Montag, 7. Mai 2018

Monat 3 mit Zwillingen

Fotografie: Anne Siedentopf




Und wieder ist ein Monat rum, meine Herzbuben sind nun schon über 12 Wochen alt und letzten Donnerstag waren sie genau ein Vierteljahr. Wahnsinn wie die Zeit rennt, aber ihr kennt das sicherlich…

In den letzten vier Wochen hat sich einiges getan, vor allem ist es etwas entspannter geworden. Die beiden trinken nicht mehr ganz so viel, die Stillpausen werden länger und die Wachphasen auch. Das war am Anfang ungewohnt – was macht man mit einem wachen Baby? Satt, gewindelt, rumgetragen, ausgeschlafen und nun?

Vor allem der Kleine Herzbube nutzte seine Wachphase noch um viel zu schimpfen, so dass mir noch weniger Zeit für den Großen Herzbuben blieb. Den ich ja eigentlich stillte, umsorgte und herztste wenn der Kleine schlief. Ein anderer Plan musste her und so begann ich ihn im Sling zu tragen. So konnte ich den Großen stillen und auch hochnehmen. Richtig perfekt war das aber noch nicht, weil ich trotzdem beide vorn bzw. seitlich hatte und der Kleine im Sling irgendwie im Weg war. Das ihm das Tragen aber gefiel, wurde sofort klar. Er lächelte, wenn ich das Tuch auspackte – klar, er war ja auch sonst ständig auf meinem Arm. Immerhin konnte ich so auch mal ein paar Dinge tun ohne Armschmerzen zu bekommen.

Dennoch suchte ich nach einer besseren Lösung und bekam fachmännische Unterstützung von Yvonne von Bindungsstoffe, die mir eine Trage aus Tragetuchstoff (Mysol) auslieh. Seitdem ist es echt genial J Ich kann den Kleinen Herzbuben in Ruhe auf dem Rücken tragen, er hat Nähe und kann selig schaukelnd einschlafen und ich habe die Hände frei, um auch den Großen Herzbuben zu stillen und rumzutragen und sogar im Haushalt was zu machen – yeah! Körperlich ist es zwar auch anstrengend für mich, denn nun habe ich noch mehr Last zu tragen, aber sonst ist es toll. Denn nun wird hier viel weniger geweint und auch die Abende haben sich etwas entspannt und strukturiert.

Die Herzbuben werden zwischen 18 und 19 Uhr gestillt und bekuschelt. Dann kommt der Große in die Federwiege und lauscht und schaut seinem drehenden Mobilé zu und der Kleine kommt in die Trage und wird in den Schlaf getragen. So kommt keiner der beiden mehr in ein Müdigkeitsloch. Am Ende bringe ich beide in unser Familienbett und stille je nachdem ob einer wach wird nochmal und bleibe da bis beide richtig fest schlafen, das ist immerhin nun auch etwas eher gegen halb neun. So dass ich durch die gewonnene Ruhe beim Rumtragen auch Zeit für Haushalt und das Herzmädchen habe und bei der Einschlafbegleitung um mal ein bisschen soziale Kontakte per Handy zu pflegen.

Auf jeden Fall tut es uns als Eltern mental sehr gut, dass es abends nun ruhiger ist. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich auch aufregendere Tage und Abende, wo es  - wie Ende der Woche – doch zu mehr Weinen und Durcheinander kommt, weil eben Neues verarbeitet werden muss, aber die Mehrzahl der Tage funktioniert es J

Insgesamt habe ich schon nach zwei Tagen gemerkt wieviel entspannter der Kleine ist, seit er regelmäßig getragen wird und immer lächelt, wenn die Trage ausgepackt wird. Nun muss ich nur noch mit meinem schlechten Gewissen klar kommen, dass ich es nicht noch schaffe den Großen Herzbuben so viel zu tragen. Ich habe zwar mehr Zeit für ihn und ich nehme mir auch immer bewusst welche, wenn der Kleine Herzbube schläft, aber ich schaffe es körperlich nicht ihn in meinen Tragepausen auch noch zu tragen, sondern nehme ihn einfach auf den Arm so oft ich kann oder kuschel im Liegen mit ihm.

Wenn sie wach sind, liegen die Herzbuben auch beide gerne unter unserem Spieletrapez Wie ihr oben sehen könnt) und strampeln rum und fangen an manchmal die Figuren zu treffen.

Ach und was es natürlich sehr hilfreich gestaltet: Der Kleine Herzbube nimmt nun auch einen Schnuller und hat so die Möglichkeit sich mal kurz selbst zu beruhigen. So entstehen kurze Momente in denen ich ihn wach ohne Weinen ablegen kann. Außerdem hat er sich in diesem Monat Zwischentöne zugelegt. Es gibt jetzt nicht nur laut, sondern auch ein leises oder mittelleises Weinen und Jammern. Das ist angenehm. So weiß ich ja trotzdem, dass er mich braucht, aber es geht nicht so an die Substanz!

Zu den längeren Stillfreien- und Wachphasen kamen nachts auch langsam längere Schlafphasen hinzu. So dass ich in ganz tollen Nächten mal auf drei Stunden Schlaf am Stück kam und in schlechten Nächten (so um den 10 Wochen Schub herum) wie vorher auf vielleicht eine am Stück. Naja, man nimmt es wie es kommt. Mit Zwillingen habe ich mir abgewöhnt Pläne zu schmieden oder mir vorher Sorgen zu machen. So kann ich innerlich entspannt sein. Ich habe meine wenigen wichtigen „to-do´s“ am Tag, die ich mir passend einbaue und an manchen bin ich total überrascht und schaffe mit drei Kindern ganz viel und an manchen fast nichts. So ist es eben grad und es hilft mir die Gangart noch in „slow motion“ zu lassen, so entsteht wenig Druck und Erwartungen und dadurch mehr Glück durch Spontanität für mich ;)

Übrigens denke ich, dass sich die Schlafphasen auch verbessert haben, weil wir nachts den jeweils anderen Zwilling nicht mehr zum Windeln oder Stillen geweckt haben. Wir haben das nach Bedarf angepasst und so den Jungs die Chance gegeben ihren eigenen (teilweise eben auch längeren Rhythmus) zu entwickeln. Das war eine richtig gute Entscheidung und angestoßen durch eine Gruppendiskussion bei Facebook. Ich bin echt dankbar für diese Gruppe und die anderen Zwillingsmamis! Da wird jede mit ihrem Anliegen unterstützt und es gibt echt null Mamabashing wie in manch anderen Gruppen. Naja, Zwillingsmamas haben für so was eben einfach keine Zeit ;)

Die wunderschönste Entwicklung in den letzten Wochen ist das Brabbeln und Erzählen. Besonders der Große erzählt mir total viel und führt kleine Gespräche mit mir. Da geht mein Mamaherz so auf und ich genieße diese ganz besonderen Momente mit meinen zwei Herzbuben… auch wenn ich sie nebeneinander liegen habe und beide mich anstrahlen, einfach weil ich ihre Mama bin und dann „loserzählen“ mit ihren wwww, au, ooo und irre-Lauten – soooooo schöööööön!!

Ich wünsch euch auch solch herzige Momente in nächster Zeit,

eure Anne.

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