Donnerstag, 19. März 2020

Corona, die eigenen Grenzen und VERTRAUEN

Als Mama erschöpft sein und Vertrauen schöpfen - Fotografie: Tim Mossholder



Es sind unerwartet anstrengende, herausfordernde und emotionale Tage in dieser sich täglich zuspitzenden Krisen. Wahnsinnig viele Menschen haben jetzt strukturelle, finanzielle und familiäre Probleme neben der gesundheitlichen Sorge um Familienangehörige, Freunde und sich selbst.

So gut es geht versuchen sich die Menschen digital zu vernetzen, zu unterstützen und Lösungen für die verschiedenen Herausforderungen zu finden. Krise in allen Lebensbereichen. Und besonders von den Eltern höre ich in all meinen Kommunikationskanälen sowie auch von mir selber, dass sie an ihre Grenzen kommen.

Auch ohne eine Pandemie haben wir Mamas einen vollen Terminkalender, viele Aufgaben und viele Rollen zu bewältigen. Nun sollen viele davon parallel weiterlaufen und wir das schaffen. Arbeiten neben Schulbetreuung, Windelwechseln und Mittagessen kochen.

Die Überlastung, das Schimpfen auf den Staat, das Erschöpft-Sein – aber muss das wirklich sein, sind wir die Opfer, die da jetzt durch müssen, gibt es keine Lösung?

Ich lese von straffen Tagesplänen, von Verzweiflung, von Streit um Hausaufgaben, von fehlendem Mitgefühl mit den Kindern, von mehr Meckern und Unverständnis für die, die schon im endlich-mal-Zeit-mit-den-Kindern-Modus sind.

Ich denke, genau da liegt die Lösung! Zeit! Nehmen wir sie uns, nimm sie dir!

Bitte. Ich drück dich. Ich erlaube es dir, dir die Zeit zu nehmen, die du als Mama jetzt brauchst: für dich, für deine Sorgen, für deine Gefühle, für deine Kinder, für die Wäsche.

Ich halte es genau jetzt für wichtig, nicht einfach weiterzumachen, zu funktionieren, die Tagespläne nach zwei Tagen perfektioniert zu haben, die Hausaufgaben in der Zeitvorgabe zu schaffen und dann wenn die Kinder schlafen bis zur Erschöpfung zu arbeiten.

Sprecht über eure Gefühle, eure Herausforderungen, eure Probleme – mit euch selbst, mit euren Kindern, Kollegen, Freunden, eurem Partner! Seid nachsichtig zu euch und liebt euch dafür, was ihr gerade jetzt in dieser Krise alles schafft!

Wenn die Arbeit Priorität hat, dann ist das so. Dann muss es nicht noch der perfekte Tagesplan, pädagogisches Basteln, gesundes Essen und alle Hausaufgaben sein. Nein, dann darf es nach der Arbeit Spaß und Freude mit den Kindern bei einer Fertigpizza sein. Oder einfach rumliegen und Serien schauen um mit den Kindern aufzutanken. Oder ihr gönnt euch erstmal zwei Tage „Urlaub im Kopf“: plant nicht, hasstet nicht, perfektioniert nicht – lasst es auf euch zu kommen.

Ich verspreche euch mit Vertrauen in euch, eure Kinder und die Zeit wird sich das meiste regeln.
Mit Schimpfen und negativen Denken befinden wir Mamas uns immer im Mangel, im Opfermodus, im Hetzmodus, im Perfektionsmodus.

Eine gute Nachricht: das musst du nicht! Wir müssen nicht perfekt sein, wir dürfen scheitern, traurig sein, uns Zeit nehmen und VERTRAUEN. Wir sind nämlich GENUG, gut genug, super, ganz genau richtig, zum Liebhaben.

Wir dürfen auch in dieser Krise vertrauen. Darin, dass wir das Beste daraus machen. Das unsere Kinder sich einfinden in der aufwühlenden Zeit. Dass das, was wichtig ist für die Schule auch wird. Dass die gemeinsame Zeit uns guttut. Dass sich nach ein paar Tagen oder zwei Wochen ein guter Tagesablauf entspinnt oder es eben ok ist, sich nun in den Tag treiben zu lassen. Wir sind es nur nicht mehr gewöhnt. Wir müssen nicht nach der Uhr leben, sondern nach Rhythmen (Hunger, Schlaf, Spielzeit, Pause). Und wenn wir die Pausen und Unterbrechungen lernen zu lieben und auch darin vertrauen, dass wir auf Arbeit sehen, was Priorität hat, dann schaffen wir mit 20% 80% Leistung. Der Modus in dem die Kinder für die Arbeit wegorganisiert werden müssen, ist jetzt vorbei. 

Entschleunigen und sich erlauben nicht wie vorher – nur jetzt zu Hause – weiterzumachen, kann sehr entlasten.

Es ist deine Entscheidung! Entscheide dich für Durchatmen, Annehmen, Vertrauen :)

Ich weiß wovon ich rede, ich fahre das seit Jahren als Zwillings- und Dreifachmama – weniger ist mehr, ich bin gut, ich bin leistungsstark und was ich will, werde ich erreichen – mit Vertrauen und Zeit. Langsamer als ohne Kinder, aber dann wäre mein Leben auch nicht gefüllt von glucksendem Lachen, kleinen Ärmchen, die sich um mich schlingen und einer Liebe, die eben nur Kinder für Eltern haben.

Mein Tipp: Habt Vertrauen und legt euch im Kopf ein bis zwei gute, wohlwollende Sätze zurecht, die euch stützen und in der Wiederholungsschleife täglich begleiten, statt euch mit Schimpfen und Stress auslaugen lassen.

Der Tiefpunkt darf sein, ich hatte ihn auch. Gefühle dürfen sein und dann wieder gehen und Platz machen für Neues.

Ihr seid wundervolle Mamas! Du bist gut so wie du bist! 

Atmen 😉

Deine Anne

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