Donnerstag, 18. Mai 2017

Gastartikel: Ein Geburtsbericht - Familiengeburt mithilfe von Hypnobirthing (Yvonne)


Fotografie: pixabay/ pexels


Ich bin mitten im praktischen Teil meiner Mediationsausbildung und so habe ich ganz liebe Unterstützung auf dem Blog: Yvonne, die mit mir zusammen Herzensban.de gegründet hat, hat einen persönlichen und wunderschönen Blogartikel über die Geburt ihres zweiten Kindes geschrieben. Yvonne ist nämlich erst vor kurzen wieder Mamas eines kleinen Wunders geworden und berät bei Herzensbande zu dem Thema Stoffwindeln.

Ein Geburtsbericht - Familiengeburt mithilfe von Hypnobirthing


Samstag, 41+2, und ich würde mich am liebsten verkriechen, weil sich nichts tut. Unsere Hebamme kommt am späten Nachmittag zur Vorsorge, die Tränen kullern, doch sie beruhigt mich. Es ist ja alles noch schick und auch ein paar Vorwehen kommen wieder. Sie ruft im Krankenhaus an und vereinbart für Sonntagnachmittag bei ET+10 (ET=Entbindungstermin) einen Termin zur Kontrolle – nur für den Fall der Fälle, dass es zu einer Einleitung kommt, damit sie mich da schon mal gesehen haben. Sie scherzt mit der Hebamme am Telefon, dass sie den Termin gern auf den Nachmittag legen würde, da sie ja Vormittag zu einer Geburt gerufen werden möchte. Sie lässt Eisenkraut-Tee und Ut-Öl von der Bahnhofsapotheke da – zum Anschubsen - meinte aber, ich solle mich am Abend nochmal entspannen – ein Bad nehmen – ev. noch mit dem Öl warten. 

Ich trinke eine Tasse Eisenkrauttee zum Abendbrot, gehe dann in die Wanne – während dem Bad höre ich den großen Bruder „to be“ nach mir rufen – weil er müde ist – ich bade trotzdem noch kurz weiter und Öle dann den Oberbauch ein. Als ich ins Schlafzimmer komme ist er schon ohne stillen an den Papa gekuschelt eingeschlafen – das erste Mal, obwohl ich zu Hause bin!  

