Montag, 19. Juli 2021

Warum Sprachentwicklung kein Vokabeltest ist

Von Geburt an trainieren Kinder Sprache und Sprechen. Dabei ist es besonders wichtig, dass wir mit ihnen interagieren und kommunizieren. Intuitiv halten wir ein Baby 20 cm vor unser Gesicht und beginnen selbst Laute und Sprechmimik und -gestik zu formen.

Die Sprachentwicklung von Kindern

So entwickeln sich Kindern vom Schreien, Lallen und Babbeln mit neun Monaten hin zu aktiven 2-Jährigen, die 20-50 Wörter beherrschen und Zweiwortsätze wie „Mama Ball“ sagen können. Diese Schritte werden als Meilensteine bezeichnet und dienen Eltern und Fachkräften zur Orientierung bei der Beobachtung der Sprachentwicklung.

Mit drei Jahren folgen dann kurze Dreiwortsätze wie „Papa geht einkaufen“. Die Aussprache wird verständlicher – auch für Außenstehende -  Personalpronomen, Farben und Präpositionen werden beispielsweise beherrscht. Ein Jahr später schon können Kinder in der Regel Mehrfachaufträge wie „Gehe in die Küche, schließe das Fenster und bringe zwei Äpfel mit“ erledigen. Der Wortschatz ist stark angewachsen. Die Kinder singen, reimen, bilden Haupt- und Nebensätze, nutzen Vergangenheits- und Zukunftsformen und benennen Dinge aus dem alltäglichen Leben mit Leichtigkeit.

Mit fünf bis sechs Jahren ist der Wortschatz auf 5000 Wörter, die das Kind selbst benutzt, und 20 000 Wörter, die es verstehen kann, angewachsen. Es kann Wenn-dann-Fragen beantworten, kurze Geschichten nacherzählen, Oberbegriffe wie Obst und Tiere zuordnen und auch abstrakten Begriffen wie Glück und Freundschaft verstehen.

Auffälligkeiten in der kindlichen Sprache

Insgesamt kann man festhalten, dass mit circa 4,5 Jahren ein Kind sicher in der Verwendung der Sprache und beim Sprechen sein sollte sowie von Anderen verstanden werden sollte. Sind wir als Eltern unsicher, ist es wichtig dieser Sorge nachzugehen. Der Kinderarzt oder auch die ErzieherInnen in der Einrichtung können als erste AnsprechpartnerInnen hilfreich sein. Besonders letztere können beispielsweise die vorhandenen Beobachtungsinstrumente der Einrichtung nutzen um eine erste Einschätzung abzugeben. Gute Beobachtungsinstrumente, die auch die sprachliche Entwicklung beinhalten, sind zum Beispiel: die Entwicklungstabelle nach Beller, die Grenzsteine der Entwicklung nach Michaelis oder die Beobachtungsschnecke. Insgesamt ist die Einschätzung einer Sprachstörung sehr komplex und sollte von Logopäden oder Sprachtherapeuten durchgeführt und anschließend begleitet werden.

Tipps zur Sprachförderung zu Hause

Neben der wichtigsten Art Kinder bei der Sprachentwicklung zu unterstützen, der täglichen gemeinsamen Kommunikation habe ich 4 Tipps zusammengestellt:

1) Selbst Wiederholen

Anstatt Kinder zu korrigieren und zum (mehrfachen) Wiederholen der richtigen Aussprache zu drängen, ist es förderlicher das vom Kind Gesagte zu wiederholen ohne belehrend oder aufdringlich zu sein. Die Wiederholung von zum Beispiel: „Ja, genau eine Kuh.“ kann mit „Was frisst diese denn gern?“ ergänzt werden und so ungezwungen ins Gespräch einfließen. Auf diese Weise erhalten wir unseren Kindern die Freude an der Sprache und die Motivation am Sprechen.

2) Wortschatz erweitern

Kinderbücher anschauen ist kein Vokabeltest, den wir nutzen um alle dem Kind bekannten Begriffe anzufragen. Außerdem hört das Kind dann immer wieder nur die Wörter, die es selbst schon kennt. Nein das gemeinsame Buchlesen ist grundlegend wertvoll für das Lernen der Sprache. Bereits im ersten Jahr kann und darf damit begonnen werden. Dabei lernen Kinder quasi nebenbei neue Worte, Zusammenhänge und Sprachregeln.

3) Verniedlichungen und Laute weglassen

Hündchen, Schweinchen, Herzilein – all das klingt so niedlich wie das Kind ist, aber es ist leider nicht hilfreich. Denn Kinder, die Hündchen, Schweinchen und Herzilein verstehen und eventuell sogar schon sprechen können, können Welpe, Ferkel und Herz genauso sprechen. Auf diese Weise lernen sie von Anfang an die richtigen Worte und Anwendungen.

4) Nicht weglassen

Mein häufigster und wichtigster Tipp im Zusammenhang mit Kindern und Sprache ist das Wort „NICHT“ wegzulassen (gern auch: nie, ohne und kein). Je kleiner die Kinder sind, desto weniger kann ihr Gehirn diese Wörter verarbeiten. Der Satz „Stopp, nicht durch die Pfütze fahren.“ endet daher meist genau mitten in der Pfütze. Zusätzlich dazu, dass unser Gehirn gern selektiv arbeitet und sich nur auf das Wort Pfütze konzentriert. Mit dem Satz „Bitte fahr über die Wiese“ und einer somit positiven Formulierung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass das auch gemacht wird.

Zusammenfassung

Sprachliche Entwicklung ist sehr individuell und komplex. Meilensteine können uns bei der Orientierung und groben Einschätzung helfen. Bei Unsicherheiten ist es sinnvoll Experten wie Sprachtherapeuten oder Logopäden anzusprechen.

Unentbehrlich für eine gesunde sprachliche Entwicklung ist das Sprechen und Kommunizieren in der Familie und Umfeld im Alltag des Kindes. Vorlesen hat einen besonders positiven Stellenwert.

Welchen Tipp hast du noch?

 

Deine Anne


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