Sonntag, 19. März 2017

Tipps für eine entspanntere Eingewöhnungszeit – Artikelreihe: Babyzeit und nun? Kindergarten, Selbstbetreuung und andere Lösungen

Fotografie: Ivanko Brnjakovic




Kindergarten und Eingewöhnung  - ein Thema das alle Eltern sehr beschäftigt, sei es in Bezug auf Ablauf, individuelle Umsetzung (z.B. Stillen) oder auch die Frage, ob außerfamiliäre Betreuung überhaupt sein muss. 

Ich möchte euch in diesem Artikel ein paar einfache und praktisch umzusetzende Tipps für die Eingewöhnungszeit an die Hand geben und mit diesem Thema meine neue Artikelreihe: "Babyzeit und nun? Kindergarten, Selbstbetreuung und andere Lösungen" starten. Ich habe schon lange versprochen zur Eingewöhnung zu schreiben und beginne daher mit diesem Thema.

Im Vorfeld unseres eigenen Starts in die Welt des Kindergartens habe ich versucht Informationen zum Thema Eingewöhnung und insbesondere zur kindgerechten Eingewöhnung zu lesen. Dabei bin ich über einige wenige, aber gute Artikel gestoßen. Hier wird erklärt, wozu eine Eingewöhnung nötig ist und wie dies im besten Falle bedürfnisorientiert ablaufen kann. 

Zusammenfassend empfinde ich folgende Fakten als besonders wichtig:

- das Kind muss sich nicht an den Kindergarten gewöhnen, sondern muss eine Bindung zur/m Erzieher/in aufbauen

- dafür ist es wichtig, dass die Eltern eingewöhnt werden

- denn nur wenn die Eltern die Erzieher akzeptieren, ihnen vertrauen und eine Bindung zu ihnen aufbauen, werden das auch die Kinder tun

- Eingewöhnung kann individuell und an den Bedürfnissen des Kindes (ohne Weinen) ablaufen

Zum Lesen empfehle ich euch diese Artikel zur Eingewöhnung:


und für Eingewöhnung sowie weitere Fragestellungen zur Kindergartenthematik diesen, wie immer sehr ausführlichen J, vom gewünschtesten Wunschkind


Angenommen du bist als Mama oder Papa mit der Wahl des Kindergartens, mit deinem Bauchgefühl dazu, mit dem Vertrauen zu den ErzieherInnen, deiner Entscheidung für außerfamiliäre Betreuung zufrieden und du freust dich - neben der Traurigkeit darüber, dass diese innige einmalige Zeit mit deinem Kind zu Ende geht -auf Arbeit, Durchatmen oder einfach mal in Ruhe aufessen können, dann sind diese Tipps für dich gedacht. Wenn nicht, schau mal ganz unten.*


Tipp 1: Reden

Sowohl in der Phase vor dem Start des Kindergartens als auch während der Eingewöhnung habe ich gemerkt, wie wichtig tägliches Reden ist. Die Vorbereitung (also den Kindergarten besuchen, Feste mitfeiern, Erzieher kennen lernen, vorbeispazieren) erklärend zu begleiten sowie jeden einzelnen Tag der Eingewöhnung.

Für dein Kind ist Eingewöhnung wie für uns auf einem anderen Planeten gelandet zu sein: wir wissen nichts und brauchen Hilfe, das ist zum Einen spannend und zum Anderen sehr anstrengend – also bitte häppchenweise. Am Morgen des ersten Tages erklären wohin es geht, wie der Ablauf sein wird, wer und was dort alles ist und warum zum Beispiel das Kuscheltier oder Ersatzwindeln mitgenommen werden.