Ich kuschel mich also zu den Männern ins Bett, lese noch kurz und schlafe gegen halb 10 ein.
23:30 Uhr wache ich von einem Ziehen auf. Ich döse weiter, versuche zu schlafen. Das Ziehen kehrt immer wieder – Wehen? Ich stoppe die Zeit: regelmäßig alle 10 min. Dann sind das wohl doch Wehen und das Baby macht sich endlich auf den Weg :)
Ich kann sie mit der Wellenatmung nach Hypnobirthing gut verarbeiten, bleibe im Bett und veratme die Wehen=Wellen beim Hypnobirthing entspannt. Dabei stelle ich mir die Frühblüher, Krokusse, vor, die aus dem Boden sprießen und aufblühen zwischen größer werdenden Flecken im Schnee. Zwischendurch stehe ich immer wieder mal auf – trage in den Kalender ein, dass die Männer am Montag in die Bibliothek gehen müssen um die Bücher zurück zu bringen und nehme nochmal ein Heublumensitzbad mit meiner Forest-Piano Entspannungsmusik und einer kleinen Kerze. Die Nähsachen wegräumen, die ich aus Frust und zur Ablenkung wieder rausgeholt habe, weil sich nichts getan hatte - hab ich ja noch Zeit, dachte ich. 
Vielleicht kommt das Baby gegen Mittag oder Nachmittag denn irgendwie muss ich ja die Zeit bis um 6 oder 7 durchhalten, dass wir meine Mama anrufen können, damit sie sich um den Großen kümmert. Sie wird voraussichtlich 1,5h bis zu uns brauchen. Soweit die Gedanken und so vergeht die Zeit mit Wehen im 10-Minuten-Abstand. Kurz nach 3 Uhr als ich zurück ins Bett komme, wälzt sich der Große herum und ruft nach mir: „Mama stillen.“ Ich veratme kurz im Bett eine Wehe im Vierfüßlerstand, dann lege ich mich zu ihm und stille ihn in der 10minütigen Wehenpause. Die nächsten beiden Wehen/Wellen veratme ich, glaube ich, noch im Bett, doch dann nimmt die Intensität zu und ich kann nicht mehr liegen, stehe auf und laufe herum. 
Ich versuche verschiedene Positionen. Stehend – kniend über dem Ball, auf dem Klo. Ich versuche die Wehen zu stoppen – irgendwas um die 4 min. Die Intensität nimmt immer weiter zu – zum Nähsachen wegräumen komme ich zwischen den kurzen Abständen irgendwie nicht mehr, da ich mich auf die Wellenarbeit konzentrieren muss. Ich verarbeite die meisten Wellen im Stehen, probiere den Peziball, aber so richtig bequem ist nix. Als ich eine Wehe stehend am Wickeltisch veratme probiere ich mit zu Tönen - oh das ist ganz angenehm und hilft. Mittlerweile ist es um 4. Seitdem die Wehen/Wellen intensiver werden und ich stehe/laufe, komme ich mit der tiefen Bauchatmung, der „Wellenatmung“, nicht mehr so gut klar. Ich wecke den Mann, damit er aufräumen kann, da ich das ja grad nicht mehr kann. Ich wecke ihn mit den Worten: „Der Große ist jetzt deine Verantwortung!“ Er schaut mich erstaunt an – oh geht was los :)
Um die Wehen besser stoppen zu können, lade ich mir eine App runter – die erste finde ich nicht gut – also noch eine 2. Aber so richtig komm ich nicht mehr dazu die Wehen zu stoppen. Sie kommen zu schnell hintereinander.
Der Mann werkelt im Wohnzimmer herum, bezieht das Sofa mit Folie. Ich verarbeite die Wehen meist im Stehen. Bin im Bad, weil ich das Gefühl habe, dass ich mal muss. Hier hätte ich mich wohl an unser Geburtsgespräch erinnern sollen. Da haben uns die Hebammen ja gesagt, wenn du das Gefühl hast, dass du „Groß“ musst, dann geh nicht aufs Klo, denn dann drückt das Baby da drauf und bahnt sich seinen Weg. 
Es macht „Plopp“. Ich drücke tatsächlich auf der App: Fruchtblase geplatzt, 4:29 Uhr. Die nächste Wehe kommt und ich hab das Gefühl, dass ich mitschieben muss… Waaahhhh. Höchste Zeit die Hebamme aus dem Bett zu klingeln. Ich denke noch: „Sorry, bis um 10 Uhr – wie sie am Vortrag sagte – können wir nicht mehr warten.“ Als wir sie dann aber am Telefon haben, erkläre ich – erst noch ganz locker – dass die Fruchtblase geplatzt ist. Der Mann erzählt ihr was von Wehen alle 4 min. Die nächste Wehe/Welle kommt und ich rufe nur noch, dass ich die Wehen nicht mehr stoppen kann, da sie zu schnell kommen und nicht mehr nur alle 4 min. Das hört sie aber gar nicht – sie hört mich nur ATMEN/Tönen und sagt: „Alles klar, ich fahre sofort los.“ Später erzählte sie, dass ihr, als sich mich gehört hat, schon fast klar war, dass sie es wohl nicht mehr pünktlich schafft.
