark beschnitt, Verwöhnen zum Schimpfwort und die Erziehung in Deutschland wesentlich „härter“ machte.

Wenn ihr möchtet, könnt ihr hier mehr dazu erfahren:

        


Da Erziehung in der Regel von Generation zu Generation weitergegeben wird und auch wenn wir unsere Kinder längst nicht mehr nach den Maximen dieses Buches aufwachsen lassen, hat es doch in den meisten Köpfen eine gewisse Angst vor Verweichlichung und zu viel Entgegenkommen geschürt. Diese Angst findet sich auch in neueren Buchtiteln wie: „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ wieder.

Obwohl gerade im Babyalter, aufgrund von Studien und harter Arbeit vieler bedürfnisorientierter Vertreter, inzwischen Nicht-Schreien-Lassen, Stillen, Tragen und liebevolles Eingehen auf die Signale des Babys fast normal geworden sind, wechselt der Elternmodus um den 1. Geburtstag herum oftmals prompt in Richtung Erziehung. Dennoch benötigen auch Kleinkinder sowie ältere Kinder Beziehung, Verständnis und in Bezug auf mein heutiges Thema: Trost.


Warum ist Trost für unsere Kinder so wichtig?

1) Kinder entwickeln mit Hilfe von Trost emotionale Kompetenz

Der Erwerb von emotionaler Kompetenz wird als wichtige Entwicklungsaufgabe betrachtet. Dazu benötigen Kinder primäre Bezugspersonen (z.B. Eltern), welche ebenfalls emotionale Kompetenzen besitzen, um diese zu erlernen. Dies ist also ein eindeutiges Lernfeld zwischen Eltern und Kindern. Indem Eltern bei negativem Stress liebevoll und bestärkend auf das Kind eingehen, können sie vermitteln, wie es mit negativen Emotionen umgehen kann. Kinder erwerben auf diese Weise verschiedene Strategien, also emotionale Kompetenz, für den Umgang mit herausfordernden Emotionen.

2) Für den Umgang mit Emotionen (Emotionsregulation) erlernen Kinder nach dem Vorbild der Eltern Bewältigungsstrategien

Diese emotionale Kompetenz und Emotionsregulation lernen Kinder in Phasen. Während Babys noch die vollständige Co-Regulation (z.B. durch Trösten) der Eltern benötigen, entwickeln Kleinkinder dann in ersten kleinen Situationen Selbstregulation; auch wenn sie weiterhin hauptsächlich auf das Eingehen der engsten Bezugspersonen angewiesen sind. Bis zum Grundschulalter baut sich diese Fähigkeit immer weiter aus und um das 6. Lebensjahr herum verfügen Kinder dann meist über verschiedene Strategien, Kummer und Sorgen ohne Hilfe von außen bewältigen zu können. Natürlich heißt dies nicht, dass uns Kinder dann nicht weiterhin beim Erlernen im Umgang mit Emotionen und Trost brauchen würden.

Je vielfältiger und kompetenter die emotionale Kompetenz der Eltern ist und je besser sie auf ihre Kinder an dieser Stelle eingehen können, desto besser werden Kinder Selbstregulation erlernen. Eltern und andere Bezugspersonen sind hier der Maßstab für Entwicklungsmöglichkeiten und das Erlernen von Strategien.

Bieten Eltern eher destruktive Lösungsansätze wie Vermeidung, Leugnung oder Ablenkung an, übernehmen Kinder diese. In Untersuchungen hat man herausgefunden, dass dies erst einmal zu einer schnellen Erleichterung führt, aber langfristig keine erfolgreiche Bewältigungsstrategie, also keinen langfristigen positiven Effekt im Umgang mit Emotionen habe. Fürchtet sich ein Kind beispielsweise vor einem entgegenkommenden Hund und die Eltern entscheiden sich für die Strategie der Vermeidung, indem sie die Straßenseite wechseln, ist die Angst möglicherweise recht schnell verschwunden, aber die Ursache oder der langfristige Umgang mit der Angst vor großen Hunden nicht sinnvoll bearbeitet. Würden die Eltern das Kind nun an die Hand nehmen, die Situation erklären und in den Gefühlen begleiten, während der Hund vorbeiläuft, lernt das Kind verschiedene Strategien kennen und hat zusätzlich ein positives Ergebnis, dass der Hund ihm nichts getan hat.