Nach der Zeit im Kindergarten ist es wichtig im Tagesverlauf ein- bis zweimal im Gespräch das Thema aufzugreifen, erneut zu erklären und auch darüber zu sprechen, was am nächsten Tag passieren wird. Ich habe bemerkt, wenn ich das einmal weggelassen bzw. vergessen habe, wie viel „schlechter“ oder eben unvorbereiteter der nächste Tag für das Herzmädchen war. Jedes Gespräch und jede Erklärung hat ihr sichtlich Halt und Orientierung in diesem neuen Abschnitt gegeben.


Tipp 2: Bücher

Passend zum Tipp 1, hier der Tipp, Bücher vorzulesen. Ich bin leider erst nach einer Woche, also schon während der Eingewöhnung auf die Idee gekommen, aber es ist so simpel. Wir lesen zu Hause sehr viel vor und gerade in dem jungen Alter begeistern sich Kinder meist für Bücher und für das Vorlesen durch die Eltern. Warum also nicht diese Möglichkeit nutzen?

Zwei Bücher haben uns sehr geholfen und besonders ab dem Lesen des ersten Buchs habe ich einen richtigen Sprung bei dem Herzmädchen in der Eingewöhnung bemerkt. Das Vorlesen half ihr zu verstehen sowie sich mit den Abläufen im Kindergarten also auch der Eingewöhnung vertraut zu machen.

Das erste Buch was wir gelesen haben, war Endlich im Kindergarten von Nina Dulleck und es zeigt Oles ersten Kindergartentag. Ole kommt mit seiner Mama und Baby-Schwester im Kindergarten an, er lernt seine Erzieherin, die Räume und auch schon einen ersten Freund kennen. Dann geht Mama kurz einkaufen, Ole spielt und wird dann traurig. Aber seine Erzieherin ist ganz für ihn da und am Fenster sehen sie Mama zurückkommen.

Ich finde es schön illustriert und sehr passend von den Zeichnungen, der Sprache und der Länge. Besonders in der Eingewöhnungszeit sollte ich es dem Herzmädchen teilweise bis zu 8mal hintereinander vorlesen.

Das zweite Buch ist, welches gut ankam, war: Der kleine weiße Fisch ist glücklich von Guido van Genechten. Es ist keine explizite Kindergartensituation, aber es zeigt wie der kleine Fisch von seiner Mama abgeholt wird und sich nach und nach von seinen Freunden verabschiedet und dann mit Mama nach Hause schwimmt. Und das war genau der Punkt, der für das Herzmädchen (und auch anderen kleinen Kinder) von großer Bedeutung im Lernprozess war: zu Erkennen, dass Mama verlässlich wiederkommt. Die Einfachheit des Buches hat mich überzeugt, auch dieses Buch wurde hier unzählige Male vorgelesen. 

Ich kann also nur empfehlen, ganz viel vorzulesen und zwar auch schon bevor die Eingewöhnung startet und anhand der Bücher zu erklären, was es bedeutet in den Kindergarten zu gehen.


Tipp 3: Kommunikation mit den Erziehern

Genauso wie mit dem Kind im Gespräch über die Eingewöhnung zu bleiben, ist es wichtig, dass auch mit den Erziehern zu tun. Damit ist es zum Einen möglich eine Einschätzung von deren Seite zu erfahren und persönliche Wünsche und Fragen einzubringen sowie  im Prozess der Eingewöhnung, also des Sich-Täglich-Sehens, herauszufinden, welche Prioritäten und Einstellungen die Erzieher haben, und abzugleichen, ob diese zur eigenen Familie passen.

Wichtig ist in der gesamten Kommunikation wertschätzend zu bleiben und ihnen zu danken, auch wenn mal nicht alles nach Plan lief. Jeder möchte in seiner Arbeit gesehen werden, auch wir Erwachsenen, ein positives Feedback schafft eine angenehme Atmosphäre und erzeugt zeitgleich eine Offenheit der anderen für die unsere Anliegen als Eltern und gegenüber unserem Kind.

