Donnerstag, 13. Oktober 2016

Wie mir mein Glaube dabei hilft im Alltag bedürfnis- und beziehungsorientiert zu handeln

Fotografie: Susan Steffens

Im letzten Artikel habe ich über Selbstreflexion als Grundlage für einen liebevollen und gleichwertigen Umgang in der Familie geschrieben. In dem Moment in dem ich mich selbst wertschätze und mich auf den Weg mache zu wachsen, sehe ich den Unterschied zwischen den eigenen Gefühlen und der Erlebenswelt meines Kindes. Das macht mich emphatisch. Doch wie schaffe ich es all die herausfordernden und oft schwierigen Momente in der kindlichen Autonomiephase als Eltern zu meistern? Hier können uns verschiedene Strategien helfen und meine möchte ich euch im nächsten Artikel gern ausführlicher vorstellen. Doch zuerst möchte ich euch gern hier erzählen, warum mir mein Glaube hilft bedürfnisorientiert zu handeln.

Natürlich lässt sich Glaube nicht so leicht erklären, doch nehme ich an das fast jeder von euch eine Vorstellung von Glauben hat und das auch die meisten etwas haben, an das sie glauben - so unterschiedlich das auch sein mag. Genau dieser Glaube (bei mir der christliche Glaube an Gott) kann uns als Eltern helfen, uns stützen und uns Ruhe geben. Denn eines hat meiner Meinung nach jeder positive Glaube gemein: er ist entlastend. Glaube kann etwas sein, was uns die Welt erklärt, was uns Werte gibt, was uns Gemeinschaft schenkt oder etwas „Höheres“ was für uns im Alltag wie ein Leuchtturm strahlt (und natürlich vieles, vieles mehr). Mir hilft es vor allem zu wissen, dass ich mich auf Gott verlassen kann, an ihn meine Sorgen abgeben kann und immerfort von ihm mit Liebe gefüllt werde. Dieses Empfinden macht es für mich leichter Vertrauen in mein Kind zu haben, Liebe auch an sehr anstrengenden Tagen zu geben und Ruhe in schwierigen Momenten zu behalten.

Besonders in meiner Ruhe und in meiner Achtsamkeit zu bleiben verdanke ich dem Gottvertrauen, welches ich seit ich Mutter bin gelernt habe. Gerade in der Babyzeit war ich oft mit Situationen konfrontiert, welche mich auf den ersten Blick überfordern konnten. Genau da musste ich lernen ruhig zu bleiben, Prioritäten zu setzen und Dinge anzunehmen. Es lief häufig anders als geplant, aber meistens hat doch alles seinen Sinn gehabt. Ich habe dann oft gebetet oder einfach zu Gott gesagt: Ich vertraue dir, dass du einen Plan hast. Und den hatte er! Das hat mich wirklich Vertrauen in ihn gelehrt.

Ich nehme an, dass wir als Eltern alle diese Situationen kennen, nicht zu wissen, ob man pünktlich sein wird, ob das Kind nun endlich ins Auto steigt, ob es schläft oder auch bitte gerade noch nicht im Auto sondern erst zu Hause oder ob es den Magen-Darm-Infekt gut übersteht. Auf viele Frage haben wir keine Antwort und genau da beruhigt es mich zu wissen, dass Gott die Antworten kennt, dass er einen Plan hat und für mich und mein Kind das Beste will. Bin ich also wieder einmal an einem Punkt, an dem ich nicht weiterkomme, dann kann ich das ruhigen Gewissen an ihn abgeben. Durch dieses Vertrauen erhalte ich sehr viel Kraft und Ruhe und das erstaunt mich jedes Mal aufs Neue.

Dieses Vertrauen ist dabei unmittelbar mit Loslassen gekoppelt. Ich kann nur wirklich vertrauen, in dem ich die Sorgen auch wirklich abgebe, wirklich loslasse. Ein bedingungsloses Vertrauen sozusagen. Wunderbarerweise kann ich dadurch meinem Herzmädchen auch viel besser bedingungsloses Vertrauen entgegenbringen, denn im Loslassen und Vertrauen bin ich geübt. Ich bin überzeugt, dass Kinder genau das brauchen: unser Vertrauen, in sie als Person und in all ihre Fähigkeiten. Auf diese Weise kann ich Gottes Geschenk an mich, dem ich nur bedingungslos vertrauen kann, weil er mir bedingungslos vertraut, an mein Kind weitergeben.

Ebenso und noch viel mächtiger ist die bedingungslose Liebe, die Gott schenkt. Sie füllt mich immer wieder auf. Gerade in den Momenten, in denen mein Herzmädchen ihren Unmut über uns äußert, sie vielleicht haut oder schubst, ist meine Herausforderung groß, empathisch und verständnisvoll für sie zu bleiben. Genauso beim Weinen, wenn ich keinen ersichtlichen Grund für diesen Gefühlsausbruch erkenne, merke ich oft den Drang, das beenden zu wollen. Ein Gebet oder ein Moment mit Gott hilft mir, ruhig zu bleiben, Nähe und Liebe zu schenken und abzuwarten. Genau das braucht sie dann auch, jemanden der da ist, der nicht bewertet und alles mit aushält. Auf diese Weise lernt sie ihre Gefühle anzunehmen und sie „auszuhalten“. Kinder brauchen jemanden, der sie bedingungslos liebt und das auch zeigen kann, besonders an Tagen oder in Momenten, in denen es nicht nur Glück gibt.

Ich bin gespannt ob es einigen von euch auch so geht und welche Erfahrungen ihr mit Glaube und der Beziehung zu euren Kindern gemacht habt! Ich kann an diesem Punkt „nur“ von meinen Erfahrungen berichten, habe also keine Fachliteratur auf die ich mich stütze und ich bin ehrlich auch etwas aufgeregt, denn über den eigenen Glauben zu schreiben und sei es auch wie hier nur über einen Teil davon, ist sehr persönlich und neu für mich. Ich freue mich also über eure Gedanken dazu!

Eure Anne


PS: Wenn euch mein Artikel gefallen hat, freue ich mich über ein Like :)

Kommentare:

  1. Hallo ihr zwei,
    ich fand euren Blogpost total schön beschrieben, sodass ich ihn in meiner Gruppe geteilt habe. Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg mit eurer Seite.

    Ganz liebe Grüße

    Hanna

    von starke Eltern=starke Kinder.

    http://bit.ly/2dYWseg

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    1. Liebe Hannah,

      vielen Dank, da freuen wir uns sehr :)

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende, Anne.

      (Entschuldige die späte Antwort, das hatte technische Gründe)

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