Echter Trost, anbieten von Bewältigungsalternativen sowie Sprechen über die Situation helfen dem Kind einen wirklich konstruktiven Umgang mit Emotionen und Gefühlen mit Hilfe der Eltern und anderer Bezugspersonen zu erlernen, der seinen eigenen Umgang nachhaltig bis ins Erwachsenenleben prägen wird.

3) Trost trägt dazu bei, dass Kinder sich gesund entwickeln und lernen können

Bei der Geburt eines Kindes ist das Gehirn noch nicht fertig entwickelt. Daher benötigen Babys und Kinder Unterstützung von Erwachsenen, wenn Gefühlsstürme ihr Nervensystem durcheinanderwirbeln. Bis zum 4. Geburtstag ist bei Kindern überwiegend der emotionale Teil des Gehirns (welcher schnell aus dem Gleichgewicht geraten kann) und weniger der kognitive, vernünftige Teil des Gehirns aktiv.

So werden bei Stressreaktionen hohe Mengen Adrenalin, welches hohe Herzfrequenz, erhöhten Blutdruck, schnelle Atmung, Muskelanspannung und Schweiß auslöst, ausgeschüttet. Das Baby oder Kind ist mit dieser Menge an Reaktionen, seelisch als auch körperlich, überfordert und kann diese nicht selbst regulieren. Erst das Beruhigen durch die Eltern und andere Bezugspersonen fährt das System herunter bzw. bringt es zum Stoppen.

Evolutionär war diese intensive Stressreaktion (z.B. Weinen) wichtig, damit Babys und Kinder nicht aus Versehen allein im Wald zurückgelassen wurden - wie ein lautes Alarmsystem eben. In unserer sehr viel sichereren Welt ist es vielen Eltern aber oft unangenehm und wird von uns meist nicht mehr als ganz so nützlich betrachtet. Trotzdem ist es ein wichtiges Reaktionsmuster von Kindern, um zu lernen mit diesen umzugehen.

Trost ist außerdem nötig, da der ausgelöste Stress auch zu Stress im Gehirn führt und besonders bei lang anhaltendem Kummer (z.B. langem Weinen) schädlich für das Nervensystem werden kann. Dieses kann sich dann nicht mehr ungehindert entwickeln und lernen. Ähnlich als würden unsere Kinder in einer Chemiefabrik spielen, in der die Dämpfe eine gesunde Entwicklung behindern. Wie auch der bekannte Gehirnforscher Gerald Hüther betont, braucht das kindliche Gehirn vor allem Liebe und eine förderliche Umgebung, um sich positiv zu entwickeln und gut lernen zu können.

Ist das Gehirn öfter solchem längeren Stress ausgesetzt, entwickeln Kinder oftmals ein sehr überempfindliches Stressreaktionssystem und sind laut Studien anfälliger für Depressionen, Angststörungen, psychosomatische Erkrankungen und Alkoholmissbrauch. Gehirnsscans zeigten, dass dann sogar Teile des Gehirns, welche für das Langzeitgedächtnis von Bedeutung sind, schrumpfen.

4) Aufgrund des Erlernens von emotionaler Kompetenz bleiben Kinder auch noch als Erwachsene psychisch gesund

In mehreren Untersuchungen konnte ein Zusammenhang zwischen einem kompetenten Umgang mit Emotionen und psychischer Gesundheit festgestellt werden. Bei fast allen psychischen Störungen wurden fehlende oder nicht erfolgreiche Strategien der Emotionsregulation beobachtet. Und diese erlernt man eben, wie oben erwähnt, von kompetenten Bezugspersonen.