Besonders am Anfang (aber auch später) würde ich es vermeiden, den Erziehern ihren Job zu erklären. Natürlich darf man Impulse einbringen oder Fragen stellen oder die eigene Herangehensweise erklären, sollte das aber auf Unverständnis oder unerwartete Haltungen stoßen, bringt es nichts, nun zu versuchen die Erzieher mit Buchempfehlungen und ausgedruckten Artikel umerziehen zu wollen. 

Ich finde an dieser Stelle gibt es zwei Möglichkeiten: entweder sich aktiv einbringen, mit allen im Gespräch bleiben, Elternarbeit machen, also in einen längeren Prozess gehen und bereit dazu zu sein, beim eigenen Kind ein paar Abstriche zu machen oder freundlich aber bestimmt zu erkennen, dass dies für die eigene Familie/ für das eigene Kind nicht der richtige Platz ist.

Warum ich das so denke? Weil es bewiesenermaßen so ist, dass man mit Umerziehung und Belehrung bei anderen Menschen eine Gegenwehr auslöst und der andere sich nur schwer bis gar nicht (einfach aus einem Schutzinstinkt heraus) dazu in der Lage ist, sich für den neuen Input zu öffnen, unabhängig davon, ob er ihn nun gut finden würde. Und letztlich bedeutet das in der Praxis, dass man höchstwahrscheinlich bei den Erziehern bald unter dem Label „schwierige Eltern“ läuft und kurze Zeit später unter „mit schwierigem Kind“. Vielleicht ist es als Mama oder Papa unwichtig, ob die Erzieher einen für schwierig halten, aber für das Kind sehe ich große Probleme darin. Nämlich das Problem so früh schon stigmatisiert und beurteilt zu werden und damit in einen typischen Kreislauf (Zuschreibung – Erfüllung der Zuschreibung) zu geraten.


Tipp 4: Geborgenheit schaffen

Dieser Punkt ist natürlich für die Eingewöhnung insgesamt wichtig und gleichzeitig ein Ziel. Denn das Kind soll von der Geborgenheit des Elternhauses und seiner Bindung dort, nun möglichst neue Bindungen aufbauen, also seinen Lebenskreis erweitern und sich auch dort geborgen fühlen (alles natürlich im Rahmen des machbaren und ja, die Studien zum Stresspegel bei Kindern in Kindergärten sind bekannt).

Eine wunderbare Möglichkeit Geborgenheit zu schaffen liegt unabhängig von dem Körperkontakt in Form von Tragen und Trösten durch die Erzieher im Benutzen eines Spiel-Tragetuchs. 

Das Herzmädchen fand es immer wunderbar ihren heißgeliebten Teddy oder auch andere Plüschtiere in einem Spielzeugtragetuch vor den Bauch gebunden mit sich herumzutragen. Im Laufe der Zeit habe ich bemerkt, wie sehr es ihr den Übergang von mir in die Kindergruppe erleichtert hat, wenn sie ihren Teddy eng an ihren Körper gebunden mit sich trug. Ich vermute, dass es bei ihr das Gefühl des Getragen-Seins ein Stück weit widerspiegelte und ihr so Sicherheit und Geborgenheit gab. Außerdem war der Teddy bei allem dabei und so war sie nicht „allein“. An Tagen, an denen der Abschied schwerer fiel, hat sie den Vorschlag den Teddy in die Trage zu nehmen oft dankend angenommen und ging dann fröhlich los in den Kindergartentag.


Tipp 5: Gleicher Ablauf

Routine ist sehr wichtig. Nicht nur generell lieben Kinder gleiche Abläufe und Wiederholungen, nein besonders in Zeiten in denen sich viel ändert oder in Bewegung ist, hilft es Ihnen sehr. 

Daher habe ich in der Eingewöhnungszeit sehr darauf geachtet unsere Morgenroutine recht penibel gleich zu halten, es sei denn das Herzmädchen wollte es anders. Wir haben immer den gleichen Weg mit dem Fahrrad genommen, sind immer in den gleichen Eingang zum Kindergarten rein, wir haben uns immer erst den Essensplan angeschaut, dann Schuhe ausgezogen, dann Karte abgeholt und nicht mal so und so.

