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| Fotografie: unsplash/ pexels |
Ich finde wir Mütter sind ganz schön taff und ziemlich perfektionistisch. Alle Blogs, Artikel, Bücher und Gespräche unter Müttern laufen immer auf das Gleiche hinaus: wir wollen das Beste für unsere Kinder, wir wollen möglichst alles wissen, alles bedenken, nichts außer Acht lassen, körperlich und seelisch gesunde Kinder und für sie die perfekte Mutter sein.
Unsere eigenen Erwartungen – das merke ich an mir, an meinen Freundinnen und Müttern, die ich kenne – sind hoch, höher, am höchsten. Diese Erwartungen haben wir an uns und auch an andere. Das merke ich vor allem daran, wie Mütter über andere Mütter sprechen, die es vermeintlich nicht richtig machen. Das finde ich sehr schade. Zeigt mir aber auch, dass wir diese hohen Erwartungen haben, eine schlechte Fehlerkultur mit uns selbst, perfekte Ansprüche und damit auch die Abgrenzung von vermeintlich „schlechteren“ Müttern.
Am Anfang meiner Mama-Zeit habe ich mich auch von vielen Erwartungen mitreißen lassen und scheinbar wichtige Äußerlichkeiten unbedingt umsetzen wollen: ein strukturierter Tagesablauf, möglichst den ganzen Tag nur vollwertiges Essen, am Tisch essen, unbedingt immer Zähneputzen, früh und abends das Kind umziehen und waschen, Schlafsachen benutzen – äußerliche Dinge erschienen wichtig, aber ich nahm auch wahr, wie viel Zeit all das kostete, dass es nicht immer umsetzbar war und nicht unbedingt zur Erleichterung meines Alltags beitrug.
Denn neben diesen Punkten war mir vor allem eine kindgerechte, entspannte, bindungsorientierte und psychisch gesunde Entwicklung des Herzmädchens wichtig. Das war mein Herzstück im Umgang mit meinem Kind und dies kollidierte mehr und mehr mit den anderen Ansprüchen. Nicht immer konnte ich sie ohne Zwang zum Zähneputzen überreden, also durfte das auch mal ausfallen. Zunehmend empfand sie umziehen als immer unnötiger und weigerte sich, also wurde die Trennung von Schlaf- und Alltagskleidung abgeschafft und ich zog sie eher zu „natürlichen“ Gelegenheiten wie nach dem Baden, vor dem Schlafen für den nächsten Tag um (so dass nur noch ein Kleid oder ein Shirt drüber „musste“). Nicht immer wollte sie ihre Jacke tragen oder Schuhe anziehen, also ließ ich es und nicht immer wollte sie zu Hause am Tisch essen, also aßen wir unterwegs, weil es auf dem Spielplatz so schön war, oder auch mal auf dem Boden.
Mit jedem „Das muss so sein“ das ich losließ wurde ich ruhiger und entspannter und mir wurden auch die Erwartungen der Umwelt immer unwichtiger. Ich bemerkte, was mir wichtig war und dass mir vor allem wichtig ist, dass das Herzmädchen und wir als Familie glücklich sind, dass es für uns stimmig ist.
Natürlich kommt regelmäßig das schlechte Gewissen an und klopft an meine Tür: du hast seit zwei Tagen nicht frisch gekocht, heute mal wieder auf der Couch gefrühstückt, sie hat schon den dritten Tag ihr Giraffenkleid an, was sollen die Leute denken oder sie muss doch endlich mal schlafen, Kinder gehören schließlich um sieben ins Bett.
Ja, diese Stimme nervt und verunsichert mich, da kommt meine eigene Erziehung an, die voller gesellschaftlichen Konventionen ist und ja, es ist gar nicht so einfach, sich von den vielen „du musst“ zu befreien. Aber: ich bin dran und es wird mit jedem Mal leichter! Vor allem weil ich merke, wie gut mir und uns das tut. Ich muss also garnüscht, um das mal schön sächsisch zu sagen.
Ich fühle immer wieder wie es mich und auch wie es mein Umfeld einengt und Druck aufbaut, wenn man versucht allen Erwartungen gerecht zu werden. Jeder kann doch ohnehin nur sein eigenes Leben leben und am Ende meines Lebens wird es mir niemand danken, dass ich mich immer an alle vermeintlichen Regeln gehalten habe. Diese Vorstellung hilft mir, denn es macht mir deutlich, dass es nur eine Person gibt, die am Ende des Lebens dankbar und glücklich darüber sein sollte und das bin ich!
Deshalb: Ich muss garnüscht! Ich darf die Mutter sein, die ich sein will. Ich muss nicht einkaufen, putzen, meinen Tagesablauf planen, nicht der perfekte Spielpartner sein, nicht fehlerlos oder perfekt sein und auch nicht alle Erwartungen der Umwelt (seien es andere Mütter, Familienmitglieder, Freunde…) erfüllen. Denn das ist gar nicht schaffbar und macht aus uns Müttern nur Sklaven unserer selbst und keine Menschen mehr.
Ich darf Mama-sein wie ich es möchte. Ich darf einkaufen gehen, wann ich möchte und was ich möchte. Ich darf mit meinem Kind so lange auf dem Spielplatz bleiben wie ich will, auch wenn es dann nichts Gekochtes, sondern nur ein Brötchen zum Abendbrot bekommt. Ich darf alle Entscheidung fern von Muss, Druck und Erwartungen treffen. Ich darf ich sein, wie ich wirklich bin, Fehler machen und auf mich selbst hören!
Ich möchte euch Mut machen, das Wörtchen „muss“ zu streichen. Lasst den Druck und die Erwartungen vor eurer innerlichen und äußerlichen Haustür und richtet es euch in eurem Mama-Leben so bequem und entspannt wie möglich ein.
Wir müssen garnüscht! Wir dürfen!
Eure Anne
PS: Mit diesem Beitrag bewerbe ich mich für den scoyo ELTERN! Blog Award 2017: Drückt mir die Daumen :))
PS: Mit diesem Beitrag bewerbe ich mich für den scoyo ELTERN! Blog Award 2017: Drückt mir die Daumen :))