Zudem ist mittlerweile bekannt, dass Stress krank machen kann und auch eine falsche Bewältigungsstrategie bei Kummer und Sorgen, in Form von Verdrängung oder Abspaltung krank machen kann. Letzteres passiert häufig als Folge von fehlendem, angemessenem Trost auf Traurigkeit oder Weinen eines Kindes. Das Kind lernt dann, dass seine Gefühle nicht wichtig und auch das Ausdrücken der Gefühle nicht wichtig ist. Wenn Kinder es nicht gelernt haben adäquat mit ihren Gefühlen umzugehen, sie zu bewältigen (zu regulieren) und einzuordnen, dann können sie ihre Gefühle und Emotionen meist auch nicht im späteren Erwachsenenalter steuern, was sowohl persönlich als auch für soziale Kontakte nicht ohne Folgen bleibt. Emotionale Kompetenz ist die Basis für eine gesunde Beziehungspflege zu sich selbst und zu anderen.


Wie kann ich als Elternteil empathisch trösten?

Als Erstes ist es wichtig, Kinder in ihrem Gefühl (besonders bei Traurigkeit und Ängsten) ernst zu nehmen und sich auf die Gefühls- und Erlebenswelt des Kindes einzulassen. Das soll heißen, dass unsere Reaktion als Eltern unabhängig davon sein sollte, wie „schlimm“ die Ursache des Gefühls aus unserer Sicht ist. Wenn ein Kind (insbesondere bis 4 Jahre) weint, ängstlich ist oder anderweitig Gefühle zeigt, ist dies kein „Schauspielern“ oder Kalkül, sondern echte, erlebte Emotion.

Natürlich muss an dieser Stelle auch keine Situation unnötig dramatisiert oder psychologisiert werden. Einfühlsames und sachbezogenes Sprechen durch Beschreibung der Situation mit eigenen Worten sowie Benennen und Erklären von Gefühlen helfen schon kleinsten Kindern ihre Gefühle einzuordnen und sich zu beruhigen. Gefühle und Emotionen dürfen zugelassen werden und müssen nicht weggeredet werden.

Besonders körperliche Nähe wie Umarmen, Hochnehmen, Streicheln helfen Kindern in aufgebrachten Situationen enorm. Die Körpernähe und die damit ausgeschütteten Hormone und Botenstoffe beruhigen das Nervensystem des Kindes rasch und wirken sich positiv auf das Trösten aus. Durch die körperliche Wärme wird im Gehirn Oxytocin ausgeschüttet, welches wiederum im Körper Wohlbefinden erzeugt. 

Die Nähe kann man dann auch wunderbar mit einem Lied, einem Spruch oder einem Ritual (z.B.: Pusten) verbinden. Besonders Babys und Kleinkinder lassen sich von rhythmischen Bewegungen, Geräuschen und Lieblingskuscheltieren noch gut beruhigen.


Zusammenfassung

Trost und einfühlsames Verhalten von Eltern, also bedürfnisorientiertes Aufwachsen, sind kein Trend, sondern entwicklungspsychologisch sinnvoll. Viele Untersuchungen bestätigen den ersten Impuls den Eltern oft haben: nämlich auf ihre Babys und Kinder mitfühlend einzugehen. Damit verhindern sie, dass Sorgen und Ängste das kindliche Nervensystem schädigen und sich eventuelle Auffälligkeiten, fehlende Bewältigungsstrategien oder gar psychische Erkrankungen daraus entwickeln.

Je kleiner Kinder sind, desto mehr Co-Regulation, also Unterstützung, durch die Eltern, werden benötigt und auch insgesamt bilden Eltern und andere nahe Bezugspersonen den Maßstab für das Erlernen emotionaler Kompetenz. Solange Kinder gezielt die Unterstützung und den Trost bei Eltern und anderen suchen, ist es für Kinder auch wichtig, in ihrer emotionalen Entwicklung unterstützt zu werden.

Trösten kann auf verschiedene Art und Weisen passieren. Körperliche Nähe hilft Kinder besonders sowie das Erklären der vorhandenen Gefühle.


Wie macht ihr das mit dem Trösten? Was hilft euren Kindern, was mögen sie besonders beim Getröstet-werden?


Eure Anne



Quellenangaben:

Oerter, Montada: Entwicklungspsychologie. 5. Auflage, Beltz Verlag.