Nach dem Anruf denke ich, ich könnte ja mal die Wanne probieren. Also los! Wasser einlassen, rein steigen. Die Wanne ist halb voll, das ist sehr angenehm, ich knie in der Wanne, töne in den Wellen mit. Das Baby schiebt sich weiter und macht sich Platz, sodass einiges in der Wanne herumschwimmt. Also denke ich: „Wasser wieder raus und neues rein.“ Als das Wasser weniger wird und die Hälfte wieder raus ist denke ich: „Nein – mit Wasser war das angenehmer – ich will MEHR Wasser“ und lasse das Wasser wieder rein. Mit mehr Wasser ist wieder viel angenehmer. Der Mann räumt wieder im Wohnzimmer herum. Ich höre den Großen „Mama“ rufen. Ich rufe den Mann, dass er sich um ihn kümmert und höre ihn dann zu ihm gehen und mit ihm reden. Sie kommen gemeinsam ins Bad und Papa erklärt ihm: „Die Mama kann grad nicht, die kriegt grad ein Baby.“ 
Die nächste Wehe kommt und ich töne. Die beiden verlassen das Bad. Das Wasser entspannt mich und ich erinnere mich an die Geburtsatmung und probiere diese bei der nächsten Welle aus. Ich werde ganz ruhig und atme mit der Geburtsatmung und merke, wie sich das Baby weiter runter schiebt. Ich kann den Kopf fühlen. Krass. Das Baby ist fast da. 
Nach der Wehe ist der Kopf wieder weg. Ok, vielleicht dauert es also doch noch ein bisschen. Aber nur 2 oder 3 Wehen später, die ich weiter ganz ruhig in der Wanne kniend mit der Geburtsatmung das Baby „runter atme“, ist der Kopf geboren. Ich rufe den Mann: „Der Kopf ist da.“ Ich knie über dem Wasser. Er kommt – die nächste Wehe auch und er fängt das Baby auf. „Es ist ein Mädchen“. Es ist 4:54 Uhr. 
Irgendwie hat der Mann tatsächlich zur Geburt noch auf die Uhr geschaut. Ich setze mich in die Wanne und der Mann gibt mir die Kleine auf die Brust. Sie fängt gleich an zu schreien und zu zittern. Es ist ja noch verhältnismäßig wenig Wasser in der Wanne. Der Mann ruft den Großen, der sich währenddessen unter die Decke gekuschelt hatte: „Das Baby ist da“, und reicht mir ein Moltontuch um das Babymädchen einzuwickeln. Der frisch gebackene große Bruder kommt ins Bad geguckt und schaut staunend. Der Mann holt mit ihm zusammen die Kamera und macht mit dem Großen auf dem Arm die ersten Bilder. Es klingelt. Die Hebamme kommt – nur 4 min nach der Geburt. Der Mann empfängt sie an der Gegensprechanlage grinsend mit den Worten: „Zu spät“. Und das obwohl sie super schnell war und nur 25 min gebraucht hat! Sie sagt sie hört das kleine zitternde Baby schon bis unten schreien. Wir wohnen im 4. Stock... 
Sie kümmert sich als erstes darum, dass das Babymädchen noch wärmer mit einem Handtuch eingepackt wird und legt auch mir ein Handtuch um, da ich zitter... besonders warm hatten wir das Bad in der kurzen Zeit ja nicht geheizt. Sie lässt noch mehr Wasser in die Wanne und übergießt die Handtücher der Kleinen mit warmem Wasser um sie zu wärmen. 
Gegen halb 6 wird die Plazenta geboren und das Babymädchen anschließend abgenabelt. Danach ziehen wir ins Bett um und das Babymädchen stillt das erste Mal ins Handtuch eingekuschelt. Unsere Hebamme kontrolliert währenddessen die Plazenta. Der große Bruder findet das total spannend und will an den folgenden Tagen immer wieder die Fotos vom Mutterkuchen sehen. Danach macht die Hebamme die U1 und zieht das Babymädchen an. Wiegen verschieben wir auf den ersten Wochenbettbesuch am Abend, da sie die Waage in der Schnelle vergessen hat. Aber sie schätzt sie fast auf 3500 g, obwohl die vorherigen Schätzungen alle von einem etwas kleineren Baby um die 3000 g ausgingen. Nachdem sie mich noch auf Verletzungen untersucht, verabschiedet sie sich gegen dreiviertel 8 bis zum ersten Wochenbettbesuch am Abend. Wir kuscheln uns ins Familienbett und meine beiden Kinder stillen jeweils an einer Brust.
So ist unser kleines zufriedenes Babymädchen in unserer Familie angekommen. Es war eine schöne Geburt. Eine Familiengeburt kann man ja sagen, wie ich es mir gewünscht hatte und wie wir es nicht besser hätten planen können. Aber die Babys haben ja meist genau das richtige Timing. Und auch wenn alle sagen, dass das ja aufregend sein muss, fand ich es eher total natürlich. Ich bin so dankbar, dass ich diese wunderschöne Hausgeburt erleben durfte und für die gute Hebammenbetreuung in Schwangerschaft, rund um die Geburt und im Wochenbett.

Eure Yvonne

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