Besonders im ersten Monat konnte ich gut beobachten, wie hilfreich ein fester Ablauf für das Herzmädchen war oder wie es ihr Gleichgewicht auch aus der Bahn bringen konnte.


Tipp 6: Entscheidungsfreiheit lassen

Die Entscheidung, ob das Kind einen Kindergarten besucht oder nicht, liegt in der Regel bei uns Eltern, so war es auch bei uns. 

Aus diesem Grund war es mir wichtig, ihr unabhängig davon so viel Entscheidungsfreiraum zurückzugeben wie möglich. Ich beobachtete sehr genau und versuchte ihre Zeichen wahrzunehmen oder mit ihr zu reden, wozu sie bereit war. Ich besprach einen individuellen Zeitplan mit den Erzieherinnen und ließ das Herzmädchen entscheiden.

Ein wichtiger Punkt bei ihr war der Mittagsschlaf. Schlaf war ihr sehr wichtig, nämlich insofern ihn von Mama und Stillen begleitet zu machen. Sie hatte damals noch nie bei jemand anderem liegend in den Schlaf gefunden oder woanders als zu Hause geschlafen. Daher überließ ich ihr die Entscheidung, ob und wann sie mitschlafen wolle. Nach zwei Monaten sagte sie klar und deutlich, dass sie am nächsten tag mitschlafen wolle und das tat sie auch: sie schlief, sie schlief schnell ein  und wachte fröhlich wieder auf. Sie war bereit dazu.

Bei welcher Entscheidung auch immer es euch möglich ist, aber jede Entscheidung, die ein Kind in seinem Tempo und aus sich heraus treffen kann, ist eine gelungene Entwicklung und stärkt sein Selbstbewusstsein.


Tipp 7: Loslassen

Loslassen lernen. Das schreibt sich leicht, ist aber super schwer. Ich denke jeder Mutter, die hier liest, wird mir zustimmen. Es ist schwer, schwerer, am schwersten, dieses kleine Wesen vertrauensvoll an andere für eine gewisse Zeit abzugeben. Doch es ist schaffbar, Schritt für Schritt.

Mir hat geholfen, die Eingewöhnungszeit aufzuschreiben, all meine Gedanken und auch die Zweifel, die Schuldgefühle und die Gedanken eine schlechte Mutter zu sein. Aber ich habe auch gesehen, welche Entwicklung meine Tochter genommen hat und dass unser geknüpftes Band, unsere Bindung auch  nach 3 Stunden noch erhalten und eng war, dass es unserer Beziehung keinen Abbruch getan hatte. Mir half auch im Gebet ruhig zu werden und mit anderen zu reden und Rückhalt zu finden und es half mir eben auch, mal wieder für mich zu sein, zu arbeiten und mein Essen ganz für mich allein aufzuessen.


Was hat eurem Kind in der Eingewöhnung geholfen? Worüber macht ihr euch in Bezug auf die Eingewöhnung Gedanken? Schreibt hier, ich freue mich oder schreibt mich persönlich an.


Eure Anne


PS1: Wenn euch der Artikel gefallen hat, dann freue ich mich über eine Like oder Teilen.

PS2: Einige haben sicherlich meinen Artikel zu unserem Kindergartenabbruch gelesen. Ich wollte trotzdem meine gesammelte Erfahrungen für eine gelungene Eingewöhnung weitergeben und daran sind wir letztlich auch nicht gescheitert, sondern eben an der Entscheidung, ob der Kindergarten wirklich zu uns als Familie gepasst hat.

* Wer jetzt nicht Nicken kann oder sich wiederfindet, dem empfehle ich mich anzuschreiben, der Artikelreihe zu folgen oder selbst zu ergründen, welche eigentlichen Wünsche du für deine Familie hast – ich helfe dir gern dabei!


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